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Augsburger Forschende auf der UN- Klimakonferenz COP28

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Im Fokus der COP28 stehen zum einen die Bestandsaufnahme der bisherigen
Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion der einzelnen Länder weltweit, zum
anderen die Umsetzung der von den Industrieländern zugesagten Beiträge zur
Klimafinanzierung. Forscherinnen und Forscher des Zentrums für
Klimaresilienz der Universität Augsburg begleiten die Konferenz aus
wissenschaftlicher Sicht.

Nichtregierungsorganisationen und Hochschulen entsenden Angehörige zu den
UN-Klimakonferenzen, um die Verhandlungsfortschritte zu beobachten und
wissenschaftlich zu analysieren. Nach einem umfangreichen
Bewerbungsverfahren nimmt das Zentrum für Klimaresilienz der Universität
Augsburg erstmals im Rahmen des „Observer Status“ an der Konferenz teil.

Ganz oben auf der Agenda der Weltklimakonferenz in Dubai steht der „Global
Stocktake“: Hierfür wird erhoben, inwiefern die von allen Ländern bisher
geleisteten nationalen Klimaschutzbeiträge in Summe ausreichen, um den
Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5-2°C zu begrenzen. Es
ist offensichtlich, dass die bisherigen Beiträge nicht genügen. Umstritten
ist aber, wer nun nachbessern muss – alle, oder nur bestimmte Länder?
Welche Rolle kann dabei die deutsche Initiative für eine Verdreifachung
der Kapazität der erneuerbaren Energien und eine Verdopplung der
Energieeffizienz bis 2030 spielen?Ein weiterer Streitpunkt ist die
Finanzierung von Klimaschutz und -anpassung. Die Industrieländer wollten
dafür zwischen 2020 und 2025 jährlich $100 Mrd. an die Entwicklungsländer
transferieren. Allerdings wurde dieses Ziel seit 2020 jedes Jahr verfehlt.
Dank einer Zusage von Kanada und ein Vorziehen deutscher Zahlungen sieht
es so aus, als ob das Ziel dieses Jahr erstmals erreicht werden könnte.

Und schließlich steht die Operationalisierung des Fonds für nicht
verhinderte Schäden und Verluste durch Klimafolgen an, der letztes Jahr in
Sharm el-Sheik beschlossen wurde. Bislang ist dies ein leerer Topf, der in
Dubai gefüllt und operationalisiert werden muss.

Augsburger Expertise in Dubai

Diese und weitere spannende Fragen adressieren die Forschenden der
Universität Augsburg vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen fachlichen
Expertise:

Grüner Wasserstoff: Prof. Angela Oels, Professorin für Politikwissenschaft
mit Schwerpunkt Klimapolitik, richtet für das Deutsche Klima-Konsortium am
Montag, den 4.Dezember 2023 um 15:00 ein Side Event zum Thema grüner
Wasserstoff aus. Sie wird diesesin ihrer Funktion als stellvertretende
Vorsitzende des Deutschen Klima-Konsortiums eröffnen. In Kooperation mit
dem Forschungszentrum Jülich und der Universität Newcastle sowie mit
Beteiligung zahlreicher afrikanischer Partner wird auf diesem Side Event
danach gefragt, unter welchen Bedingungen Wasserstoff-Partnerschaften
zwischen Europa und Afrika nachhaltig sein können.

Der Fonds für Verluste und Schäden: Prof. Dr. Angela Oels und ihre
wissenschaftliche Mitarbeiterin Marie Fischer untersuchen empirisch wie
die vom Klimawandel verursachten Schäden und Verluste auf internationaler
Ebene diskursiv verhandelt werden und wie sich dies auf die Ausgestaltung
des neuen Fonds für Schäden und Verluste auswirkt. Auf der COP28 führen
die beiden dazu u.a. Interviews mit Verhandelnden und NGOs durch und
beobachten täglich die Verhandlungen. Marie Fischer interessiert
insbesondere, wie die internationalen Klimaverhandlungen mit der Umsetzung
auf nationaler und lokaler Ebene verbunden sind.

Die Rolle von Religionen für Klimagerechtigkeit: Prof. Dr. Elisabeth
Naurath, Professorin für Evangelische Theologie mit Schwerpunkt
Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts, betont die
mentalitätsbestimmende Relevanz von Religionen für umweltethische Ziele
und Klimagerechtigkeit. Erstmalig sind für diese Klimakonferenz Religionen
und interreligiöse Netzwerke als Protagonisten für einen
gesellschaftsbestimmenden Bewusstseinswandel stärker im Fokus.

Nachhaltiges Finanzwesen: Prof. Dr. Marco Wilkens, Inhaber des Lehrstuhls
für Finanz- und Bankwirtschaft, beschäftigt sich mit verschiedenen Fragen
im Bereich Sustainable Finance. Auf der COP 28 sind hierzu Kooperationen
u.a. mit dem DIN Deutsches Institut für Normung e. V. geplant. Weitere
Themen, an denen mitgewirkt werden soll, sind Impact Investing und
generell die Mobilisierung von privatem Kapital zur Bewältigung der
Klimaprobleme.

Resilienz in Afrika: Prof. Harald Kunstmann, Lehrstuhl für Regionales
Klima und Hydrologie, ist Co-Organisator des Side Events “Early Warning,
Income Diversification & Food System Transformation for Resilience
Building in Africa”, das am 11.12.23 stattfinden wird. Er stellt neueste
Methoden zur verbesserten Vorhersage von Hitzewellen und Dürreperioden
u.a. mittels Methoden der künstlichen Intelligenz vor und eruiert
Möglichkeiten zum Praxistransfer.


