euerungsraten für alle Haushaltstypen nähern sich Inflationsziel
IMK Inflationsmonitor mit neuen Werten und erweitertem Datenangebot
Teuerungsraten für alle Haushaltstypen nähern sich Inflationsziel –
Fachleute empfehlen Korrektur der restriktiven EZB-Geldpolitik
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Januar 2024 auf 2,9 Prozent
gesunken. Damit hat sie sich dem Inflationsziel der Europäischen
Zentralbank (EZB) von zwei Prozent weiter angenähert. Die
Inflationsbelastung verschiedener Haushaltstypen, die sich nach Einkommen
und Personenzahl unterscheiden, lag dabei relativ nah beieinander. Der
Unterschied zwischen der höchsten und der niedrigsten
haushaltsspezifischen Rate betrug im Januar 0,6 Prozentpunkte. Während
einkommensschwache Haushalte im Dezember noch eine geringfügig höhere
Inflationsrate schultern mussten als Haushalte mit mehr Einkommen, lag
ihre Belastung nun im unteren Bereich: Alleinlebende mit niedrigen
Einkommen hatten im Januar eine Inflationsrate von 2,0 Prozent zu tragen,
bei Familien mit niedrigen Einkommen waren es 2,2 Prozent. Das ergibt der
neue IMK Inflationsmonitor, den das Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung vorlegt.*
Dr. Silke Tober, IMK-Inflationsexpertin, und der wissenschaftliche
Direktor Prof. Dr. Sebastian Dullien berechnen seit Anfang 2022 monatlich
spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die
sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen
unterscheiden (mehr zu den Typen und zur Methode unten und in der
Abbildung in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Neu ist das
erweiterte Datenangebot: Ab sofort erschließt der Monitor online Trends
der Inflation im Zeitverlauf in interaktiven Grafiken. So lassen sich etwa
mit wenigen Klicks für alle sowie für einzelne Haushaltstypen die längeren
Trends der Inflation als Kurven- oder Balkendiagramme darstellen (Link zur
Datenbank unten).
Die längerfristige Betrachtung illustriert noch einmal sehr anschaulich,
dass ärmere Haushalte während der aktuellen Teuerungswelle bis in den
Sommer 2023 hinein besonders stark durch die Inflation belastet waren,
weil sie einen großen Teil ihres schmalen Budgets für Güter des
Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Haushaltsenergie ausgeben müssen.
Diese waren die stärksten Preistreiber. Im Laufe der letzten Monate hat
die Preisdynamik dort aber nachgelassen, so dass sich die
einkommensspezifischen Differenzen seit dem Höhepunkt im Oktober 2022
stark verändert haben. Damals hatten Familien mit niedrigen Einkommen die
höchste Inflationsrate im Haushaltsvergleich mit 11,0 Prozent. Dagegen
waren es beim Haushaltstyp der Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen 7,9
Prozent.
Doch auch wenn die Inflationsraten seitdem stark gesunken sind und die
Belastungen der verschiedenen Haushalte sich angenähert haben, wird das
Problem steigender Preise vor allem für Menschen mit niedrigen Einkommen
dadurch verschärft, dass viele nur geringe finanzielle Rücklagen haben und
die Alltagsgüter, die sie vor allem kaufen, kaum zu ersetzen sind.
Dass die allgemeine Inflationsrate von Dezember auf Januar um 0,8
Prozentpunkte zurückgegangen ist, liegt vor allem daran, dass die Preise
für Energie niedriger lagen. Zudem verteuerten sich Lebensmittel zwar noch
einmal um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber auch das stellt eine
Verlangsamung gegenüber den Monaten zuvor dar.
Auch bei den übrigen untersuchten Haushaltstypen jenseits der
einkommensschwachen Haushalte wirkte sich die nachlassende Preisdynamik
für Güter und Dienstleistungen des Grundbedarfs aus, allerdings weniger
stark als bei den ärmeren: So betrug die Preissteigerung bei Paarfamilien
mit hohen Einkommen im Januar 2,8 Prozent, bei Paaren ohne Kinder mit
mittleren Einkommen sowie bei Singles mit sehr hohen Einkommen je 2,7
Prozent und bei Paarfamilien mit mittleren Einkommen 2,6 Prozent. Bei
Alleinerziehenden mit mittleren Einkommen sowie bei Alleinlebenden mit
mittleren oder mit höheren Einkommen schlug die Inflation mit je 2,4
Prozent zu Buche (siehe auch die Abbildung in der pdf-Version dieser PM).
Dass aktuell die spezifischen Inflationsraten der einzelnen Haushaltstypen
etwas unter der allgemeinen Rate liegen, beruht darauf, dass das IMK bei
der Gewichtung der Warenkörbe die repräsentative Einkommens- und
Verbrauchsstichprobe (EVS) heranzieht, während das Statistische Bundesamt
mittlerweile auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zurückgreift.
– EZB sollte zeitnah allzu restriktive Geldpolitik lockern –
Der Rückgang der Teuerung zum Jahresanfang wäre noch stärker ausgefallen,
wenn der Staat nicht preistreibend gewirkt hätte. Ohne die vorzeitige
Beendigung der Energiepreisbremsen, die stärkere Erhöhung des CO2-Preises
und die Rückkehr zum normalen Mehrwertsteuersatz im Gastgewerbe hätte die
Inflationsrate im Januar noch um etwa einen halben Prozentpunkt niedriger
gelegen, also bei etwa 2,4 Prozent, so die Fachleute des IMK.
Für die kommenden Monate erwarten Tober und Dullien einen weiteren
Rückgang der Inflationsraten in Deutschland wie im gesamten Euroraum – und
leiten daraus einen Auftrag an die Europäische Zentralbank (EZB) ab, das
hohe Zinsniveau zu überdenken. Denn: „Die Inflation im Euroraum geht
bereits seit längerem stärker zurück als von der EZB erwartet. Zugleich
dämpft die ausgeprägt restriktive Geldpolitik die Wirtschaft, die zum
wiederholten Male schwächer ausfiel als in den Prognosen der EZB
erwartet.“ Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Stagnation im
Euroraum und einer sich abzeichnenden Rezession in Deutschland sollte die
EZB „auf die geänderte Datenlage reagieren und zumindest den
Restriktionsgrad der Geldpolitik verringern“, empfehlen die Ökonomin und
der Ökonom.
– Informationen zum Inflationsmonitor –
Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und
Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für
unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich
gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen –
von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu
Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die
haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den
Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor
werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit
zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro),
höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen;
Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600
Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro),
mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als
5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit
mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich.
Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.
