Automobilität: Fahrverbote, Rabatte und Subventionen senken CO₂-Emissionen kaum und sind teuer
Mit mehr als 3 Millionen verkauften Neufahrzeugen pro Jahr ist die
deutsche Automobilindustrie ein wichtiger Akteur auf dem europäischen
Automobilmarkt und gilt damit als besonders relevant, um die
Klimaschutzziele zu erreichen. In einer aktuellen RWI-Studie werden die
Auswirkungen dreier politischer Maßnahmen ermittelt, die verkehrsbedingte
Emissionen von Pkws reduzieren sollen: Dieselfahrverbote, Rabatte für
Elektroautos und Plug-in-Hybride sowie Subventionen für Ladestationen. Die
Studienergebnisse zeigen, dass der Absatz von Dieselautos reduziert und
von reinen Elektroautos sowie von Plug-in-Hybriden angekurbelt wurde. ...
... Allerdings: Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet reduzieren diese
Maßnahmen die CO₂-Emissionen nur wenig und sind zugleich teuer. Für die
Studie wurden detaillierte Kfz-Zulassungsdaten aus allen deutschen
Bundesländern für den Zeitraum von Januar 2015 bis März 2020 ausgewertet.
Das Wichtigste in Kürze:
• Der Anteil der Dieselfahrzeuge unter den Antriebsarten in Deutschland
ist von 46 Prozent im Jahr 2015 auf 33 Prozent im Jahr 2019 gesunken.
Tatsächliche oder vorgeschlagene Dieselfahrverbote haben dazu beigetragen,
den Absatz von Dieselfahrzeugen zu reduzieren. Auf sie sind etwa 2 Prozent
des Rückgangs bei den verkauften Dieselfahrzeugen zurückzuführen, das
entspricht knapp 70.000 Dieselfahrzeugen. Allerdings sind etwa 95 Prozent
dieser Dieselautos durch mit Benzin betriebene Fahrzeuge ersetzt worden.
• Rabatte für reine Elektroautos und Plug-in-Hybride haben die
Verkaufszahlen dieser Fahrzeugtypen um 23 bis 43 Prozent erhöht (bis zu
42.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride). Aufgrund der in absoluten Zahlen
geringen Absatzmenge gilt: Die über den Lebenszyklus betrachteten CO₂-
Emissionen aller in Deutschland verkauften Neuwagen konnten um weniger als
ein Prozent reduziert werden (etwa 700.000 bis 1.200.000 Tonnen CO₂).
Damit hat das Rabattprogramm nur wenig zum Klimaschutz beigetragen. Die
CO₂-Vermeidungskosten pro Tonne liegen in etwa bei 1.000 Euro und sind
damit relativ hoch – insbesondere im Vergleich mit den Zertifikatskosten
im Europäischen Emissionshandelssystem, die bislang nie höher als 105 Euro
pro Tonne CO₂ lagen.
• Staatliche Subventionen für Ladestationen haben zu einem Zuwachs an
Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos um höchstens 5 Prozent geführt.
Dadurch konnten die CO₂-Emissionen ebenfalls um weniger als ein Prozent
reduziert werden (insgesamt bis zu 270.000 Tonnen CO₂). Die CO₂-
Vermeidungskosten pro Tonne liegen bei diesen Subventionen in etwa bei 400
Euro und sind damit ebenfalls relativ hoch.
• Innerhalb Deutschlands steigen die Verkaufszahlen der Plug-in-Hybride
und reinen Elektroautos durch den Ausbau der Ladestationen unterschiedlich
stark: Baden-Württemberg und Bayern verzeichnen das stärkste prozentuale
Wachstum bei diesen Fahrzeugen. Die Studienergebnisse deuten darauf hin,
dass dies auf das Zusammenwirken von Subventionen und dem besser
ausgebauten Netz von Ladestationen zurückzuführen ist.
• Die Studie basiert auf detaillierten Daten über den Verkauf von Neuwagen
je Bundesland zwischen Januar 2014 und März 2020.
„Unsere Studie macht deutlich, dass Rabatte für Elektroautos und Plug-in-
Hybride sowie Subventionen für Ladestationen sehr teure Maßnahmen sind, um
die CO₂-Emissionen zu senken“, sagt RWI-Umweltökonom Colin Vance. „Die
Politik sollte sich daher auf marktbasierte Lösungen wie den
Emissionshandel fokussieren. Damit können CO₂-Emissionen am
kostenwirksamsten gesenkt werden.“
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Colin Vance,
Originalpublikation:
https://www.rwi-
essen.de/fileadmin/user_upload
