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Zukunftsfähige Standortinformationen für klimarobuste Wälder

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Privatwald bei Untertraubenbach (Lkr. Cham). Links: Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayeri. für Wald und Forstwirtschaft; rechts: Josef Ziegler, 1. Vors. der WBV Cha  Dr. Klaas Wellhausen, LWF
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Privatwald bei Untertraubenbach (Lkr. Cham). Links: Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayeri. für Wald und Forstwirtschaft; rechts: Josef Ziegler, 1. Vors. der WBV Cha Dr. Klaas Wellhausen, LWF
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Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Privatwald bei Untertraubenbach (Lkr. Cham). Links: Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayeri. für Wald und Forstwirtschaft; rechts: Josef Ziegler, 1. Vors. der WBV Cha  Dr. Klaas Wellhausen, LWF
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung im Privatwald bei Untertraubenbach (Lkr. Cham). Links: Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayeri. für Wald und Forstwirtschaft; rechts: Josef Ziegler, 1. Vors. der WBV Cha Dr. Klaas Wellhausen, LWF

Laut Deutschem Wetterdienst war 2023 das wärmste Jahr in Deutschland seit
dem Messbeginn im Jahr 1881. Doch es steht zu befürchten, dass in den
kommenden Jahren noch trockenere und heißere Witterungsphasen unseren
Waldbäumen zu schaffen machen werden. Der richtigen Baumartenwahl auf dem
jeweiligen Standort kommt daher künftig eine noch entscheidendere Rolle
zu.

Aus diesem Grund passt die Bayerische Landesanstalt für Wald und
Forstwirtschaft (LWF) die bereits vor 30-40 Jahren erstellten forstlichen
Standortkarten an. In einem Großprojekt werden die alten Karten und
Standortgutachten digitalisiert und flexibel gestaltet, damit sie sowohl
die aktuellen Standortbedingungen im Jahr 2024 als auch die künftig zu
erwartende Standortbedingungen abbilden können. Dieses Projekt findet in
Kooperation mit dem Verein für forstliche Standortserkundung e. V. (VfS)
und den Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften statt.
Mit der WBV Cham-Roding wurde die bayernweit erste förmliche Vereinbarung
zur Zusammenarbeit unterzeichnet und viele weitere
Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften haben in den
letzten Wochen Ihr Interesse bekundet.

Der nahezu überall in Bayern dringliche Waldumbau setzt eine möglichst
genaue Kenntnis nicht nur der heutigen, sondern auch der künftigen Boden-
und Klimabedingungen voraus. „Ein im letzten Jahrtausend noch gut
wasserversorgter Waldstandort ist bereits heute oft deutlich trockener.
Aufgrund der galoppierenden Klimaerwärmung werden sich viele Waldstandorte
in den kommenden Jahrzehnten noch weiter stark verändern“, so Dr. Peter
Pröbstle, Präsident der LWF. „Als Waldbewirtschaftende müssen wir wissen,
ob auf unseren Waldstandorten auch in einigen Jahrzehnten noch Mischwälder
mit Fichten- und Tannenanteilen gedeihen können, oder ob wir bereits heute
auf Buche, Eiche oder sogar auf ganz neue Baumarten setzen müssen“ ergänzt
Josef Ziegler, der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Cham-Roding und
Präsident des Bayerischen Wald-besitzerverbandes.

Die WBV Cham-Roding war Vorreiter in diesem Kooperationsprozess und hatte
bereits Mitte letzten Jahres ihre Mitwirkung an dem Gemeinschaftsprojekt
signalisiert. Inzwischen wurde die erforderliche förmliche Vereinbarung
zur Zusammenarbeit stilgemäß mitten in einem oberpfälzer Waldstück
unterzeichnet.

Bereits ab den 1980er Jahren wurden in Bayern mit finanzieller
Unterstützung des Frei-staats die Waldstandorte auf ihre Eignung für die
verschiedenen Baumarten untersucht. Mit Spaten, Hammer und Bohrstock waren
unzählige Standortkartierer über mehrere Jahrzehnte in den bayerischen
Wäldern unterwegs. Dabei bestimmten sie die Bodenart, den Stein- und
Humusanteil u.v.m. und leiteten daraus Nährstoffausstattung und
Wasserspeicherfähigkeit des Waldbodens ab. „Das war seinerzeit ein
unvergleichlicher Kraftakt. Nicht von ungefähr ist Bayern das einzige
westdeutsche Bundesland, in dem eine solche flächendeckende Kartierung
vorliegt. Doch ein solch gewaltiger Datenschatz kann nur Wirkung
entfalten, wenn er auch den heutigen und künftigen Anforderungen
entspricht und genutzt werden kann,“ so Dr. Pröbstle.

Mit der Weiterentwicklung dieser Altkartierungen übernimmt Bayern ein
weiteres Mal eine Vorreiterrolle. Gemeinsam wollen die forstlichen
Zusammenschlüsse, der Verein für Standorterkundung sowie die Bayerische
Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft die alten Standortinformationen
zukunftsfähig weiterentwickeln. Das Besondere an diesem Projekt ist jedoch
die Freiwilligkeit: Im kleineren und mittleren Privatwald setzt die Wei-
terentwicklung die Einwilligung und Mitwirkung der
Waldbesitzervereinigungen (WBV) und Forstbetriebsgemeinschaften (FBG)
voraus. In den vergangenen Wochen haben schon zahlreiche
Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften ihre
Bereitschaft erklärt, gemeinsamen mit der LWF die Standortinformationen
weiterzuentwickeln. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen belegen die
große Bedeutung des Themas für die forstliche Praxis und das breite
Interesse. Weitere interessierten WBVen und FBGen können noch in den
kommenden Wochen bei der LWF ihre Teilnahmebereitschaft erklären.
Möglich wurde dieses Großprojekt nur im Rahmen des vom Waldklimafonds
geförderten Verbundprojekt „Standortgerechtes Waldmanagement im
Kleinprivatwald“ der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR).