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Projekte gegen die Einsamkeit im Alter und vieles mehr: Studiengang Industrial Design lädt zum Showcase ein

Beim Showcase zeigen die Studierenden ihre Arbeiten einem größeren Publikum.  uwid/BUW
Beim Showcase zeigen die Studierenden ihre Arbeiten einem größeren Publikum. uwid/BUW
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Beim Showcase zeigen die Studierenden ihre Arbeiten einem größeren Publikum.  uwid/BUW
Beim Showcase zeigen die Studierenden ihre Arbeiten einem größeren Publikum. uwid/BUW

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Ein Teil ihrer Menschen lebt im
Alter alleine, ist mit Krankheiten konfrontiert, die Einsamkeit verstärken
können. Welchen Beitrag kann Technologie leisten, Kommunikation zwischen
Alt und Jung ortsunabhängig zu fördern und beispielsweise Prozessen der
Demenz entgegenzuwirken? Dieser Frage gehen Industriedesignstudierende der
Bergischen Universität Wuppertal in ihren aktuellen Semesterprojekten
nach.

Ihre Ergebnisse – technische Prototypen – sowie viele weitere
Abschlussarbeiten, u. a. zum Thema nachhaltiges Produktdesign, stellen sie
und ihre Kommiliton*innen im Rahmen ihrer Semesterabschlussausstellung
„Showcase“ vor: Zur öffentlichen Finissage am Freitag, 8. März, sind alle
Interessierten ab 19 Uhr herzlich eingeladen.

„Hinter den Projekten, die sich speziell auf das Thema Einsamkeit im Alter
beziehen, steckt im Kern die Überlegung, gemeinsame Aktivitäten zu
schaffen, um darüber neue Gesprächsthemen zu entwickeln“, erklärt Fabian
Hemmert. Der Professor für Interface- und User Experience-Design ist mit
seinem Team aktuell Teil des vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung geförderten Projekts ZEIT, für das ein digitales System
entwickelt wurde, mit dem Senior*innen trotz räumlicher Distanz mit ihren
sozialen Kontakten interagieren können (siehe Infokasten). „Das Thema
eines solchen Forschungsvorhabens greifen wir auch für die Lehr-Lern-
Projekte unserer Studierenden auf. So entstehen neben der großen digitalen
Gesamtlösung viele weitere Prototypen, die das Ziel verfolgen,
zwischenmenschliche Verbundenheit zu fördern“, so Hemmert.

„Du bist nicht allein“

Im vergangenen Semester standen vermehrt proaktive Lösungen im
Vordergrund. Heißt: Durch einfach bedienbare Anwendungen wie ein
gemeinsames Spiel in virtueller Umgebung können Menschen direkt
miteinander kommunizieren. Aktuell arbeitet die nächste Gruppe von
Studierenden vorwiegend daran, Systeme zu entwickeln, die hintergründig
vermitteln sollen „Du bist nicht allein“. Ein Beispiel nennt Hemmert: „In
einem Projekt wird ein Windspiel konzipiert, das in der Wohnung des
Angehörigen hängen könnte. Immer, wenn ich an einem entsprechenden
Gegenstück, das wiederum bei mir zu Hause in der Wohnung installiert ist,
vorbeigehe, bewegt sich das Windspiel. Das kreiert ein Gefühl von Nähe“,
erklärt Hemmert. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit einer Bank, die
– weitergedacht – einmal vor einem Pflegeheim stehen könnte, und seine
Bewohner*innen einlädt, sich zu setzen, um mit der Außenwelt zu
kommunizieren. Neben der Möglichkeit, Verbindung zu einer Person auf einer
andernorts aufgestellten Bank herzustellen, ist dabei sogar denkbar und
technisch lösbar, die physische Präsenz des Gegenübers durch eine
Verformung der Bank zu suggerieren und das Gefühl der Nähe zu verstärken.

Ethik-Workshops: Nutzer*innen schützen

Es geht darum, ganz verschiedene Emotionen anzusprechen. Die Studierenden
führen dafür im Vorfeld ihrer Konzepterstellung Interviews, beschäftigen
sich mit Debatten zu sozialen und ethischen Fragestellungen: Welche
Gefahren kann ein solches System auch mit sich bringen? Mentale
Gesundheit, Daten- und technische Sicherheit stehen hierbei zum Beispiel
im Fokus. „Mit entsprechenden Workshops vermitteln wir unseren
Studierenden, wie wichtig es ist, ethische Komponenten von Beginn an in
die Gestaltung einzubeziehen. Technisch ist mittlerweile so Vieles
möglich, wir müssen die Nutzer*innen aber auch schützen“, betont Eva
Licht, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Industrial Design.

Showcase: Alle Arbeiten an einem Ort

Ihre Arbeiten stellen die Studierenden an der Bergischen Universität nun
auf dem Campus Grifflenberg in Gebäude I, Foyer Ebene 13 (Zugang über
Fuhlrottstraße 10) aus. Zur Finissage laden sie am 8. März ab 19 Uhr ein.
Von physischen Produkten bis hin zu immateriellen Dienstleistungen und von
Semesterprojekt bis Masterarbeit ist alles dabei. Manches, wie das Projekt
in Kooperation mit dem Unternehmen Abus, ist ein visionärer Blick in die
Zukunft; andere Inhalte suchen Antworten auf ganz aktuelle Fragestellungen
wie „Wie teilt ein Produkt eigentlich mit, dass es nachhaltig ist?“. „Für
unsere Studierenden ist der Showcase etwas Besonderes – hier können sie
ihre Ideen und Lösungen einem größeren Publikum zeigen. Unser Showcase ist
damit auch immer eine Plattform, um konstruktiv über gesellschaftliche
Themen und Herausforderungen zu sprechen“, sagt Prof. Hemmert.

Weiterführende Informationen zur Ausstellung veröffentlicht der
Studiengang auf der Veranstaltungswebseite: https://uwid.uni-
wuppertal.de/showcases.


Das Forschungsprojekt ZEIT

Ziel des Verbundvorhabens ist die Erforschung und Entwicklung einer
digitalen Gesamtlösung, die ein Gefühl der Verbundenheit schaffen kann,
wenn ältere Menschen von ihrem Freundeskreis oder Familien getrennt sind.
Dafür wurde ein Armstuhl mit einem programmierbaren Textil und
zusätzlichen Sensoren im Gewebe des Sessels ausgestattet. Eine zentrale
Rolle spielt hier ein Virtual Reality-System, mit dessen Hilfe
Erinnerungen – beispielsweise alte Fotos und Urlaubserinnerungen –
intuitiv navigierbar gemacht werden und gemeinsam mit Angehörigen neu
erlebt werden können, zu denen so eine stärkere und aktivere Beziehung
ermöglicht wird.

Der Studiengang Industrial Design von der Bergischen Universität kümmert
sich im Projekt vor allem darum, die Nutzer*innen einzubeziehen. Zentral
ist die Gestaltung eines Interfaces, das die komplexen Inhalte einfach
bedienbar macht.

Das Projekt befindet sich auf der Zielgeraden: Eine abschließende
Evaluation des Armstuhls durch weitere Tests mit Nutzer*innen soll
Aufschluss darüber geben, welche Aspekte bei zukünftigen Entwicklungen
dieser Art in besonderem Maße beachtet werden müssen.

Verbundkoordinator des Projekts ist das Institut für Textiltechnik der
RWTH Aachen. Weitere Partner sind das OFFIS – Institut für Informatik aus
Oldenburg, die Visseiro GmbH aus Berlin und die AWO Wohnen und Pflegen
Weser-Ems GmbH. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert
das Gesamtvorhaben mit rund 1,8 Millionen Euro.