Die jährlichen Vertragsstaatenkonferenzen (Conference of the Parties, COP)
der UN-Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on
Climate Change, UNFCCC) verfolgen im Wesentlichen das Ziel, den
Klimaschutz auf globaler Ebene voranzutreiben und ärmere Länder bei der
Anpassung an die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen.
Infolge ihrer erfolgreichen Bewerbung unter Mitwirken des Zentrums für
Klimaresilienz wurde der Universität Augsburg der vorläufige Observer-
Status erteilt. So können jeweils drei Forschende aus Augsburg an der
Konferenz teilnehmen. Weitere sind über andere Partner-Organisationen vor
Ort.



Über die Personen

Marie Fischer ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Klimapolitik am Zentrum
für Klimaresilienz. In Ihrer Promotion untersucht sie die diskursive
Aushandlung dazu, wie durch den Klimawandel verursachte Schäden und
Verluste politisch adressiert werden können. Ihr Forschungsinteresse führt
sie anschließend an die COP28 nach Costa Rica, um Widerstände gegen eine
dominierende Regierungsweise im Nationalen und Lokalen zu ergründen. 2022
absolvierte Marie Fischer ihren Master im Fach Umweltethik an der
Universität Augsburg. Den fachübergreifenden Blick auf ökologische Fragen
bringt sie seit November 2022 im interdisziplinär ausgerichteten Zentrum
für Klimaresilienz ein.

Prof. Dr. Harald Kunstmann promovierte nach dem Studium der Physik an der
ETH Zürich und der Universität Bloemfontein in Südafrika. In seinen Augen
ist die Bewältigung von Armut und die nachhaltige Entwicklung eine der
größten gesellschaftlichen Herausforderungen – deshalb absolvierte er
parallel zur Dissertation in Zürich einen Nachdiplomkurs
Entwicklungsländer. 1999 begann er als Postdoc am Fraunhofer-Institut für
Atmosphärische Umweltforschung in Garmisch-Partenkirchen damit, eine
Arbeitsgruppe Hydrologie aufzubauen. 2004 wurde ihm zusätzlich zur Leitung
der Arbeitsgruppe die Verantwortung der Abteilung Regionale Klimasysteme
übertragen. 2009 wurde er, nach dem Jülicher Modell, gemeinsam mit dem KIT
auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Regionales Klima und Hydrologie an
die Universität Augsburg berufen, wo seitdem ein weiterer Teil seiner
Arbeitsgruppe angesiedelt ist. Seit 2015 ist er stellvertretender
Institutsleiter des KIT-Campus Alpin und seit 2021 Gründungsdirektor des
Zentrums für Klimaresilienz der Universität Augsburg. 2021 erhielt er den
mit 100,000 Euro dotieren Wasserressourcenpreis der Rüdiger Kurt Bode
Stiftung im Stifterverband.

Prof. Dr. Elisabeth Naurath ist Theologin und Religionspädagogin. Seit
2013 Professorin für Evangelische Theologie mit Schwerpunkt
Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts der Universität
Augsburg, arbeitet sie mit dem Schwerpunkt Friedensbildung und
interreligiöse Bildung. Sie gründete das Friedenspädagogische Zentrum für
interreligiöse Bildung und engagiert sich vielseitig in verschiedenen
interdisziplinären Gremien und interreligiösen Organisationen. So ist sie
u.a. Mitglied der internationalen Nichtregierungsorganisation „Religions
for Peace“. (RfP) Sie wurde im März 2021 zur Vorsitzenden von RfP
Deutschland gewählt. Seit einigen Jahren arbeitet sie zur religiösen
Bildung für nachhaltige Entwicklung und ist Projektleiterin des von
Erasmus-Plus geförderten Projekts zum Thema ‘Klimaschutz, Klimaresilienz
und Klimagerechtigkeit in der Ausbildung von Religionslehrkräften in
Deutschland, Österreich, Spanien, Albanien und Malaysia’.

Prof. Dr. Angela Oels ist seit April 2022 Inhaberin des Lehrstuhls für
Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Klimapolitik am neu gegründeten
interdisziplinären Zentrum für Klimaresilienz der Universität Augsburg.
Seit April 2023 ist sie darüber hinaus stellverstretende Vorsitzende des
Deutschen Klima-Konsortiums (DKK), dem größten Netzwerk der Klima- und
Klimafolgenforschung in Deutschland. Angela Oels hat sich als
Diskursforscherin und Mitbegründerin der Climate Governmentality Studies
einen Namen gemacht. Sie promovierte im Jahr 2001 an der School of
Environmental Sciences der University of East Anglia in England und
habilitierte sich im Jahr 2016 im Fach Politikwissenschaft an der
Universität Hamburg. Im Jahr 2015 wurde Angela Oels mit dem Humboldt-
Forschungsstipendium von Riksbankens-Jubiläumsfond ausgezeichnet verbunden
mit einer Gastprofessur an der Universität Lund für ein Jahr. Von
2016-2019 war sie als Juniorprofessorin für Environmental Governance an
der Open Universität der Niederlande tätig. Ihr aktueller
Forschungsschwerpunkt sind die UN-Klimaverhandlungen zum Thema Schäden und
Verluste.

Prof. Dr. Marco Wilkens ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls für Finanz-
und Bankwirtschaft an der Universität Augsburg. Vorher war er an den
Universitäten Eichstätt-Ingolstadt, Göttingen und Hamburg tätig. Er ist
Gründungsmitglied des Zentrums für Klimaresilienz und der
Wissenschaftsplattform Sustainable Finance und hierüber u.a. für den
Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung tätig. Seine Forschung
beschäftigt sich insb. mit Kapitalmärkten, Finanzprodukten wie
Investmentfonds, Finanzmarktrisiken und Finanzmarktregulierung – seit ca.
10 Jahren primär im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit.