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Textile Innovationen für die ambulante Gesundheitsversorgung

Sensorplatzierung mittels lasergestütztem 3D-Bodyscan durch Prof. Dr. Sven Michel.  Foto: BTU, Titus Martin
Sensorplatzierung mittels lasergestütztem 3D-Bodyscan durch Prof. Dr. Sven Michel. Foto: BTU, Titus Martin
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Sensorplatzierung mittels lasergestütztem 3D-Bodyscan durch Prof. Dr. Sven Michel.  Foto: BTU, Titus Martin
Sensorplatzierung mittels lasergestütztem 3D-Bodyscan durch Prof. Dr. Sven Michel. Foto: BTU, Titus Martin

Therapiewissenschaftler*innen der Brandenburgischen Technischen
Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) untersuchen den Einsatz von
Zukunftstechnologien für ein gelingendes Altern. In einem neuen Projekt
mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
und Fokus auf die Oberlausitz wirkt die Universität eng mit Unternehmen
zusammen.

Sensorbasierte Schutz- und Monitoringsysteme für Vitalität und Mobilität
im Alter (SeSMoVit-A) ist der Titel des für den Gesundheitscampus
Senftenberg bedeutsamen Projektes, für das Prof. Dr. habil. Sven Michel,
Leiter des Fachgebietes Therapiewissenschaften II an der BTU, die
Federführung hat. Nach einem zweistufigen Auswahlverfahren stellt das BMBF
über die Programmlinie WIR! – Wandel durch Innovation in der Region dafür
in den nächsten drei Jahren 2,5 Millionen Euro bereit und zugleich eine
Anschlussförderung in Aussicht. Für die Forschung an der BTU stehen davon
rund 600.000 Euro zur Verfügung.

Um Patient*innen unabhängig von Praxisbesuchen im häuslichen Umfeld oder
auch in Pflegeeinrichtungen überwachen und schützen zu können, benötigen
Ärzt*innen konkrete Aussagen zu entsprechenden Vitalparametern, zum
Beispiel Herzfrequenz, EKG, Blutdruck, Blutzucker, Laktat oder
Körperkerntemperatur. Im Projekt SeSMoVit-A wird unter anderem erforscht,
was hierzu intelligente textile Produkte leisten können. Zahlreiche Fragen
müssen geklärt werden – zum Beispiel: Welche Art von Kleidung und
Stofffaser ist dafür geeignet? An welchen Körperteilen sollen und können
Sensoren platziert werden? Wie werden die erfassten Signale bearbeitet und
an wen werden diese übermittelt? Wie verhält es sich mit dem Datenschutz?
Was sind tatsächlich Notfall auslösende Signale?

„Vom Ansatz her, handelt es sich bei diesem Projekt um einen Verbund
zwischen Universität und forschender Industrie“, hält Professor Michel
fest. "Die Unternehmen Smart Textiles Hub GmbH (Dresden), FiberCheck GmbH
(Chemnitz), MeDConNet GmbH (Chemnitz) und das Sächsische
Textilforschungsinstitut e.V. (Chemnitz) haben sich dabei zu einem
Konsortium zusammengeschlossen und wollen mit der BTU textile Innovationen
praxisbezogen testen beziehungsweise in die Oberlausitz tragen."
Dabei nutzen sie ihr gut aufgebautes regionales Netzwerk und arbeiten mit
den dortigen Gesundheitsdienstleistern eng zusammen. Der Oberlausitz wird
dabei seitens des BMBF der Charakter einer Modellregion zugeschrieben, in
der insbesondere Gero-Technologien zur Verbesserung der Lebensqualität im
höheren Lebensalter entwickelt und erprobt werden sollen.

„Betrachtet man die leistungsdiagnostische Forschung der letzten 30 Jahre,
sind vielfältige sensorgestützte Messverfahren zur Beurteilung von Status
und Dynamik des menschlichen Körpers in unterschiedlichen Settings
erprobt, validiert und miniaturisiert. Gleiches gilt für die
Textilforschung, die nahezu unsichtbar Sensoren in und auf textile Fasern
bringen kann. Davon ist jedoch im Bereich der ambulanten
Gesundheitsversorgung einschließlich der Pflege kaum etwas anzutreffen.
Mehr als unsolide Herzfrequenzmesser, Notfallmeldesysteme oder
transportable EKG-Geräte sind hier kaum im Einsatz“, so Professor Michel
weiter. „Das muss sich ändern, insbesondere wenn wir von Digitalisierung,
Telemedizin oder gar künstlicher Intelligenz sprechen. Und genau daran
arbeiten wir!“

Dabei knüpfen die Therapiewissenschaftler*innen direkt an ihr letztes vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördertes
Forschungsprojekt an, in welchem zusammen mit der TU Dresden ein textiler
Schweißsensor entwickelt und evaluiert wurde (siehe:
https://www.b-tu.de/en/news/article/15600-was-der-schweiss-ueber-die-
eigene-fitness-verraet
). Dieser ist im Stande, Stoffwechselendprodukte im
Schweiß zu messen, um so verschiedene Aussagen zu Krankheitsstatus oder
der Ausdauerleistungsfähigkeit non-invasiv abzuleiten.