Braucht Ihr Kind eine Sonderimpfung?
Die Stiftung Kindergesundheit informiert über Impfungen, die Kinder mit
besonderen Gesundheitsproblemen, bei erhöhtem Ansteckungsrisiko oder auf
Reisen benötigen
Die nächsten Ferien der Kinder stehen bald bevor, Kitas und Schulen
schließen ihre Türen und auch viele Eltern bekommen frei. Nun beginnt in
manchen Familien die große Planung: Wohin fahren wir mit dem Kind, wo
keine Gefahren für seine Gesundheit drohen? Reichen die bisherigen
Impfungen auch für ungewöhnliche Reiseziele? Eine frühzeitige Überprüfung
und Vervollständigung der Impfungen sichert das Urlaubsvergnügen der
Familie, betont die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen
Stellungnahme. Sie verweist auf die Empfehlungen der Ständigen
Impfkommission STIKO zu den so genannten Indikationsimpfungen, die für
einige Kinder und Erwachsene in bestimmten Situationen notwendig werden
können.
Impfungen gehören zu den größten Erfolgen der Medizin. Sie schützen die
Gesundheit unzähliger Kinder und verhindern jedes Jahr mehr als vier
Millionen Todesfälle in Folge gefährlicher Krankheiten wie Diphtherie,
Keuchhusten, Polio oder Tetanus, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.
Deshalb sind auch gesunde Babys gern gesehene Besucher bei den rund 6.000
niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzten in Deutschland. Die
Kinder erhalten schon in den ersten 15 Monaten ihres Lebens bei sieben
Terminen einen Schutz vor 13 ansteckenden Krankheiten, die ohne Impfung
ihre Gesundheit gefährlich bedrohen würden.
Neben diesen 13 Standardimpfungen, die für alle Kinder empfohlen werden,
gibt es noch weitere Schutzimpfungen, die nur unter bestimmten
Voraussetzungen, bei bestimmten Reisezielen oder nur für bestimmte
Personengruppen mit einem erhöhten Risiko empfohlen werden.
Von Cholera bis Typhus: Impfungen schützen
Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt, sich vor Antritt der Reise in der
Kinderarztpraxis oder beim Tropeninstitut und im Internet (Links am Ende
des Newsletters) zu informieren. Bei einer reisemedizinischen Beratung
können medizinische Fragen rund um die Reise inklusive aktueller
Empfehlungen zu Impfungen geklärt werden. Zu den Indikationsimpfungen
gehören die Impfungen gegen folgende Erkrankungen:
Cholera: Wichtig bei Reisen in Cholera-Epidemiegebiete mit voraussichtlich
ungesichertem Zugang zu Trinkwasser.
COVID 19: Empfohlen ab 6 Monaten für Kinder und für Erwachsene mit
erhöhter gesundheitlicher Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf
infolge einer Grundkrankheit, wie z. B.: Chronische Erkrankungen der
Atmungsorgane (COPD), chronische Herz-Kreislauf- und Leber- und
Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen,
Adipositas, Erkrankungen des zentralen Nervensystems ZNS, wie z. B.
chronische neurologische Erkrankungen, Demenz oder geistige Behinderung,
psychiatrische Erkrankungen oder zerebrovaskuläre Erkrankungen, Trisomie
21 (Down-Syndrom), bei angeborenem oder erworbenem Immunmangel (z. B. HIV-
Infektion, chronisch-entzündliche Erkrankungen unter immunsupprimierender
Therapie, nach einer Organtransplantation) und bei aktiven neoplastischen
(Tumor-)Krankheiten.
FSME: Wichtig für Personen, die sich in Risikogebieten der von Zecken
übertragenen Krankheit Frühsommer-Meningo-Enzephaliti
Gelbfieber: Erforderlich vor Reisen in Gelbfieber-Endemie- und
Epidemiegebiete, entsprechend den Anforderungen eines Gelbfieber-
Impfnachweises der Ziel- oder Transitländer.
Hepatitis A: Wichtig für Reisende in Endemiegebiete.
Hepatitis B: Wichtig bei Reisen in Risikogebiete (laut Empfehlungen der
STIKO und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin DTG, zu finden im
„Epidemiologischen Bulletin“ 14/2023 des Robert-Koch-Instituts). Für
Säuglinge, Kinder und Jugendliche gibt es Impfstoffe mit reduzierter
Dosis.
