Zum Hauptinhalt springen

IMK: BIP schrumpft 2024 um 0,3 Prozent, 2025 Wachstum um 0,8 Prozent

Pin It

Neue Konjunkturprognose

IMK: BIP schrumpft 2024 um 0,3 Prozent, 2025 Wachstum um 0,8 Prozent

Leichte Rezession 2023/24, schwaches Wachstum im kommenden Jahr: Die
deutsche Konjunktur kann sich nur langsam aus ihrer Schwächephase lösen.
Positive Impulse für die Wirtschaftsentwicklung kommen 2024 und vor allem
2025 vom privaten Konsum als Folge von gesunkener Inflation und höheren
Lohnabschlüssen.

Doch die restriktive Fiskalpolitik der Bundesregierung und die zunächst
weiterhin hohen Zinsen verhindern, dass aus der leichten Erholung ein
Aufschwung wird. Insbesondere die Unsicherheit über die künftigen
Spielräume bei öffentlichen Investitionen und staatlicher Förderung von
privaten Investitionen bleibt hoch und bremst. In der Folge sinkt das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresdurchschnitt 2024 um 0,3 Prozent, 2025
steigt es um 0,8 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für
Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in
seiner neuen Konjunkturprognose*. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist
trotzdem noch relativ stabil: Die Arbeitslosigkeit steigt im Jahresmittel
2024 moderat um rund 140.000 Personen und 2025 um weitere 30.000, die
Arbeitslosenquote beträgt 5,9 Prozent und 6,0 Prozent – nach
durchschnittlich 5,7 Prozent 2023. Die Inflationsrate wird im Durchschnitt
diesen Jahres mit 2,4 Prozent wieder nahe am Inflationsziel der
Europäischen Zentralbank (EZB) liegen und es mit 2,0 Prozent im
Jahresmittel 2025 erreichen.

Gegenüber seiner vorherigen Prognose vom Dezember 2023 lässt das IMK die
Erwartung für dieses Jahr unverändert. Für 2025 legt das Düsseldorfer
Institut heute in einer digitalen Pressekonferenz erstmals eine Prognose
vor. Die schwachen Erwartungen für das laufende Jahr spiegeln sich auch in
der jüngsten Auswertung des IMK Konjunkturindikators wider: Er zeigt eine
Rezessionswahrscheinlichkeit von 58,3 Prozent für den Zeitraum bis Ende
Mai an, nur leicht weniger als im Vormonat (61,8 Prozent).

Die Ökonom*innen gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB)
ab April diesen Jahres mit ersten vorsichtigen Zinssenkungen auf die
deutlich gesunkene Inflation und die insgesamt schwache
Wirtschaftsentwicklung im Euroraum reagieren wird. Bis Ende 2024 dürfte
der geldpolitisch entscheidende EZB-Einlagenzins von vier Prozent auf drei
Prozent gesenkt werden. Kommt es so, würde die Zentralbank einen – nach
Analyse des IMK längst überfälligen – ersten Beitrag dazu leisten, dass
sich die stagnativen Tendenzen in der Währungsunion nicht noch weiter
verfestigen.

Schlechter sind die Aussichten auf Ebene der nationalen Politik: „Während
eine Lockerung der Geldpolitik in Sicht ist, zeichnet sich eine
konjunkturgerechte Umkehr der deutschen Fiskalpolitik bisher nicht ab“,
kritisiert das IMK. Notwendig wäre es in der bereits lang andauernden
Wirtschaftsflaute, die Infrastrukturinvestitionen in Deutschland
auszuweiten und transformative Investitionen direkt sowie über günstigere
Abschreibungsmöglichkeiten zu fördern. In diesem Zusammenhang müsse auch
der Strompreis z.B. durch eine Übernahme von Netzentgelten durch den
Bundeshaushalt gesenkt werden, um Produktion im Inland zu sichern und die
Abkehr von fossilen Energien im Verkehr und bei der Wärmeerzeugung der
Haushalte zu unterstützen.

„Ob es in absehbarer Zeit gelingt, die Schuldenbremse zumindest soweit zu
reformieren, dass Investitionen ausgenommen sind, ist allerdings weiterhin
fraglich, obwohl die Fiskalregeln auf europäischer Ebene jüngst
dahingehend verändert wurden“, schreiben die Wissenschaftler*innen. Sie
sehen darin ein gravierendes Versäumnis: „Im vergangenen Jahr begründeten
die Energiepreisschocks, die Deutschland besonders stark trafen, das
schwache Wachstum in Deutschland. In diesem und im kommenden Jahr ist es
die Schuldenbremse, die Deutschland zum wirtschaftlichen Schlusslicht
unter den Industrieländern macht.“

Kerndaten der Prognose für 2024 und 2025 (siehe auch die Tabelle in der
pdf-Version dieser PM; Link unten)

