Person - Identität - Gemeinschaft“: 20. Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme vom 23. bis 25. Februar 2024
Die Stimme ist Teil und Ausdrucksmittel unserer Persönlichkeit. Sie
beschreibt die Person, verhilft zur Identität, platziert uns in der
Gemeinschaft und entwickelt sich in der Kinder- und Jugendzeit sehr
dynamisch und hörbar. Das Motto „Person - Identität - Gemeinschaft“
verleiht dem diesjährigen Symposium den Titel. Neben internationalen
Gesangs- und Chortechniken aus den Ländern Mongolei und Dänemark stehen
die Wechselbeziehung zwischen Solist und Chor, der Stimmwechsel sowie
Stimme und Geschlechtsidentität auf dem interdisziplinären Programm. Etwa
450 Gäste aus ganz Deutschland werden erwartet. Veranstalter ist die
Universitätsmedizin Leipzig und Ort die Hochschule für Musik und Theater.
„Nach 20 Jahren ist das Leipziger Symposium aus der
Weiterbildungslandschaft der Gesangspädagogik und Stimmmedizin nicht mehr
wegzudenken“, resümiert Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter des Symposiums.
„Wir begrüßen jährlich ein Stammpublikum aus den Bereichen
Gesangspädagogik, Chorleitung, Musiklehrerschaft, Medizin, Logopädie und
Wissenschaft und freuen uns über viele neue Anmeldungen auch aus
angrenzenden Fachgebieten“, erläutert der Leiter der Sektion Phoniatrie
und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig und Professor der
Universität Leipzig. Der Grund für das große und anhaltende Interesse
liegt in der Gegenwartsbezogenheit des Programms mit seinen kreativen
Denkanstößen und praktischen Ideen zum (Selbst-)Ausprobieren. Ausgehend
von den Fragestellungen, die bei vorherigen Symposien gesammelt wurden,
konzipierte das interdisziplinäre Team Workshops, Seminare und Vorträge.
Ein Themenschwerpunkt in diesem Jahr wird Stimme und Transgender sein.
„Eine Erfahrung, die von Teilnehmenden vergangener Symposien berichtet
wurde, ist die zunehmende Zahl an Jugendlichen in Chören und auch in der
Stimmtherapie, die sich in der Transition befinden. In diesem Prozess
müssen sie auch stimmlich begleitet werden“, erläutert Prof. Fuchs diesen
inhaltlichen Fokus und ergänzt: „Das stellt die Gesangspädagogen und
Stimmtherapeuten wie die betroffene Person vor viele Fragen.“ Die Stimme
ist ein Instrument der individuellen Persönlichkeit, ein Zeichen des
Geschlechts und dessen Wahrnehmung. „Zudem gibt es Menschen, die nicht
männlich oder weiblich, sondern ganz bewusst non-binär gelesen werden
wollen und ihre non-binäre Identität auch stimmlich zum Ausdruck bringen
möchten.“ Einer der Workshops gibt unter dem Titel „Gender Affirming Voice
Work“ Einblicke in die Arbeit mit non-binären und trans* menschlichen
Stimmen. Der Perspektivwechsel erfolgt dann im Rundgespräch am Sonntag,
25. Februar, an dem drei trans* Personen über ihre Stimmentwicklung und
ihre beruflichen Erfahrungen berichten, wie zum Beispiel aus dem Musical-
Business.
Darüber hinaus beschäftigt sich das Symposium mit den Wechselwirkungen im
solistischen und chorischen Singen. „Dabei geht es auch um die
psychologische Gruppendynamik in einem Chor“, erklärt Prof. Fuchs und
verweist auf den Vortrag am Freitag. Das Thema Stimmwechsel ist für
Kinder- und Jugendchöre von großer Bedeutung. Chorleiterinnen und
Chorleiter aus Leipzig, Hannover und Berlin bringen ihre Expertise und
Erfahrung bei der Begleitung junger Sänger:innen während der Pubertät ein
– unter ihnen auch der Leipziger Thomaskantor, Prof. Andreas Reize. Des
Weiteren werden internationale Praktiken aus der Chorpädagogik
vorgestellt, wie zum Beispiel The Intelligent Choir aus Dänemark. „Einen
großen Teil der Methode stellt dabei das Zeichensprachsystem Vocal
Painting dar, das eine Möglichkeit zum spontanen Musikmachen, quasi zur
Jam-Session im Chor bietet. Wir werden das beim Symposium ausprobieren und
alle zum Mitsingen einladen“, sagt der ehemalige Thomaner Fuchs.
Der Blick des Symposiums geht auch über den Tellerrand hinaus und schaut
auf die Stimme und Identität in anderen Kulturen. Ein Vortrag widmet sich
der Stimme als Resonanzraum von kulturellem Erbe. Musikalische Höhepunkte
bilden die Eröffnung des Symposiums durch den GewandhausJugendchor, die
(Mitsing-) Veranstaltung zum mongolischen Khöömii, dessen Technik zum
immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört und der künstlerische
Abschluss, der am Sonntag vom Kinder- und Jugendchor der Oper Leipzig
gestaltet wird.
Ausblick: Das 21. Stimmsymposium findet statt vom 21. bis 23. Februar 2025
zum Thema „Zukunftswelten“, in dem sich die Veranstalter u.a. mit
Künstlicher Intelligenz und Stimme beschäftigen werden.
