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Wiederbelebung bei Herzstillstand: Mit dem „Brainsaver“ Hirnschäden vermeiden

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Neue Technik soll Lücke in der Reanimation schließen. Mediziner am
Uniklinikum Leipzig entwickeln in einem interdisziplinären
Kooperationsprojekt für Ersthelfer ein Messgerät, das anzeigt, ob die
Herzdruckmassage für ausreichend Hirndurchblutung sorgt. Herzstiftung
fördert mit 95.000 Euro

Bei einem Herzstillstand müssen Ersthelfer sofort mit der Herzdruckmassage
beginnen, um das Überleben der betroffenen Person zu sichern, bis
Rettungskräfte das stillstehende Herz wieder zum Schlagen bringen können.
Mit der Herzdruckmassage überbrücken Ersthelfer die ausgesetzte
Pumpfunktion des Herzens, indem sie mit gestreckten Armen das Brustbein
tief (5 bis 6 cm) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute) in Richtung
Wirbelsäule drücken: so wird das Blut und damit Sauerstoff in den
Körperkreislauf und zum Gehirn gepumpt, sodass Gehirnzellen vor dem
Absterben bewahrt werden (Infos: https://herzstiftung.de/wiederbelebung).
„Die Herzdruckmassage ist für das Überleben des Notfallpatienten und für
die Vermeidung schwerer Langzeitschäden an Gehirn und anderen Organen bis
zum Eintreffen der Rettungskräfte entscheidend“, betont der Kardiologe
Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. Jährlich sterben in Deutschland mehr als 65.000 Menschen am
plötzlichen Herztod.
In dem Forschungsprojekt „BRAINSAVER“ (engl. für „Hirnretter“) nehmen
Leipziger Forscher um den Kardiologen PD Dr. med. Karsten Lenk,
geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Kardiologie
(Direktor: Prof. Dr. Ulrich Laufs) am Universitätsklinikum Leipzig und
weitere Wissenschaftler des Innovation Centers for Computer Assisted
Surgery (ICCAS) der Universität Leipzig und der Gesellschaft für
Angewandte Medizinische Physik und Technik (GAMPT) in Merseburg die
Qualität der Herzdruckmassage als entscheidende Komponente in den Fokus
ihrer Arbeit. Unterstützt wird die Forschungsarbeit mit Fördermitteln der
Herzstiftung in Höhe von 95.000 Euro im Rahmen der
Sonderforschungsförderinitiative „Plötzlicher Herztod“. Infos zu den elf
Projekten der Sonderförderinitiative „Plötzlicher Herztod“ (Volumen: eine
Mio. Euro) unter https://herzstiftung.de/forschung-herztod
Dr. Lenk und Kollegen haben mit dem Kooperationsprojekt „Brainsaver“ den
Prototyp eines ultraschallgestützten Messgerätes in einer Halskrause
entwickelt, mit deren Hilfe sich schon beim Ausüben der Herzdruckmassage
erkennen lässt, ob durch das Drücken die ausreichende Menge Blut durch den
Körperkreislauf und so auch in das Gehirn des Notfallpatienten gepumpt
wird.

Brainsaver misst wie „Wearable“ den Blutfluss durch die Halsschlagader
Studien haben bereits darauf hingewiesen, dass der Blutfluss durch die
Halsschlagader ein Zeichen dafür ist, wie gut die Herzdruckmassage
ausgeführt wird. „Ziel ist es ja, mit der Herzdruckmassage das Gehirn
weiter mit dem noch im Körper vorhandenen sauerstoffreichen Blut zu
versorgen, bis das Herz wieder in Gang kommt“, erklärt Lenk. Zeit ist
Leben beim Herzstillstand: Mit jeder Minute, die ohne Herzdruckmassage
vergeht, sinken die Überlebenschancen um zehn Prozent. Zudem verlassen von
den jährlich mindestens 50.000 reanimationspflichtigen Menschen in
Deutschland nur ca. zehn Prozent der Patienten die Klinik mit einem
akzeptablen neurologischen Ergebnis ohne schwere Langzeitschäden, schätzen
Experten (1,2). „Die Herzdruckmassage ist dabei von so existenzieller
Bedeutung, so dass sie unverzüglich, effektiv und korrekt durchzuführen
ist“, betont Dr. Lenk.