Humane Papillomviren HPV: Standardimpfung für Mädchen und Jungen im Alter
von 9 bis 14 Jahren.
Influenza (Virusgrippe): Wichtig für Personen ab dem Alter von 6 Monaten
mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens.
Beispiele: chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma und
COPD); chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten; Diabetes
mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten; Multiple Sklerose sowie
weitere vergleichbare chronische neurologische Krankheiten, die zu
Einschränkungen der Atemfunktionen führen können; Personen mit angeborenen
oder erworbenen Immundefekten; HIV-Infektion.
Japanische Enzephalitis: Bei Aufenthalten in Endemiegebieten während der
Übertragungszeit, insbesondere bei Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete
(Süd-, Südost- und Ostasien) und bei Langzeitaufenthalt (4 Wochen und
länger).
Meningokokken: Seit Anfang 2024 empfiehlt die STIKO, alle Säuglinge ab dem
Alter von 2 Monaten gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB) zu impfen.
Um Säuglinge frühzeitig zu schützen, soll die MenB-Impfung möglichst an
einem Termin zusammen mit den anderen von der STIKO für diesen Zeitpunkt
empfohlenen Impfungen erfolgen. Die gleichzeitige Gabe der verschiedenen
Impfungen ist sicher und beeinträchtigt nicht die Wirksamkeit der
einzelnen Impfstoffe, betont die Stiftung Kindergesundheit.
Pneumokokken: Diese Indikationsimpfung wird empfohlen für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung
infolge einer Grundkrankheit. Zu diesen Risiken gehören: Angeborene oder
erworbene Immundefekte bzw. Immunsuppression, wie z. B.: neoplastische
Krankheiten, HIV-Infektion, Knochenmarktransplantation, immunsuppressive
Therapie (z. B. wegen Organtransplantation oder Autoimmunerkrankung),
Immundefizienz bei chronischem Nierenversagen, nephrotischem Syndrom oder
chronischer Leberinsuffizienz; sonstige chronische Krankheiten, wie
chronische Erkrankungen des Herzens oder der Atmungsorgane (z. B. Asthma,
Lungenemphysem, COPD), Stoffwechselkrankheiten, z. B. Diabetes mellitus
sowie neurologische Krankheiten wie Zerebralparesen oder Anfallsleiden;
anatomische und fremdkörperassoziierte Risiken für Pneumokokken-
Meningitis, wie z. B. ein Cochlea-Implantat.
Tollwut: Reisende in Regionen mit Tollwutgefahr und einer erhöhten
Wahrscheinlichkeit einer Tollwutexposition (z. B. durch Kontakt mit
streunenden Hunden oder Fledermäusen).
Typhus: Bei Reisen nach Südasien (Pakistan, Indien, Nepal, Afghanistan,
Bangladesch).
Kosten werden oft von der Krankenkasse übernommen
Weitere Impfungen sollten entsprechend dem allgemeinen Impfkalender der
STIKO erfolgen. Empfiehlt die Ärztin oder der Arzt eine der
Sonderimpfungen, so lohnt es sich, bei der Krankenkasse wegen der
Kostenerstattung nachzufragen. Bei beruflich oder ausbildungsbedingten
Auslandsaufenthalten werden unter Umständen auch die Kosten für
Reiseimpfungen übernommen. Dazu zählt beispielsweise die Impfung gegen
Meningokokken ACWY oder Meningokokken B vor Langzeitaufenthalten für
Kinder und Jugendliche entsprechend den Empfehlungen der Zielländer.
Da es Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen gibt, sollten sich Eltern
und Reisenden individuell zur Klärung der Kostenübernahme bei der
Krankenkasse informieren, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit.
Mehr Rat und Auskunft im Internet:
Detaillierte Informationen zu Infektionskrankheiten, die auf Reisen
drohen, finden sich im Internet unter:
https://www.rki.de/DE/Content/
https://www.dtg.org/index.php/
leitlinien/empfehlungen/impfun
reiseimpfungen.html
Aktuelle Empfehlungen der STIKO und der DTG zu Reiseimpfungen finden Sie
auch im Epidemiologischen Bulletin 14/2023
https://www.rki.de/DE/Content/
Eine Karte der aktuellen FSME-Risikogebiete in Deutschland hält das RKI
unter
https://www.rki.de/DE/Content/
bereit.
