Die Wohlfühlgemeinde: Wie Marktrodach sich mit Hilfe der Hochschule Coburg neu erfindet
In der Wirtschaft wird Feelgood-Management genutzt, um Unternehmen für
Mitarbeitende attraktiv zu machen. Dieses Konzept wurde in Marktrodach
(Kreis Kronach) auf die Gemeinde übertragen: Hier hat Feelgood-Managerin
Paula Smettane die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger im Blick. Die
besondere Verbindung zwischen Menschen und Verwaltung entstand aus einem
Projekt des Masterstudiengangs „ZukunftsDesign“ der Hochschule Coburg.
Wie kann man neue Bürgerinnen und Bürger gut ins örtliche Leben
integrieren? Wollen sie das überhaupt? Sind sie selbst schuld, wenn es
nicht klappt, liegt es an den Alteingesessenen oder womöglich an beiden?
In den vergangenen Jahren wurde es in Marktrodach schwieriger, Ehrenämter
zu besetzen und Nachwuchs für die Vereinsarbeit zu finden. Wie überall.
Aber woran liegt das – und vor allem: Was lässt sich dagegen unternehmen?
Andreas Buckreus und Katja Wich aus der Marktrodacher Verwaltung wandten
sich an den Masterstudiengang ZukunftsDesign der Hochschule Coburg am
Kronacher Lucas-Cranach-Campus (LCC), um herauszufinden, wie das
bürgerschaftliche Engagement und der Zusammenhalt verbessert werden
können. Zentrale Frage war dabei das Verhältnis von Alteingesessenen und
Zugezogenen. Im Projekt „Vom Bewohner zum aktiven Bürger" begleitete ein
halbes Dutzend Studierende Marktrodach auf dem Weg zu einer lebendigen
Mitmachgemeinde.
Kreative Lösungen für die regionale Entwicklung
„ZukunftsDesign - Innovation.Unternehmertum.Gest
berufsbegleitender Masterstudiengang in dem Studierende mit verschiedenen
Bachelorabschlüssen gemeinsam in praktischen Projekten lernen. In kleinen
Gruppen blicken sie mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und
Hintergründen auf das Thema, definieren die Zielrichtung und entwickeln
kreative Lösungsansätze – jedes Semester aufs Neue in einem Projektteam.
„Die Vielfalt macht den Charme aus“, erklärt Studiengangsleiter Prof. Dr.
Christian Zagel. „Bisher hatten wir 120 Projekte. Die Studierenden können
in Welten eintauchen, in die man normalerweise keinen Einblick hat.“ Das
öffnet den Geist – und in der Praxis lernen die Studierenden unter anderem
Innovationsmethoden, die sie auch in ihr berufliches Umfeld übertragen
können. Dabei dient der Studiengang auch der Regionalentwicklung:
Kooperationen wie die mit Marktrodach halten die Region zukunftsfähig.
Ziel: Bürgerinnen und Bürger aktivieren
Im Sommersemester 2023 nahmen sich die Studierenden des Themas mit
wissenschaftlichen Methoden an. Mit Hilfe von Befragungen fanden sie
heraus, dass die Situation in Marktrodach ein wenig anders ist als zuerst
angenommen. Die Gemeinde im Naturpark Frankenwald hat etwa 3700 Einwohner,
herrliche Natur und sie blickt auf eine lange und spannende Geschichte der
Flößerei und Holzwirtschaft zurück, die sich auch in den prächtigen
Floßherrenhäusern spiegelt. Die Kreisstadt Kronach ist nur wenige
Kilometer entfernt. „Unser Dorf ist wirklich superschön und ich liebe es,
hier zu wohnen“, erklärte Tim Schmierer, der Jugendwart der Feuerwehr, den
Studierenden. Die Menschen sind gerne hier – die Alteingesessenen genau
wie die Zugezogenen. Die befürchtete Kluft wurde nicht festgestellt. Die
Ausrichtung des Projektes verschob sich dadurch. Neue Zielrichtung war,
herauszufinden, wie die Bürgerinnen und Bürger aktiver in die Gemeinde
integriert werden können. Entscheidend war dabei die Frage, wo im Leben
wichtige Berührungspunkte zwischen Bürgerinnen und Bürgern mit ihrer
Kommune sind – und wie diese verbessert werden können. „Für die
Marktgemeinde ist dieser Blick von außen auf unser Gemeindeleben und das
Miteinander in der Gemeinde ein großer Schatz“, sagt Katja Wich,
Geschäftsstellenleiterin des Marktes Marktrodach.
Mitmach-Gemeinde der Zukunft
ZD-Studentin Jasmin Block berichtet, wie sich das Projekt entwickelte und
wie dann Themen priorisiert wurden: Gefühlt Tausende Klebezettel,
intensiver Austausch mit dem Projektpartner und viel Lachen.
ZukunftsDesign mache einfach Spaß. „Ich studiere das, weil ich mich
weiterentwickeln will: fachlich, aber auch persönlich.“ Aus den obersten
Prioritäten ergab sich die neue Position der Marktrodacher Feelgood-
Managerin, die mit Paula Smettane besetzt wurde. Sie hatte das Projekt
vorher als Auszubildende in der Verwaltung mitbegleitet. Die Gruppe des
Studiengangs ZukunftsDesign überreichten der Gemeinde zusätzlich ein
„buntes Potpourri an weiteren Ideen und Ansätzen, seine Bürger immer
wieder zu aktivieren“. Und damit ging es richtig los. Die ersten drei
Aktionen werden 2024 unter Federführung der neuen Feelgood-Managerin Paula
Smettane starten. Geplant sind Kino-Veranstaltungen für Jugendliche, ein
Austausch in lockerer Atmosphäre beim gemeinsamen Frühstück für
Unternehmerinnen und Unternehmer und eine Schnitzeljagd, an der sich unter
anderem die Vereine beteiligen. Eingeladen werden alle Bürgerinnen und
Bürger. Marktrodach geht als Mitmach-Gemeinde in die Zukunft.
Über dieses besondere Projekt gibt es jetzt auch einen Filmbeitrag von TV
Oberfranken: Zu sehen am Mittwoch, 28. Februar, im Magazin „4you" | Kabel:
18.30 Uhr | FrankenPlus: 19.30 Uhr | oder in der Mediathek.
