Wissen, Evidenz und Innovation in der Urologie: Präsident Gschwend setzt Schlüsselthemen auf dem 76. DGU-Kongress
Als amtierendem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
(DGU) obliegt Univ.-Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend die Leitung des 76.
Kongresses der wissenschaftlichen Fachgesellschaft vom 25. bis 28.
September 2024 in Leipzig. Mit seinem Kongressmotto „Wissen schafft
Evidenz, Heilung und Innovation“ bringt der Direktor der Klinik und
Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum rechts der Isar, der
Technischen Universität München die aus seiner Sicht maßgeblichen Säulen
ärztlichen Wirkens für das Wohlergehen urologischer Patientinnen und
Patienten auf den Punkt.
Damit formuliert er zugleich das wichtigste Anliegen seiner
Präsidentschaft.
„Auch und gerade in diesen Zeiten disruptiver Veränderungen bedarf es für
die bestmögliche urologische Versorgung Wissen, Evidenz und Innovation“,
betont Prof. Gschwend gegenüber der DGU-Pressestelle. Wissen als die
wichtigste Grundlage der Wissenschaft müsse jeden Tag aufs Neue erarbeitet
und erweitert werden, insbesondere an den Universitätsklinika und
medizinischen Forschungseinrichtungen sowie kleinen und großen
Forschungslaboratorien. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die
zweite Säule – die Evidenz, die den Nachweis zwischen einer Maßnahme und
ihrer Wirksamkeit erbringt und damit Heilung oder zumindest Linderung von
Erkrankungen ermöglicht. Innovation entstehe, nach Worten des Urologen,
schließlich aus der Synthese von Wissen und Evidenz in allen Bereichen der
Medizin und der Wissenschaft. Notwendig dafür sei eine enge, wirkungsvolle
und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Berufsgruppen in der Medizin.
„Hierzu gehört natürlich die Urologie mit allen Berufsgruppen, die dieses
Fach ausmachen. Dazu zählen die ärztlichen Mitarbeitenden im klinischen
und translationalen Bereich, grundlagenorientierte Forscherinnen und
Forscher, aber auch die zum Patientenwohl Arbeitenden im medizinischen
Dienst und der Pflege. Und nicht zuletzt spielt eine sehr enge
Verschränkung der medizinischen Forschung mit der Pharmaindustrie und der
Medizintechnik eine tragende Rolle zur Weiterentwicklung neuer Methoden,
die auf die Heilung und Linderung von Erkrankungen ausgerichtet sind“,
sagt der DGU-Präsident.
Notwendig: die Allianz mit der Gesundheitspolitik und den Kostenerstattern
Damit nicht genug, brauche es für den großen Rahmen dieser Kooperation
aber auch die administrativen Strukturen der Gesundheitspolitik und der
Kostenerstatter. Diese Institutionen sollten die drei Säulen aus
Wissenschaft, Evidenz und Innovation durch die hierfür notwendigen
Strukturen befördern und nachhaltig unterstützen. Hierzu sei es
insbesondere auch erforderlich, ausreichende finanzielle Spielräume an den
Forschungseinrichtungen und Kliniken zur Verfügung zu stellen, mahnt Prof.
Jürgen Gschwend. Zu der Erfolgsgeschichte dieser Kooperation zählt er
moderne Entwicklungen in der Onkologie wie die Immuntherapie, oder
Antikörper-gerichtete Chemotherapien, bis hin zu Ansätzen zur Vakzinierung
gegen bösartige Tumorerkrankungen. In der Medizintechnik gehörten moderne
Bildgebung, wie MRT und PET-basierte Diagnostik, sowie innovative und
hocheffektive Ansätze zur Behandlung gutartiger und bösartiger
Erkrankungen, etwa in der Endourologie mittels moderner Lasertechniken,
dazu.
„Mein Anliegen ist es deshalb, diese Zusammenhänge transparent und klar zu
formulieren und insbesondere die jungen Forschenden auf unserem Kongress
in Leipzig zu motivieren, sich für diese Säulen stark zu machen“, so der
renommierte Uro-Onkologe.
Kontinuität bei den großen Herausforderungen
Die 76. Jahrestagung der DGU im Congress Center Leipzig werde nach seinen
Worten wieder alles im Programm haben, was in der Wissenschaft, Diagnostik
und Therapie gutartiger und maligner urologischer Erkrankungen neu und
wichtig ist. Kontinuität garantiert der DGU-Präsident etwa bei der
Stärkung der Interdisziplinarität. „Insbesondere im Bereich der Uro-
Onkologie ist eine enge Kooperation mit den Fächern der Bildgebung, der
Pathologie, der Onkologie und der Strahlentherapie der Schlüssel zum
Erfolg. Besonders, wenn es um Therapiesequenzen geht, ist die Koordination
von entscheidender Bedeutung für das Outcome unserer Patientinnen und
Patienten. 2024 werden wir daher das Motto des letztjährigen Kongresses
kontinuierlich fortsetzen und beispielsweise in einer großen Zahl
interdisziplinärer Tumorboards, wissenschaftlichen Foren und
Falldiskussionen die Interdisziplinarität in den Mittelpunkt stellen.
Hierfür haben wir in der Programmkommission große Unterstützung und es
haben sich interdisziplinäre Expertengruppen gebildet, die die
Interdisziplinarität als Lösung zum Erfolg widerspiegeln werden.“
DGU-Kongress erneut berufspolitisch geprägt
Stringent weiter thematisiert die DGU ebenfalls die Förderung des
ärztlichen und nichtärztlichen Nachwuchses. Diesen Schwerpunkt spiegeln
verschiedene Foren im Programm, die sich mit den Themen der Arbeitszeit
und den Arbeitsbedingungen, aber auch der Digitalisierung als Schlüssel
für eine Entlastung von administrativen Tätigkeiten beschäftigen. Erneut
auf dem Tableau stehen notwendigerweise die politischen Rahmenbedingungen
für die tägliche Arbeit in den Krankenhäusern und den Praxen. „Die
aktuelle Diskussion um eine umfassende Krankenhausreform und eine
Ambulantisierung der Medizin stellt uns vor neue und bisher noch nicht
vollständig absehbare Herausforderungen“, betont Prof. Gschwend.
Nachhaltigen Bedarf sieht er zudem beim Thema Frauenförderung,
insbesondere von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, und
Gleichberechtigung im Beruf, die heute innerhalb aller Berufsgruppen eine
Selbstverständlichkeit sein sollte. „Die Lösung liegt aus meiner Sicht
aber nicht in fixen Quoten oder streng paritätisch gesetzten Panels
innerhalb des wissenschaftlichen Programmes beim DGU-Kongress. Es geht
vielmehr darum, dass wir eine grundsätzliche Gleichwertigkeit der Leistung
von Frauen und Männern anerkennen und jeweils die besten Köpfe wählen, um
spezifische Themen zu adressieren. Und so darf ein Panel in einer
Moderation oder einem Forum gerne auch vollständig weiblich oder männlich
besetzt sein. Für mich ist die Exzellenz und das Können in jedem Fall mehr
als Geschlechterquoten“, sagt der amtierende DGU-Präsident, der auch in
puncto Umweltschutz Kontinuität auf den Kongress bringt. „Wir müssen daran
arbeiten, die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig und
gezielt einzusetzen, um einerseits den Fortschritt zu gewährleisten, aber
andererseits die Herausforderungen einer sich verändernden Umwelt zu
akzeptieren. Zum Thema einer zukunftsorientierten und nachhaltigen
Ökonomie und Transformation der Wirtschaft im Sinne der Umwelt wird es im
Plenum des Präsidenten einen exponierten Vortrag geben.“
Zum größten Urologie-Kongress im deutschsprachigen Raum lädt Prof.
Gschwend alle Urologinnen und Urologen, die Kolleginnen und Kollegen der
Nachbardisziplinen sowie alle Pflegenden, Patientenvertretende und den
urologischen Nachwuchs, ebenso wie die Medienschaffenden, herzlich im
September 2024 nach Leipzig ein.
