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Paradigmenwechsel in der Notfallmedizin - Präklinische Notfallsonografie für eine effizientere Patientenversorgung

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Der Ultraschall im Rettungsdienst bietet die Möglichkeit, schnell und
sicher lebenswichtige Entscheidungen zu treffen und damit auch Leben zu
retten. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V.
(DEGUM) bildet seit vielen Jahren in der Notfallmedizin tätige Ärztinnen
und Ärzte in der Ultraschalldiagnostik aus. Doch trotz des innovativen
Konzepts ist die präklinische Notfallsonografie in Deutschland noch nicht
flächendeckend etabliert. Viele Notfallmediziner sind unzureichend
ausgebildet. Die Fachgesellschaft appelliert an die Träger der
Rettungsdienste, alle Rettungswagen und Hubschrauber mit
Ultraschallgeräten auszustatten.

In der Notfallmedizin bedeutet Zeit oft Leben. „Mit der präklinischen
Notfallsonografie bringen wir die Diagnostik direkt zum Patienten,
beschleunigen die Entscheidungsfindung und ermöglichen eine zielgerichtete
Therapie – direkt am Notfallort", sagt Dr. med. Armin Seibel, Leiter der
Interdisziplinären Intensivmedizin am DRK Krankenhaus Kirchen und Leiter
des DEGUM-Arbeitskreises Notfallsonografie. Unter präklinischer
Notfallsonografie versteht man eine strukturiert durchgeführte,
symptomorientierte Multiorgansonografie am Notfallpatienten noch am
Einsatzort. „Notfallpatienten müssen nicht warten, bis sie in einer Klinik
sind, sondern werden sofort mit einem mobilen Ultraschallgerät
untersucht", so Seibel weiter.

Notfallmediziner stehen oft vor der Herausforderung, ohne umfangreiche
Diagnostik wie Labortests und interdisziplinären Austausch schnell
lebenswichtige Entscheidungen treffen zu müssen. Die präklinische
Notfallsonografie ermöglicht es, viele Differentialdiagnosen sofort und
mit hoher diagnostischer Sicherheit zu stellen. Trotz des innovativen
Konzepts ist der Ultraschall im Rettungsdienst noch nicht flächendeckend
etabliert. „Dadurch werden unter Umständen Leben gefährdet. Deshalb ist es
entscheidend, dass die Träger der Rettungsdienste für eine flächendeckende
Ausstattung der Rettungswagen und Hubschrauber mit Ultraschallgeräten
sorgen", betont Seibel.

Notfallmediziner in der Notfallsonografie oft unzureichend ausgebildet
Ärztinnen und Ärzte, die in der Notfallmedizin tätig sind, müssen in der
Notfallsonografie gut ausgebildet sein. Denn nur mit einem fundierten
Fachwissen können sie auch im Notfallsituationen den Ultraschall
fachgerecht einsetzen. „Von den rund 20 Millionen Menschen, die jedes Jahr
in Deutschland in eine Notaufnahme kommen, haben circa 70 Prozent
internistische, allgemeinchirurgische und neurologische Symptome. Die
Klärung dieser Symptome mit Ultraschall verlangt eine hohe Expertise“,
sagt Dr. med. Thomas Händl, Chefarzt Zentrale Notaufnahme Klinikum
Garmisch-Partenkirchen GmbH, stellvertretender Leiter des DEGUM-
Arbeitskreises Notfallsonografie. Angehende Fachärztinnen und -ärzte für
Chirurgie oder Innere Medizin müssten zwar im Rahmen ihrer
Facharztausbildungen für mindestens 6 Monate in die Notaufnahme rotieren,
meist jedoch innerhalb der ersten 2 Jahre ihrer Facharztausbildung mit
noch wenig klinischer und sonographischer Expertise.

Gute Ausbildungskonzepte existieren bereits: Etwa die von der DEGUM
angebotenen Ausbildungsformate, die in den vergangenen Jahren bereits von
rund 15.000 Ärztinnen und Ärzten besucht wurden. Die Arbeitsgruppe
Notfallsonografie der deutschen, österreichischen und schweizerischen
Ultraschallgesellschaften DEGUM, ÖGEUM und SGUM hat dieses
länderübergreifende Ausbildungskonzept bereits 2008 etabliert und
kontinuierlich weiterentwickelt. „Ziel ist es, im Rahmen von Basiskursen
den fachgerechten, symptomorientierten und fokussierten Einsatz der
Sonografie zu erlernen, um bei lebensbedrohlichen oder häufigen Symptomen
im Notfall die richtigen Befunde erheben zu können“, sagt Händl.

Inzwischen gibt es auch ein Curriculum für einen Aufbaukurs, der die
Möglichkeiten der erweiterten Diagnostik bei Notfallpatienten vermittelt.
Die Kurse dauern 2 Tage, finden in Kleingruppen mit maximal 5
Teilnehmenden statt und haben einen Praxisanteil von 50 Prozent. In den
Kursen wird auch auf die erschwerten Untersuchungsbedingungen im Notfall
eingegangen und die Möglichkeiten und Grenzen der präklinischen Sonografie
vermittelt.