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Statement: Megatrend Generative KI bietet enorme Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft

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Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Nils Urbach ordnet das Potenzial von
ChatGPT & Co für die Arbeitswelt ein

Zahlreiche Expert*innen messen Künstlicher Intelligenz großes Potenzial
bei, andere weisen auf deren Risiken hin. Was bedeuten diese Entwicklungen
für die Arbeitswelt? Prof. Dr. Nils Urbach, Professor für
Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Digital Business der Frankfurt
University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), sieht in der Generativen
KI einen großen Nutzen insbesondere für die Automatisierung von
wissensintensiven Aufgaben. „KI hat dadurch das Potenzial, den
Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern. Die Technologie wird das
Arbeitsumfeld, wie wir es heute kennen, mittelfristig verändern. Dabei
werden etablierte Berufsgruppen verschwinden, dafür aber auch neue
Arbeitsplätze entstehen. Einige Berufsgruppen profitieren enorm“, sagt
Urbach.

Zum Hintergrund: Generative KI-Tools wie ChatGPT haben in kürzester Zeit
enorme Verbreitung erfahren. Die Generative KI als ein Teilbereich des
maschinellen Lernens beschäftigt sich mit der Erstellung neuer
Datenmuster, d.h. sie erschafft neue Inhalte wie Text, Bild, Audio und
Video. Die Generative KI lernt dabei aus vorhandenen Daten. „Mächtige
Generative KI-Lösungen sind das Ergebnis mehrstufiger Lernprozesse“,
erklärt Urbach. Sie sind dadurch in der Lage, neue, realistisch wirkende
und kontextuell angemessene Inhalte zu generieren, die den Eindruck
erwecken, von menschlicher Hand geschaffen zu sein. Diese KI-Modelle
können vielseitig eingesetzt werden, beispielsweise in der Texterstellung,
kreativen Gestaltung, Simulation von Szenarien oder sogar in der
Unterstützung von künstlerischen Prozessen.

Bestimmte Berufsgruppen profitieren besonders von Generativer KI

Studien haben ergeben, dass bei etwa 80 Prozent der US-Arbeitskräfte
mindestens 10 Prozent ihrer Arbeitsaufgaben von den Generativen KI-
Modellen betroffen sind. Bei 19 Prozent der Arbeitnehmer*innen sind sogar
mindestens 50 Prozent ihrer Tätigkeiten ersetzbar. Der Beruf der
Softwareentwickler*innen und andere wissensintensive Berufe könnten dabei
besonders von Generativer KI unterstützt werden. Andere Berufe, wie die
von Grafiker*innen und Texter*innen, stünden dagegen in Gefahr, in Teilen
ersetzt zu werden. Das Potenzial Generativer KI im Arbeitskontext scheint
jüngsten Studien nach von der Aufgabenkomplexität und der menschlichen
Befähigung abzuhängen. „Mit KI-Tools können vor allem Verbesserungen für
unerfahrene und gering qualifizierte Mitarbeitende bei weniger komplexen
Aufgaben erreicht werden, sie haben jedoch geringere Auswirkungen auf
erfahrene und hochqualifizierte Mitarbeitende mit sehr anspruchsvollen
Tätigkeiten“, ordnet Urbach ein.

Auffangen durch lebenslanges Lernen

Abschließend weist Urbach auf die Gefahr hin, dass durch die Fortschritte
in der Künstlichen Intelligenz die Gefahr besteht, dass ein Teil der
Gesellschaft zurückbleibe, was vor allem durch entsprechende Aus- und
Weiterbildungen sowie ein lebenslanges Lernen adressiert werden könne.
Hier sieht er auch die Hochschulen in der Pflicht, die jüngsten
Technologieentwicklungen in entsprechenden Lehr- und
Weiterbildungsangeboten aufzugreifen sowie deren gleichermaßen effektiven
und verantwortungsbewussten Einsatz zu vermitteln.

Gerne steht Prof. Dr. Nils Urbach für Interviews, Fragen und weitere
Statements rund um das Thema zur Verfügung.

Zur Person:
Prof. Dr. Nils Urbach ist Inhaber der Professur für Wirtschaftsinformatik,
insbesondere Digital Business & Mobilität, und Direktor des Research Lab
for Digital Innovation & Transformation (ditlab) an der Frankfurt
University of Applied Sciences. Zudem ist er Direktor am FIM
Forschungsinstitut für Informationsmanagement und am Institutsteil
Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts für Angewandte
Informationstechnik FIT sowie Mitgründer und -leiter des Fraunhofer
Blockchain-Labors. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung umfassen
Digitale Innovation und Transformation, Blockchain & Distributed Ledger
Technologies, Management von Künstlicher Intelligenz und Strategisches IT-
Management. Näheres zum ditlab unter: <www.frankfurt-
university.de/ditlab>.