Paris, Königstein, Berlin: Ausstellung zu Louise Rösler (1907–1993) im Museum Giersch der Goethe-Universität
Erstmals im Frankfurter Raum stellt das Museum Giersch der Goethe-
Universität (MGGU) die Künstlerin Louise Rösler (1907–1993) in einer
umfassenden Retrospektive mit über 160 Leihgaben aus - 22. März – 25.
August 2024
FRANKFURT. Erstmals im Frankfurter Raum stellt das Museum Giersch der
Goethe-Universität (MGGU) die Künstlerin Louise Rösler (1907–1993) in
einer umfassenden Retrospektive mit über 160 Leihgaben aus. Ihr
qualitätsvolles Schaffen zählt zu den interessanten und wichtigen
Positionen der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, die es zu entdecken
gilt. Die Ausstellung stellt das reiche und vielseitige Werk der
Künstlerin in den Fokus, darunter Gemälde, Collagen,
Farb-/Filzstiftarbeiten, Aquarelle, Gouachen, Pastelle und Druckgraphiken.
Immer wieder überraschende Techniken und Materialien beeindrucken dabei
ebenso wie die kraftvolle Individualität und Eigenständigkeit dieser
Künstlerin.
Einzelne Werke von Rösler waren bereits in den vergangenen Jahren im MGGU
zu sehen. Dabei wurde deutlich, dass ihr Werk ein wahrer Schatz ist,
dessen Fülle noch nicht vollständig gehoben wurde. Diese Erkenntnis aus
den vorherigen Präsentationen im MGGU bildete den Ausgangspunkt für die
Planung einer umfassenden Einzelausstellung, initiiert und kuratiert von
Susanne Wartenberg. Mit einer beispiellosen Intensität tauchte sie in das
Leben und Schaffen der Künstlerin ein, analysierte Fotos, Dokumente und
andere archivarische Materialien. Zusätzlich durchforstete sie die
erhaltenen Werke und traf schließlich eine Auswahl an Exponaten, die einen
umfassenden Einblick in das Gesamtwerk sowie die Schwerpunkte von Louise
Rösler bieten.
Ina Neddermeyer, die neue Direktorin des MGGU, bedankt sich bei allen
Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dieses Ausstellungsprojekt
möglich zu machen. „Es bereitet mir eine außerordentliche Freude, das
vielfältige Werk von Louise Rösler hier im MGGU präsentieren zu können“,
sagt sie. „Mit dieser Ausstellung leistet das Museum einen weiteren
bedeutenden Beitrag dazu, Künstler*innen außerhalb des etablierten
kunsthistorischen Kanons einem breiten Publikum zugänglich zu machen.“
Kuratorin Susanne Wartenberg sagt: „Das Werk von Louise Rösler überzeugt
in seiner sinnlich-künstlerischen Qualität und ist reich an
Erfindungsgeist. Es zeugt von einer lebenslangen Neugier an
unterschiedlichsten Techniken und Materialien.“
„Eine Entdeckung dieser nahezu unbekannten Künstlerin ist lohnenswert. Mit
diesem Ausstellungsprojekt bietet das MGGU den Bürgerinnen und Bürgern der
Stadt Frankfurt die Möglichkeit, eine interessante und dennoch wenig
bekannte Künstlerin des Rhein-Main-Gebietes wissenschaftlich begleitet
kennenzulernen“, sagt Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-
Universität.
Zur Künstlerin
Aus einer Künstlerfamilie stammend, durchlief Rösler ihre Ausbildung an
der Privatkunstschule Hans Hofmanns in München und an den Berliner
Staatschulen für freie und angewandte Kunst, hier in der Klasse von Karl
Hofer. Ausgedehnte Studienaufenthalte in Paris, Südfrankreich, Spanien und
Italien schlossen sich hieran an. 1933 kehrte sie nach Deutschland zurück
und ließ sich in Berlin nieder. Die Großstadt wurde in dieser Zeit zum
bestimmenden Motiv in Röslers Malerei und zieht sich wie ein roter Faden
durch ihr Werk.
1943 wurde Louise Rösler mit ihrer kleinen Tochter nach Königstein im
Taunus evakuiert, nachdem die Atelierwohnung der Familie durch einen
Bombenangriff komplett zerstört worden war. Ihr Mann Walter Kröhnke war
bereits 1939 zur Wehrmacht einberufen worden und galt seit 1944 galt in
Russland als vermisst. Trotz der äußerst schwierigen Umstände gelang
Rösler in Königstein die Wiederaufnahme ihrer künstlerischen Tätigkeit.
Ihre vormals gegenständlich geprägten Malereien wurden nun zunehmend
abstrakter, Farbe und Form entfalteten sich autonom. Zudem entdeckte die
Künstlerin die Collage als neue Ausdrucksform. Gefundene Materialien des
städtischen Alltagslebens, wie z.B. Bonbonpapier, Blisterpackungen sowie
plastische Teile aus Holz, Metall und Plastik fanden nun Eingang in ihre
Bildkompositionen.
1959 kehrte Louise Rösler nach 16 Jahren in der Rhein-Main-Region zurück
in ihre Heimatstadt Berlin und setzte dort ihre künstlerische Tätigkeit
teils in noch freierer Form, teils wieder mehr gegenstandsbezogen fort.
Bis kurz vor ihrem Tod 1993 war sie künstlerisch tätig.
Zur Ausstellung
In chronologisch-thematischer Abfolge widmen sich die einzelnen
Ausstellungsräume verschiedene Werkphasen und -gruppen. Zugleich
verdeutlicht die Ausstellung durch die parallele Präsentation von
Biographie, Werk und Rezeption auch die kunsthistorische Forschung.
