Was die Giftküche der Natur bereithält
Natürliche Abwehrstoffe von Pflanzen sind Schwerpunkt des neuen
„BfR2GO“-Wissenschaftsmagazins
Pflanzen nutzen chemische Abwehrstoffe, um Fressfeinde, Insekten und
Mikroorganismen fernzuhalten. Einige dieser Stoffe können die menschliche
Gesundheit unterstützen – oder ihr schaden. Das Bundesinstitut für
Risikobewertung (BfR) untersucht, ob pflanzliche Inhaltsstoffe in
Lebensmitteln gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen können. Eine
durch das BfR beauftragte bundesweite Befragung zeigt, was die Bevölkerung
über pflanzliche Inhaltsstoffe weiß und welche möglichen Risiken die
Menschen durch den Verzehr erwarten. „Mehr als 60 Prozent der Befragten
sind wegen Rückständen oder Kontaminanten in Lebensmitteln besorgt – bei
natürlich vorkommenden, pflanzlichen Giftstoffen trifft dies nur auf 27
Prozent der Menschen zu. Natürliche Risiken werden häufig unterschätzt,
obwohl die giftigsten Stoffe, zum Beispiel Ricin oder Pilzgifte, aus der
Natur stammen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.
„Unsere Umfrage zeigt, wie wenig in der Bevölkerung über die
gesundheitliche Wirkung pflanzlicher Inhaltsstoffe bekannt ist. Hier
besteht Bedarf für die Risikokommunikation.“
https://www.bfr.bund.de/cm/350
Neben teils großen Sorgen vor Gesundheitsrisiken durch synthetische Stoffe
im Essen wird die Giftküche der Natur häufig übersehen. Problematisch kann
die konzentrierte Aufnahme eines Stoffes in einer Menge sein, die durch
den normalen Verzehr üblicherweise nicht erreicht wird. Enthält zum
Beispiel ein Nahrungsergänzungsmittel stark konzentrierte Extrakte
pflanzlicher Inhaltsstoffe, gilt es, mögliche gesundheitliche Risiken auch
durch Wechselwirkungen zu bewerten. Jede Substanz muss einzeln betrachtet
werden, mitunter macht nur die Dosis den gesundheitlichen Unterschied.
Etwa Cumarin in bestimmten Zimtarten, das in hohen Dosen leberschädigend
ist und in Lebensmitteln nur begrenzt enthalten sein darf.
Die neue BfR2GO-Ausgabe nimmt neben dem Schwerpunktthema auch Mykotoxine
unter die Lupe. Aktuelle Daten zeigen, dass die unsichtbaren
Schimmelpilzgifte ohne den Umweg über befallenes Futtermittel in Käse und
Wurst lauern können. Am BfR werden verschiedene Analysemethoden
entwickelt, um Spuren zu bisher unbekannten Schimmelpilzgiften
aufzudecken. Gifte, vielmehr – Vergiftungen, sind auch Thema im Artikel
über das neue Nationale Vergiftungsregister am BfR. Bisher werden
Vergiftungsunfälle nicht deutschlandweit erfasst. Das soll sich ändern,
denn besonders Kinder können durch Vergiftungen schwere Gesundheitsschäden
davontragen. Das Ziel ist es, potenziell gefährliche Produkte schneller zu
erkennen und bestenfalls Leben zu retten.
Der Artikel „Den Anfang verstehen“ beleuchtet die ganz frühe
Schwangerschaft und ihre Gefährdung durch chemische Stoffe. Mittels
künstlicher Embryonen untersuchen BfR-Wissenschaftlerinnen, wie sich ein
Embryo in der Gebärmutter einnistet, und wie sich Substanzen auf diesen
Prozess auswirken. Gewebekulturen „simulieren“ dabei Schwangerschaft –
ohne Tierversuche.
Wie BfR-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler den Einfluss von Umwelt
und Lebensstil auf unsere Gene erforschen, ist ebenso Thema im neuen
BfR2GO wie der Nachweis kleinster genetischer Veränderungen und die
Rückverfolgung ihres Ursprungs.
Vorfahrt für Fakten fordert Physiker und Comedian Vince Ebert im Interview
zu Wissenschaft und Risiken. Mit weiteren Themen rund um das mögliche Ende
von PFAS-Chemikalien und ein EU-Forschungsprojekt zu unbekannten
chemischen Stoffen sowie mit Hinweisen für die Fondue- und Raclettesaison
liefert das aktuelle Wissenschaftsmagazin BfR2GO kompakt und bis zum Rand
gefüllt mit Wissen aktuelle und fundierte Informationen über die Forschung
und deren Bewertung im gesundheitlichen Verbraucherschutz sowie zum Schutz
von Versuchstieren.
Jede BfR2GO-Ausgabe stellt ein Thema aus einem aktuellen Arbeitsbereich
des BfR in einem Schwerpunkt vor. Daneben gibt es Berichte, Interviews und
Meldungen aus sämtlichen Arbeitsgebieten des BfR. Das Magazin wird auf der
BfR-Webseite auf Deutsch und auf Englisch veröffentlicht und kann von dort
kostenlos heruntergeladen oder zum darin Blättern direkt kostenlos
bestellt werden. Wer BfR2GO dauerhaft beziehen möchte, kann sich für ein
Gratis-Abonnement anmelden.
https://www.bfr.bund.de/de/wis
Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich
unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums
für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung
und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und
Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in
engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