Der Brainsaver lässt sich leicht anwenden
Die Leipziger Forscher haben deshalb die Halskrause mit einer integrierten
Doppler-Sonographie-Sonde so entwickelt, dass sie sich von Rettungsteams
auch ohne vorherige umfassende Sonographie-Ausbildung anwenden lässt. Die
Halskrause besteht aus einem Immobilisationskragen, der in der Intensiv-
und Notfallmedizin zum Schutz des Hals-Nackenbereichs zum Einsatz kommt.
Dank einer Auswertungssoftware zeichnet das Gerät automatisiert
Blutflussgeschwindigkeiten auf und zeigt sie auf einem mobilen Monitor,
der mit dem Brainsaver verbunden ist, an. Ein Signalton soll die
Ersthelfer während der Herzdruckmassage warnen, sobald die
Ultraschallsonde eine Unterversorgung des Körperkreislaufs anzeigt. „Als
Anhaltspunkt dient der Sonde der Blutfluss in der Halsschlagader, der
Arteria Carotis Communis, die das Gehirn mit Blut versorgt“, erklärt Dr.
Lenk. Den Forschern ist die Aussagekraft des Blutflusses in der
Halsschlagader in vielerlei Hinsicht wichtig:
- für die Bestimmung der Wirksamkeit der Herzdruckmassage,
- für die Prognoseabschätzung und
- sie ermöglicht Feedback für die Durchführenden der Herzdruckmassage.

Der Brainsaver-Prototyp, den Dr. Lenk und sein Kollege Dr. Georg Stachel,
Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und der Zentralen
Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig, in Zusammenarbeit mit dem
ICCAS und GAMPT entwickelt haben, enthält einen Algorithmus, der die Tiefe
des Zielgefäßes unter der Haut bestimmt und den Messbereich des
Ultraschallgeräts angibt. „Dabei sind eine schnelle und mühelose
Platzierung der Ultraschallsonde und eine zuverlässige automatische
Erfassung des Flussspektrums eine der wichtigsten technischen
Voraussetzungen für einen klinischen Einsatz der Halskrause“, erklärt Dr.
Lenk.
Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und Realisierung des
Brainsaver-Prototyps war Dr. Lenk zufolge die interdisziplinäre
Zusammenarbeit zwischen den Ärzten der Klinik und Poliklinik für
Kardiologie sowie der Zentralen Notfallaufnahme am Universitätsklinikum
Leipzig, den Ingenieuren Reinhard Fuchs und Prof. Dr. Thomas Neumuth vom
ICCAS sowie dem Physiker Dr. Michael Schultz von GAMPT.

Erste Methodentests an Probanden waren vielversprechend
Erste Tests an Probanden aus der Forschungsgruppe sind vielversprechend.
Der Brainsaver muss allerdings stufenweise im klinischen Bereich erprobt
werden. In einer ersten Testphase zur technischen Machbarkeit muss sich
der „Hirnretter“ am Leipziger Universitätsklinikum an 100 Patienten ohne
Kreislaufstillstand und anschließend bei Patienten auf den Intensiv- und
Überwachungsstationen der Uniklinik bewähren: bei 96 Patienten im
Schockgeschehen und bei 80 Patienten unter Reanimation. „Wir prüfen nun
den Nutzen des Geräts, damit vielleicht künftig alle Rettungseinheiten –
zunächst in Leipzig – damit ausgestattet werden.“
(Wi)

Literatur

(1) Striebel HW. Anästhesie Intensivmedizin Notfallmedizin. Stuttgart:
Schattauer GmbH.
2017;9.
(2) Fischer, M., Wnent, J., Gräsner, J.-T., Seewald, S., Brenner, S.,
Bein, B., Ristau, P., Bohn, A. & die teilnehmenden Rettungsdienste im
Deutschen Reanimationsregister (2023). Öffentlicher Jahresbericht 2022 des
Deutschen Reanimationsregisters: Außerklinische Reanimation 2022.
https://www.reanimationsregister.de/themen/jahresberichte.html

1 Million Euro für Forschung zum plötzlichen Herztod (Früherkennung –
Diagnose – Therapie)
Die Deutsche Herzstiftung hat eine Fördersumme von einer Million Euro für
wegweisende Forschungsinitiativen in diesem Bereich bereitgestellt. Ein
sachkundiges Gutachtergremium hat die 46 eingehenden Bewerbungen einer
sorgfältigen Bewertung unterzogen und die Gesamtfördersumme auf 11
Projekte aufgeteilt. Nähere Infos unter:  https://herzstiftung.de
/forschung-herztod

Herz-Kreislauf-Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschung unter
https://herzstiftung.de/forschung-und-foerderung