"Stop Filming Us but Listen", Filmpräsentation mit der kongolesischen Regisseurin und Journalistin Bernadette Vivuya
Die Regisseurin Bernadette Vivuya und der Produzent Ganza Buroko des
Dokumentarfilms "Stop Filming Us but Listen" (Demokratische Republik
Congo/Niederlande, 2022, 72 Min., OmeU) sind zu Gast an der
Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).
Im Anschluss an die Filmpräsentation führt Prof. Alejandro Bachmann ein
Publikumsgespräch mit den Gästen, das von Andrea Kirchhartz aus dem
Französischen übersetzt wird.
Donnerstag, 7. Dezember 2023, 19 Uhr, Aula der KHM, Filzengraben 2, 50676
Köln, Eintritt frei
Ein Film als Antwort, Erweiterung und Kontextualisierung eines anderen
Films: 2020 dreht der niederländische Regisseur Joris Postema einen
Dokumentarfilm – „Stop Filming Us“ – über die Kulturszene der Stadt Goma
im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Als er dabei auf Widerstände
der Menschen vor Ort stößt wird daraus ein Film über die Frage, wer wen zu
welchem Zweck filmt.
Die Journalistin und Filmemacherin Bernadette Vivuya eignet sich das
Material aus diesem Film an, um es gemeinsam mit Kagoma Ya Twahirwa in den
größeren Kontext kolonialer Bilder und Geschichte, neokolonialer Politik
und postkolonialer Praktiken vor Ort zu stellen: Im Umkreis des
ortsansässigen Kulturvereins Yolé! beobachtet sie die Auseinandersetzung
junger Männer und Frauen mit den Propaganda-Bildern der ehemaligen
belgischen Kolonialmacht, spricht mit Künstler*innen über ihre Praktiken
und wie sie sich zu gängigen westlichen Bildern des Lebens in
afrikanischen Ländern verhalten, diskutiert über die Fortführung
kolonialer Strukturen in der Entwicklungshilfe und befragt die Problematik
westlicher Förderungen für afrikanische Kunst. Die an westliche
Filmemacher*innen gerichtete Aufforderung, das Reproduzieren des immer
gleichen Blicks zu unterlassen wird so um das selbstwusste vorgetragene
Angebot, zuzuhören und daraus zu lernen, ergänzt.
„Stop Filming Us but Listen“ (Demokratische Republik Congo/Niederlande,
2022, 72 Min., OmeU) ist ein Film, der seine eigenen
Produktionsbedingungen beständig hinterfragt und reflektiert. In seiner
Form wirkt er wie die zeitgenössische Erweiterung jenes dokumentarischen
Modus‘, den Jean Rouch als Cinéma Vérité bezeichnet hat – ein Regisseur,
der 1965 von Ousmane Sembène zum Vorwurf gemacht bekam, er blicke in
seinen ethnografischen Filmen auf die Menschen als seien sie Insekten.
Die Regisseurin und der Produzent Ganza Buroko werden dem Screening
beiwohnen und anschließend im Gespräch mit Alejandro Bachmann, neuer
Professor für Filmgeschichte und Filmtheorie an der KHM, und dem Publikum
vertiefend auf die Fragestellungen des Films eingehen. Die Veranstaltung
ist eine Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Leuphana
Universität Lüneburg, der Universität Hamburg, der Akademie der Bildenden
Künste Wien sowie dem B-Movie in Hamburg.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Alejandro Bachmann, Professur Filmgeschichte und Filmtheorie
https://www.khm.de/personen_ho
