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Neue internationale Initiative erforscht Wildtier-Malaria

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Der weltweite Wandel des Klimas und Veränderungen in der Landnutzung sind
Ursachen dafür, dass sich Krankheitserreger auch in Erdregionen
ausbreiten, in denen sie zuvor nicht vorkamen. Vektor-übertragene
Parasiten, zu denen beispielsweise die Erreger der Malaria gehören,
beeinflussen erheblich die Anzahl an globalen Erkrankungen und gewinnen
immer mehr an Bedeutung. Um diese Gruppe von Parasiten besser zu verstehen
und angepasste Risikobewertungen zu entwickeln, haben sich Forschende der
Universität Bielefeld und der Universität Hohenheim mit anderen
Wissenschaftler*innen weltweit zu einer neuen Initiative, dem „Wildlife
Malaria Network“ (WIMANET), zusammengeschlossen.

Der Bielefelder Verhaltensforscher Dr. Nayden Chakarov koordiniert das
Netzwerk in Deutschland gemeinsam mit Dr. Sandrine Musa, Parasitologin an
der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Im Fokus stehen die weltweit verbreiteten Blutparasiten der Ordnung
Haemosporida. Diese Parasiten zeichnen sich durch eine extreme Diversität
aus und können mit Gesundheitsproblemen bei Menschen, Nutztieren und
Wildtieren in Verbindung gebracht werden. Dr. Nayden Chakarov und Tim
Maximillian Rapp haben diese Wirt-Parasit-Interaktionen am Lehrstuhl für
Verhaltensforschung der Uni Bielefeld zu ihrem Forschungsschwerpunkt
gemacht. An der Universität Hohenheim forscht die Arbeitsgruppe von Dr.
Sandrine Musa seit rund zehn Jahren zum Thema Vogelmalaria. Das Programm
wird vier Jahre lang von der „European Cooperation in Science and
Technology” (COST) finanziert. „Die Zusammenarbeit zielt darauf ab,
Ressourcen, Fachkenntnisse und Daten aus verschiedenen Forschungsgruppen
zu vereinen, um eine effizientere Untersuchung der Parasiten bei
Wildtieren auf globaler Ebene zu ermöglichen“, erklärt Chakarov.

Forschende der unterschiedlichsten Fachrichtungen, wie zum Beispiel der
Vogelkunde, Säugetierkunde oder der Lehre von Amphibien und Reptilien,
haben diese Parasiten über Jahrzehnte hinweg untersucht und so Einblicke
in die Wechselwirkungen zwischen Wirt und Parasit sowie deren geografische
Verbreitung ermöglicht. Darüber hinaus haben diese Studien die pathogenen
Auswirkungen der Infektionen und deren Bedeutung für den Naturschutz von
Wildtieren untersucht. „In den vergangenen Jahren haben Forschende ihren
Fokus erweitert, um auch die Überträger, so genannte Vektoren, dieser
Parasiten einzubeziehen, und haben genetische Techniken entwickelt, um die
Identifikation der Parasiten zu erleichtern und komplexere Sachverhalte zu
entschlüsseln“, sagt Musa.

Hauptziele des Netzwerks
Durch die Koordination und gemeinsame Forschungsbemühungen strebt WIMANET
danach, groß angelegte kollaborative Forschungsinitiativen zu erleichtern,
um lokale und regionale Grenzen zu überschreiten. Die COST-Maßnahme
WIMANET verfolgt dabei folgende Hauptziele:

•       Eine gemeinsame Forschungsagenda, die Forschende zur
Zusammenarbeit und Wissensaustausch ermutigen soll. Durch die gemeinsame
Arbeit hofft das Netzwerk, kritische Fragen im Zusammenhang mit
vektorübertragenen Parasiten auf globaler Ebene zu klären.

•       Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Gefördert werden soll ein
interdisziplinärer Ansatz, bei dem Expert*innen verschiedener Fachbereiche
zusammengebracht werden. Diese vielfältigen Kooperationen sollen zu einem
umfassenderen Verständnis des Wirt-Vektor-Parasit-Systems der Haemosporida
führen.

•       Die Unterstützung von Forschenden. Forschende jeglicher Herkunft
sollen unterstützt werden, indem ihnen Möglichkeiten zur Ausbildung und
Zusammenarbeit geboten werden. Dieser inklusive Ansatz zielt darauf ab,
die Expertise des Netzwerks zu erweitern und seine kollektive Wirkung zu
stärken.

•       Die Einbeziehung der Interessengruppen. Ziel ist es aktiv mit
Interessengruppen, Entscheidungsträger*innen und der Öffentlichkeit
zusammenzuarbeiten, um den Wissenstransfer zu erleichtern. Durch die
Sensibilisierung für vektorübertragene Parasiten und ihre Auswirkungen
strebt die Initiative an, Unterstützung für ihre Forschungsbemühungen zu
gewinnen.

„Durch die Vereinigung von Forschenden und Institutionen aus aller Welt
verspricht WIMANET, unser Verständnis von Blutparasiten bei Wildtieren zu
vertiefen. Es sollen effektive Strategien entwickelt werden, um die
Herausforderungen zu bewältigen, denen wir uns mit Malariaparasiten bei
Wildtieren in einer sich verändernden Welt gegenübersehen“, sagt Chakarov.