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Waldboden ist Boden des Jahres 2024 - Monitoring und Bodenschutz im Zentrum der forstlichen Forschung

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Passend zum heutigen Weltbodentag wurde im
Rahmen einer Festveranstaltung im Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft, der „Waldboden“ zum Boden des Jahres 2024 erklärt. Der
Präsident der Bayerischen Lan-desanstalt für Wald und Forstwirtschaft
(LWF), Dr. Peter Pröbstle, würdigte in seinem Grußwort die hohe Bedeutung
der Waldböden und deren Schutz.

Schon seit 2002 gibt es den Weltbodentag der International Union of Soil
Sciences IUSS, die damit weltweit auf Bedeutung und Schutz der Ressource
Boden aufmerksam machen will. In Deutschland wählt darüber hinaus das
Kuratorium „Boden des Jahres“ seit 2004 einen bestimmten Boden aus, der
besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit verdient.

Klimawandel und Trockenheit setzen unsere Wälder zunehmend unter Druck.
Sowohl im Kampf gegen den Klimawandel als auch für das Wachstum und die
Gesundheit der Wald-bäume und des gesamten Waldökosystems kommt den
Waldböden eine entscheidende Rolle zu. Der Waldboden ist
Kohlenstoffspeicher, Hotspot der biologischen Vielfalt und Lebensgrundlage
für die Waldbäume.

Daher komme die Wahl des „Waldbodens“ zum Boden des Jahres 2024 genau zur
richtigen Zeit, um auf diesen häufig weniger beachten und so wichtigen
Teil des Lebensraums Wald hinzuweisen, so LWF-Präsident Dr. Pröbstle in
Berlin. Denn: „Der Waldboden ist ein echtes Multitalent und erbringt noch
viele weitere wertvolle Ökosystemleistungen, wie z.B. ihre Schwammwirkung
und das Abmildern von Hochwasserspitzen und die ausgleichende Wirkung auf
den Landschaftswasserhaushalt insgesamt. Gar nicht hoch genug bewertet
werden kann auch die enorme Wirkung der Waldböden auf die
Trinkwasserqualität oder die Biodiversität."

Zentrale Aufgabe von Monitoring und Forschung an der Bayerischen
Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft LWF ist es daher, die
Entwicklungen des Waldbodens in Bayern und Deutschland im Blick zu
behalten „Hierfür haben wir im Wald bereits in den 1980er Jahren, in den
Zeiten des sogenannten „Waldsterbens“, mit Bodeninventuren begonnen und
Bodendauerbeobachtungsflächen und Intensivmessflächen des forstlichen Um-
weltmonitorings (sog. Waldklimastationen) eingerichtet“, erläutert Dr.
Klaas Wellhausen, Leiter der Abteilung Boden und Klima der LWF. Auf
Grundlage dieser Messflächen wissen die Experten der Landesanstalt, dass
sich die Waldböden in Bayern langsam von den ho-hen Stoffeinträgen des
letzten Jahrhunderts - wie z. B. durch Schwefel aus Verbren-nungsprozesses
- erholen und insgesamt in einem vergleichsweise guten, naturnahen Zustand
sind.

Ob sich der positive Trend bei den Waldböden fortsetzt und welche weiteren
Verände-rungen im Boden stattfinden, wird sich nach Abschluss der derzeit
laufenden dritten Bo-denzustandserhebung zeigen: Im Rahmen der dritten
Bodenzustandserhebung im Wald (BZE III) erhebt die LWF an rund 380
Inventurpunkten Humus- und Mineralbodenzustand, Totholzvorrat,
Bodenvegetation und Waldzustand. Diese Erhebungen erfolgen alle 10-15
Jahre. An den Waldklimastationen werden die Stoffflüsse im Boden sogar
alle vier Wo-chen analysiert. Dies alles erfolgt in enger fachlicher
Abstimmung mit anderen Bundes-ländern und Netzwerkpartnern in Europa und
in Zusammenarbeit mit dem Bund.

„In Bayern gibt es eine große Bandbreite an Waldböden, von nährstoffarmen,
sauren Böden der Mittelgebirge bis hin zu nährstoffreichen Böden der
tieferen Lagen oder von trockenen Standorten in Nordbayern bis hin zu
feuchteren Standorten im Alpenvorland. Diese Vielfalt intakter Waldböden
gilt es zu erhalten“, so Dr. Wellhausen. Dabei komme der Vorsorge bei der
forstlichen Bewirtschaftung eine besondere Rolle zu: Zum Beispiel soll die
Befahrung von Waldflächen nur auf dauerhaft festgelegten
Erschließungslinien erfolgen. Dies vermeidet flächige Befahrung und
Bodenverdichtung, auch sollte die Baumartenwahl und Holzernteintensität an
den Standort angepasst sein. Hierzu entwickeln Wissenschaftler der LWF
derzeit entsprechende standortkundliche Grundlagen für die Praxis.

Im selben Maße braucht es aber auch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen
zur weite-ren Reduzierung der Stoffeinträge. So werden Wald und Waldboden
nach wie vor durch zu hohe Stickstoffkonzentrationen von außerhalb des
Waldes belastet. Technische Maß-nahmen zur Veränderung des Bodenzustands,
wie z. B. die Waldkalkung oder Bodenbe-arbeitung sollten hingegen eher gut
abgewogene Einzelentscheidungen als die Regel sein.