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Einstigen weltweiten Handel mit versklavten Menschen gemeinsam besser nachvollziehbar machen

Register versklavter Menschen aus dem Prize-Papers-Portal: Das Dokument von Bord des gekaperten französischen Schiffs
Register versklavter Menschen aus dem Prize-Papers-Portal: Das Dokument von Bord des gekaperten französischen Schiffs
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Register versklavter Menschen aus dem Prize-Papers-Portal: Das Dokument von Bord des gekaperten französischen Schiffs
Register versklavter Menschen aus dem Prize-Papers-Portal: Das Dokument von Bord des gekaperten französischen Schiffs "Abraham de Nantes" dokumentierte, in welchen Häfen zwischen Liberia und Benin die 304 versklavten Menschen an Bord gekauft worden waren. Prize Papers Project Prize Papers Project, Referenz HCA 32/97/1 (image reproduced by permission of The National Archives, UK)

Der transatlantische Handel mit versklavten Menschen in der frühen Neuzeit
sowie die Routen der Schiffe, die diese Menschen einst über den Atlantik
transportierten, sind gemeinsame Themen der internationalen Forschungs-
und Digitalisierungsprojekte „Slave Voyages“ und „Prize Papers“. Die
Datenbanken beider Vorhaben, die historische Dokumente der Forschung und
Öffentlichkeit zugänglich machen, werden zukünftig miteinander verknüpft.
Ziel ist es, einen Überblick über Ausmaß und Rolle der subventionierten
Kaperungen im System der Sklaverei zu gewinnen. Auch sollen bisher
unbekannte, detaillierte Dokumente über den transatlantischen
Sklavenhandel auf den verknüpften Plattformen verfügbar werden.

Die Kooperation vereinbarten Forschende der Projekte während eines
Workshops an der Universität Oldenburg, Sitz des Akademienprojekts „Prize
Papers“ in Zusammenarbeit mit den National Archives, UK. „Den Kreis
unserer internationalen Partner erweitern wir damit um eines der aktuell
renommiertesten Forschungs- und Datenbankprojekte weltweit“, sagte der
Oldenburger Historiker Dr. Lucas Haasis, Forschungskoordinator im Prize-
Papers-Team. „Ziel ist es, ein umfassenderes Bild der historischen
Hintergründe des Handels mit versklavten Menschen sowie einen Überblick
darüber zu erhalten, welche Rolle Kaperungen und das Prisensystem als Teil
der damaligen Kriegsführung im System der Sklaverei spielten.“
Hinter der digitalen Datenbank SlaveVoyages.org, derzeit betrieben an der
Rice University in Houston, Texas (USA), steht eine Initiative aus
verschiedenen Institutionen, die Dokumente und Objekte über den
transatlantischen Sklavenhandel zusammenstellt und öffentlich zugänglich
macht. Die Datenbank lässt sich durchsuchen, um mehr über die Herkunft und
die erzwungene Verschleppung von mehr als zwölf Millionen afrikanischen
Menschen zu erfahren, die in Sklavenschiffen über den Atlantik verschifft
wurden. Zudem lassen sich Erkenntnisse über Hunderttausende gewinnen, die
innerhalb der Amerikas verschleppt wurden. Neben der Rice University sind
etwa die University of California, die Emory University in Atlanta,
Georgia, die Harvard University sowie das National Museum of African
American History and Culture beteiligt. Eine Delegation des Projekts
„Slave Voyages“ war zum Workshop in Oldenburg angereist, daneben auch die
IT-Partner des Prize-Papers-Projekts aus Göttingen. Projektmitarbeitende
des britischen Nationalarchivs (The National Archives, UK), wo die
„Prisenpapiere“ lagern, schalteten sich ebenso wie weitere US-Forschende
online dazu.
Die Kaperungen gegnerischer Schiffe, sogenannte Prisen, waren einst
legitimes Mittel der Kriegsführung. Seit 2018 katalogisiert und
digitalisiert das Forschungsprojekt sämtliche Prisenpapiere („Prize
Papers“), die aus Gerichtsprozessen zu Kaperungen der englischen
beziehungsweise britischen Marine zwischen 1652 bis 1815 erhalten sind.
Finanziert wird das an der Universität Oldenburg sowie dem Nationalarchiv
in London (The National Archives, UK) angesiedelte Vorhaben von der
Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen über das
Akademienprogramm aus Mitteln von Bund und Land. Das Projekt arbeitet eng
mit dem Deutschen Historischen Institut London (DHI) und den IT-Experten
der Göttinger Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (VZG)
zusammen.
Insgesamt umfasst der Prisenpapier-Bestand in London Dokumente aus 14
Seekriegen, an denen die Krone beteiligt war und die zu mehr als 35.000
Kaperungen führten. Das englischsprachige Open-Access Portal soll bis 2037
rund 3,5 Millionen Digitalisate in 19 Sprachen bereitstellen. Zahlreiche
der im Portal erfassten Schiffe waren in den transatlantischen Handel mit
versklavten Menschen verwickelt. Und hielt die englische
Admiralitätsgerichtsbarkeit eine Kaperung für rechtmäßig, so wurden die an
Bord befindlichen versklavten Menschen als vermeintlich feindliches
Eigentum auf Auktionen verkauft. „Auch das Prisensystem beförderte somit
die Versklavung und die Verschleppung von vielen Tausenden afrikanischen
Menschen, wobei das genaue Ausmaß dieser Aktivitäten noch unbekannt ist“,
so Haasis.