– Arbeitsmarkt –

Die schwache konjunkturelle Dynamik bremst die Entwicklung der
Erwerbstätigkeit deutlich, diese bleibt aber leicht positiv. Die Zahl der
Erwerbstätigen legt 2024 jahresdurchschnittlich um 0,3 Prozent und 2025
noch um 0,1 Prozent zu. Gleichzeitig wächst die Arbeitslosigkeit leicht.
Bei den Arbeitslosenzahlen prognostiziert das IMK im Jahresdurchschnitt
2024 einen Anstieg um gut 140.000 Personen, so dass im Jahresmittel rund
2,75 Millionen Menschen arbeitslos sein werden. Das entspricht einer Quote
von 5,9 Prozent. Für 2025 veranschlagen die Forschenden eine weitere
geringfügige Zunahme der Arbeitslosigkeit um rund 30.000 auf 2,78
Millionen Personen und eine Quote von 6,0 Prozent. Allerdings dürfe diese
vergleichsweise undramatische Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen,
dass „die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt durchaus fragil ist“, warnt
das IMK. Ein weiterer negativer ökonomischer Schock, sei er
konjunktureller Art, Folge des globalen Transformationsprozesses der
Dekarbonisierung oder anderen Ursprungs, könnte eine deutliche
Verschlechterung der Lage provozieren.

– Weltwirtschaft und Außenhandel –

Die Weltwirtschaft erholt sich 2024 und 2025 moderat, weil die Inflation
global gesunken ist und auch Zinssenkungen der Notenbanken in Aussicht
stehen. Allerdings ist der Trend weltweit nicht einheitlich: Während das
Wirtschaftswachstum in Indien stark bleibt und in Südkorea, Kanada oder
der EU zumindest etwas anzieht, verlangsamt sich die BIP-Entwicklung in
den USA, allerdings auf vergleichsweise hohem Niveau: 2024 wächst die US-
Wirtschaft um 2,2 und 2025 um 1,7 Prozent im Jahresmittel. Für China
prognostiziert das IMK einen BIP-Zuwachs um 4,5 und 4,3 Prozent. Das
Wirtschaftswachstum im Euroraum steigt von 0,5 Prozent 2024 auf 1,3
Prozent im kommenden Jahr. Nach dem Einbruch 2023 erhalten die deutschen
Exporte deshalb etwas stärkere Impulse von wichtigen Handelspartnern, was
sich allerdings erst im kommenden Jahr im Durchschnittswert der Statistik
niederschlägt: Im Jahresdurchschnitt 2024 sinken die Ausfuhren noch um 1,5
Prozent, 2025 legen sie um 2,2 Prozent zu. Zudem leistet der Außenhandel
per Saldo rechnerisch in keinem der beiden Jahre einen positiven
Wachstumsbeitrag, weil die Importe in diesem Jahr weniger stark sinken
(-1,2 Prozent) und im kommenden Jahr stärker steigen (3,4 Prozent) als die
Exporte.

– Investitionen –

Die Ausrüstungsinvestitionen gehen laut IMK-Prognose im Jahresdurchschnitt
2024 um 0,1 Prozent zurück, was allerdings auch mit einem statistischen
Sondereffekt aus 2023 zusammenhängt. Im kommenden Jahr legen sie hingegen
um 3,1 Prozent zu. Dazu tragen auch die wachsenden Ausgaben für
Verteidigung bei, die als öffentliche Investitionen verbucht werden. Die
Bauinvestitionen sinken wegen hoher Kosten und Zinsen weiter massiv. Nach
einem Rückgang um 5,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2024 fallen sie 2025
noch einmal um jahresdurchschnittlich 1,3 Prozent, wobei sich im
Jahresverlauf 2025 mit +0,7 Prozent eine leichte Belebung andeutet.

– Privater Konsum –

Bei gesunkener Inflation und stärkeren nominalen Lohnsteigerungen, unter
anderem durch höhere Tarifabschlüsse, und bei leicht steigender
Erwerbstätigkeit steigen die Realeinkommen der Haushalte wieder. Für 2024
erwartet das IMK einen Zuwachs um 0,8 Prozent im Jahresdurchschnitt, für
2025 um 1,3 Prozent. Das wirkt, bei leicht sinkender Sparquote, positiv
auf den Konsum. Die privaten Konsumausgaben wachsen dementsprechend im
Jahresmittel 2024 real um 0,7 Prozent. 2025 legen sie um 1,6 Prozent zu.
Vor allem im kommenden Jahr wird der Privatkonsum so zur zentralen Stütze
der Wirtschaftsentwicklung.

– Inflation und öffentliche Finanzen –

Für 2024 rechnet das IMK mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von
2,4 Prozent. 2025 beruhigt sich das Inflationsgeschehen noch weiter, im
Jahresmittel liegt die Teuerungsrate bei 2,0 Prozent.

Die Steuereinnahmen steigen 2024 eher langsam, nicht zuletzt als Folge
verschiedener steuerlicher Entlastungen. 2025 nehmen sie dann etwas
stärker zu. Das öffentliche Budget wird 2024 ein Defizit von 1,8 Prozent
aufweisen. Für das kommende Jahr geht das IMK für die öffentlichen
Finanzen von einem restriktiveren Kurs aus. Das bremst die Konjunktur,
lässt aber kurzfristig auch das Defizit weiter sinken auf 1,2 Prozent im
Jahresdurchschnitt 2025.