Wertvolles Training: Frühlingsgärtnern sorgt für Bewegung und stärkt den Rücken
Gartenarbeit ist gesund und stärkt den Rücken, wenn man auf die richtige
Körperhaltung achtet. Orthopäden und Unfallchirurgen geben deshalb
anlässlich des Tags der Rückengesundheit am 15. März Tipps für
rückenschonendes Gärtnern.
„Der Rücken braucht für eine starke Muskulatur regelmäßig Bewegung und
körperliche Belastung. Gartenarbeit ist wegen der Vielzahl der
unterschiedlichen körperlichen Belastungen und Bewegungen dafür ideal. Wer
sich im Winter jedoch zu wenig bewegt hat, sollte langsam beginnen und
seinen Rücken nicht überlasten“, sagt Prof. Dr. Andreas Seekamp, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie
Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel.
Gärtnern erfreut sich großer Beliebtheit: Mehr als 42 Millionen Menschen
haben in Deutschland einen Garten(1). Beim ersten Grün und ein paar
Sonnenstrahlen machen sich viele an die Gartenarbeit. Die
unterschiedlichen Bewegungen beim Schneiden, Graben und Pflanzen sind
dabei gleichzeitig ein wertvolles Training – nicht nur für den Rücken.
„Gartenarbeit an der frischen Luft ist gut für die Kondition und steigert
das Wohlbefinden. Alle Arten von Bewegung an frischer Luft können die
Rückengesundheit fördern und dem Muskelabbau im Alter entgegenwirken“,
sagt Prof. Dr. Bernd Kladny, stellvertretender Generalsekretär der DGOU
und Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie der
m&i-Fachklinik Herzogenaurach.
Deshalb tut Gärtnern dem Rücken gut:
• Muskulatur stärken: Gartenarbeit trainiert fast alle
Muskelgruppen. Kräftige Bauch- und Rückenmuskeln stabilisieren die
Wirbelsäule.
• Gelenke beweglich halten: Die unterschiedlichen Bewegungen beim
Graben, Schneiden und Jäten helfen, die Gelenke beweglich zu halten und
Gelenkbeschwerden zu verhindern. Nutzt man die Kniegelenke und geht beim
Heben in die Knie, kann der Rücken entlastet werden.
• Verbesserung der Haltung: Viele Bewegungen beim Gärtnern helfen
einseitige muskuläre Belastung, zum Beispiel durch lange sitzende
Tätigkeit, auszugleichen und Haltungsfehler zu vermeiden.
• Psychosomatischen Rückenbeschwerden entgegenwirken: Bewegung an
frischer Luft stärkt das Wohlbefinden und wirkt sich damit positiv auf die
Psyche aus. Das kann Rückenschmerzen vorbeugen.
• Osteoporoseprävention: Sonnenlicht fördert die Bildung von Vitamin
D und damit die Kalziumaufnahme. Das ist ein wichtiger Baustein, um
Osteoporose und Knochenproblemen vorzubeugen.
Arbeitet man jedoch untrainiert im Frühling zu lange und zu viel, können
Muskeln, Rücken und Gelenke durch Gartenarbeit auch überlastet werden.
„Falls es zu Rückenschmerzen kommt, sollte die Gartenarbeit einige Tage
lang etwas kürzer ausfallen oder mehr Pausen beinhalten. In den meisten
Fällen verschwinden die Schmerzen nach wenigen Tagen“, sagt PD Dr. Matti
Scholz, Leiter der DGOU-Sektion Wirbelsäule und Chefarzt der Abteilung für
Wirbelsäulenchirurgie an der ATOS Klinik Braunfels. Deshalb sollte man
grundsätzlich genügend Bewegung und Sport in den Alltag einbauen, um durch
Überlastung entstehenden Rückenschmerzen von Anfang an entgegenzuwirken.
Damit Gartenarbeit gesundheitsfördernd ist und dem Rücken nicht schadet,
kommt es auf die richtige Haltung an. Diese lässt sich leichter einnehmen,
wenn man einige Tipps berücksichtigt und ergonomisches Werkzeug sowie
praktische Hilfsmittel nutzt.
Orthopäden und Unfallchirurgen geben 5 Tipps für rückenfreundliches
Gärtnern:
1. Entspannt arbeiten mit ausreichend Pausen: Gartenarbeit ist eine
Freizeitbeschäftigung. Es muss nicht alles auf einmal erledigt werden. Ein
Gespräch am Gartenzaun oder eine Tasse Kaffee auf der Bank sorgen für
wichtige Pausen.
2. Richtig heben: Beim Anheben schwerer Gegenstände wie Blumentöpfe
ist es wichtig, den Rücken gerade zu halten und aus den Knien heraus zu
heben. Ruckartige, gedrehte oder einseitige Belastungen des Rückens sind
zu vermeiden.
3. Fahren oder ziehen von schweren Gegenständen: Noch besser ist,
weitgehend auf das Heben zu verzichten und stattdessen den Gegenstand mit
einem Rollwagen zu ziehen oder eine Sackkarre zu benutzen.
4. Lasten verkleinern: Schwere Lasten wie Erde, Steine oder
Gartenabfälle sollten auf mehrere kleine Eimer verteilt werden, bevor sie
gehoben oder getragen werden.
5. Gartengeräte mit langem Stiel verwenden: Beim Arbeiten mit
Werkzeugen mit verstellbarem Stiel können langes Knien oder Bücken
minimiert und die Wirbelsäule und Kniegelenke entlasten werden.
