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Zum Weltdiabetestag: DDZ fordert mehr Diabetes-Aufklärung und mehr Lehrstühle an Universitäten

Vorstand des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ): Prof. Dr. Michael Roden  DDZ
Vorstand des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ): Prof. Dr. Michael Roden DDZ
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Vorstand des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ): Prof. Dr. Michael Roden  DDZ
Vorstand des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ): Prof. Dr. Michael Roden DDZ

Anlässlich des Weltdiabetestags mahnen die Organisatoren unter dem Motto
Access to Diabetes Care zu ausreichender Versorgung und weltweitem Zugang
zu qualitätsgesicherten Informationen. Welche Herausforderungen in der
Diabetologie in Deutschland dazu gemeistert werden müssen ordnet der
Vorstand des DDZ, Professor Michael Roden, mit klaren Botschaften ein.

Alle 55 Sekunden erkrankt ein Mensch in Deutschland neu an Diabetes – rund
9 Millionen Betroffene sind es bereits im November 2023 [1]. Forscher
gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2040 zwölf Millionen Menschen von der
Stoffwechselerkrankung betroffen sein werden. „Praxen und Kliniken müssen
sich noch mehr als bisher angenommen auf die Behandlung von Menschen mit
Typ-2-Diabetes einstellen. Allerdings beobachten wir, dass es immer
weniger Lehrstühle für Diabetologie und Endokrinologie gibt,
Spezialkliniken verschwinden und Abteilungen geschlossen werden“, sagt
Prof. Michael Roden, Direktor der Klinik für Endokrinologie und
Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie Direktor des
Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ). Was dahinter steckt? „Die unzureichende
Vergütung durch das Gesundheitssystem verbunden mit immer weiteren
Stellen- und Mitteleinsparungen. Am Ende fallen dann die
Spezialabteilungen dem wirtschaftlichen Druck zum Opfer“, resümiert Roden.

Mehr Lehrstühle gegen Nachwuchs-Mangel

Steigen die Zahlen der Betroffenen, braucht es auch mehr Diabetologinnen
und Diabetologen und entsprechende Fachabteilungen in großen Kliniken.
Werden Fachgebiete in Lehre und klinischer Versorgung jedoch dezimiert,
fehlt es auch an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. „Junge Ärztinnen
und Ärzte haben die Diabetologie dann nicht mehr auf dem Schirm, die
Attraktivität sinkt immer mehr“, sagt der Experte und fordert: „Jede
medizinische Fakultät braucht wieder eine eigenständige Abteilung für
Endokrinologie und Diabetologie – sonst können wir die Ausbildung von
qualifiziertem Nachwuchs nicht sichern und die Herausforderungen in der
Versorgung von morgen meistern.“ Dabei sei die Diabetologie eines der
zukunftsträchtigsten Gebiete der Inneren Medizin: „Der Diabetes ist nicht
nur die häufigste Stoffwechselerkrankung, sondern wesentlich
verantwortlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenkrankheiten und
Fettlebererkrankungen und letztlich für die Sterblichkeit. Trotz immenser
Innovationen in der medikamentösen Therapie ist der Diabetes noch nicht
heilbar. Es gibt langfristig noch viel zu erforschen, was eine hohe
Motivation darstellt, sich in diesem Bereich zu spezialisieren.“

Mehr Aufklärung gegen Medikamenten-Mangel

Für Betroffene macht sich ein Mangel schon jetzt bemerkbar: Menschen mit
Adipositas, aber vor allem auch Diabetes mellitus können von neuesten
Therapien profitieren, die einen positiven Einfluss auf das Körpergewicht
nehmen. Diese Medikamente werden mehr und mehr von Nicht-Betroffenen als
Lifestyle-Abnehmspritze genutzt. Dazu sagt der Experte: „Dass eine
Gewichtsabnahme durch Medikamente möglich ist, ist zunächst einmal eine
große Chance für Betroffene. Es birgt jedoch die Gefahr, dass diese
Präparate „off-label“, also außerhalb der Zulassung, verwendet werden. Was
wir jetzt beobachten ist ein ernstes Verknappungs-Szenario: Diejenigen,
die es dringend benötigen, erhalten das Präparat nicht. Oftmals spiegeln
uns Betroffene zurück, dass das Medikament in vielen Apotheken derzeit
nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist.“
Deswegen rät Roden nach wie zu einfachen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion:
gesunde ausgewogene Ernährung und ausreichende körperliche Bewegung – auch
für Menschen mit Adipositas ein Muss, die noch nicht an Diabetes erkrankt
sind, sich trotz Übergewichts in ihrem Körper wohl fühlen. „Body
Positivity ist gut, darf aber nicht das Risiko von Folgen des Übergewichts
vergessen lassen“, erläutert Roden. Jeder kann und sollte sich über sein
persönliches Risiko informieren: Neben einem Gespräch mit dem behandelnden
Arzt gibt es viele Informationsplattformen und Tools, die Hilfestellung
leisten, z.B. den Diabetes-Risikotest des Dt. Zentrums für
Ernährungsforschung (https://drs.dife.de/), das Diabetes-Cockpit  des DDZ
(https://ddz.de/diabetes-cockpit/) oder das Diabetes-Informationsportal
diabinfo (https://www.diabinfo.de/).

Quellen:
1 https://ddz.de/diabetes-uhr/; modifiziert nach: Tönnies T et al.
Projected number of people with diagnosed Type 2 diabetes in Germany in
2040. Diab Med 2019