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Mehr als 30 neue Empfehlungen und Ergänzungen: Neue „Living Guideline“ zur Lungenkarzinom-Behandlung veröffentlicht

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Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie „Prävention,
Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“ aktualisiert.
Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) wurde
diese erstmalig als sogenannte „Living Guideline“ herausgegeben, die
jährlich aktualisiert wird.  Grund dafür ist die große Dynamik bei der
Behandlung von Lungenkrebs – neue Studienergebnisse sowie ständige Weiter-
und Neuentwicklungen von Diagnose- und Therapieverfahren spielen dabei
eine wichtige Rolle. Die kontinuierliche Aktualisierung der Leitlinie
wurde von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

„Das ist ein großer Erfolg für die Pneumologie, denn so können aktuellste
wissenschaftliche Erkenntnisse noch schneller für die Praxis zugänglich
gemacht werden. Vor dem Hintergrund, dass das Lungenkarzinom immer noch
die Krebserkrankung mit der höchsten Mortalitätsrate ist, kann das
Menschenleben retten“, würdigte DGP-Präsident Professor Wolfram Windisch
diese beachtliche Leistung. Insgesamt sind im Rahmen der Living Guideline
15 neue Empfehlungen zur bestehenden S3-Leitlinie hinzugekommen, weitere
17 Empfehlungen wurden überarbeitet. Dazu zählen beispielsweise Aspekte
bei der Immunchemotherapie, Molekularpathologie sowie der Nachsorge.

Living Guidelines zeichnen sich dadurch aus, dass sie mindestens einmal
jährlich aktualisiert werden müssen – während andere S3-Leitlinien in der
Regel in einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren aktualisiert werden. „Wir
freuen uns sehr, dass wir es von den großen onkologischen Entitäten
hierzulande als erste geschafft haben, eine Living Guideline im Zeitraum
von nur einem Jahr zu erarbeiten. Das ist ein Meilenstein, um die
Situation für Lungenkarzinom-Patientinnen und -Patienten in Deutschland
weiter zu verbessern“, sagt Professor Wolfgang Schütte, Chefarzt der
Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau. Er ist
Koordinator der S3-Leitlinie, zusammen mit den Co-Koordinatorinnen Dr.
Sylvia Gütz, St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig, und Dr. Wiebke Nehls,
Helios-Klinikum Emil von Behring in Berlin. Er ergänzt: „Und es ist auf
jeden Fall ein Signal für Kolleginnen sowie Kollegen auch anderer
Fachbereiche, dass die Erarbeitung von Living Guidelines realisierbar
ist.“

Wichtige Neuerungen bei neoadjuvanter Immunchemotherapie,
Molekularpathologie und Nachsorge
Insbesondere bei den früheren Lungenkarzinom-Stadien hat sich die
Situation in den vergangenen Jahren sehr verändert – dem trägt die Living
Guideline mit einigen Neuerungen nun Rechnung. So wurden zum Beispiel neue
Empfehlungen zur neoadjuvanten Immunchemotherapie, die vor einer Operation
eingesetzt wird, in den Krankheitsstadien I, II und III aufgenommen. Damit
dies möglich ist, wurden im Kapitel „Molekularpathologie“
immunhistologische Untersuchungen bei Patientinnen und Patienten in frühen
Krankheitsstadien ergänzt. Bei der Behandlung von Patientinnen und
Patienten mit Metastasen im Stadium IV gibt es ebenso neue
Therapiemöglichkeiten – in Form neuzugelassener Substanzen und neuer
Kombinationsmöglichkeiten von Substanzen. Schließlich gibt es viele
Veränderungen im Bereich „Nachsorge“ – diese finden sich ebenfalls in der
Living Guideline.

Living Guideline soll Erfolge bei der Krebsbekämpfung unterstützen
„Auch wenn das Lungenkarzinom immer noch die höchste Mortalitätsrate unter
den Krebserkrankungen aufweist, können wir viele Erfolge in den letzten
Jahren vorweisen. So hat sich seit 2010, dem Erscheinungsdatum der ersten
S3-Leitlinie zum Thema, die Fünf-Jahres-Überlebensrate von Patientinnen
und Patienten im Stadium IV fast verdoppelt. Umso wichtiger ist, dass wir
den Wettlauf gegen die Zeit nicht verlieren, indem wir unsere
wissenschaftlichen Erkenntnisse noch schneller zusammentragen und
veröffentlichen. Und dafür haben wir nun den Anfang gemacht“, so Schütte.

Die aktualisierte S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/ .
Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Weitere Informationen unter: https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 36 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP)
ist darauf spezialisiert, Prävention, Diagnostik sowie Therapie von
Atemwegs- und Lungenkrankheiten zu verbessern. Sie ist eine als
gemeinnützig anerkannte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft und
dient inzwischen rund 4.800 Mitgliedern als Forum für den Austausch über
wissenschaftliche Erkenntnisse und Behandlungserfahrungen.

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation
des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte
wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum.
In der DKG vertreten sind 8.370 Einzelmitglieder in 25
Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der Erforschung und Behandlung von
Krebserkrankungen befassen; dazu kommen 16 Landeskrebsgesellschaften und
36 Fördermitglieder. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf
Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität und konsequenten
Qualitätsstandards, ist Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans und
Partnerin der „Nationalen Dekade gegen Krebs". Mehr:
https://www.krebsgesellschaft.de/