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Auf den Klimawandel reagieren

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Der Klimawandel schreitet voran. Je nach Region unterschiedlich, sicher
ist aber: Seine Auswirkungen werden auch in Deutschland in allen Bereichen
des Lebens zu spüren sein oder sind es zum Teil schon. Das Climate Service
Center Germany (GERICS), eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon,
hat das Open-Access-Buch „Klimawandel in Deutschland“ neu aufgelegt.
Hierin schreiben 165 Forschende in 39 Kapiteln über diese Auswirkungen und
stellen Handlungsmöglichkeiten dar. Ein ganz neu aufgenommener Teil mit
fünf Kapiteln widmet sich den Themen Emissionsminderung, u.a. im
Verkehrssektor, passive CO2-Speicherung durch naturbasierte Lösungen und
Methoden zum aktiven CO2-Entzug.

Prof. Daniela Jacob, Direktorin des Climate Service Center Germany
(GERICS) und Mitherausgeberin: „Der Klimawandel betrifft alle Sektoren,
die uns und unser natürliches und sozioökonomisches Umfeld betreffen. Als
verantwortliche Generation müssen wir daher auf Basis aller erlangten
wissenschaftlichen Erkenntnisse sowohl die Verantwortung für unser
bisheriges nicht-nachhaltiges Handeln übernehmen als auch dieses
Erkenntnisprivileg für ein zielführendes Handeln nutzen – auch um unseren
Kindern und Kindeskindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Die
Treibhausgasemissionen sind daher unbedingt stark und kontinuierlich zu
senken. Zugleich müssen wir uns an die bereits eingetretenen sowie die
mittelfristig zu erwartenden Klimaveränderungen anpassen."

Das Buch und E-Book zeigt verschiedene Handlungsoptionen auf, die
diskutiert werden. Der Aufruf zum verstärkten Zusammendenken von
Klimaschutz und -anpassung, der im jüngst erschienenen European Climate
Risk Assessments (EUCRA) der Europäischen Umweltagentur (EEA) enthalten
ist, findet auch in diesem Buch seine Entsprechung: Es liefert
Hintergrundinformationen und Denkanstöße für verschiedene Sektoren und
stellt somit eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage für Anpassungs-
und Klimaschutzaktivitäten in einzelnen Regionen und Branchen dar.
In seiner Vielschichtigkeit zeigt das Kompendium (Erstauflage 2016):
Zunahme des Risikos für Sturmfluten, mehr Niederschläge und verstärkte
Windaktivitäten im Winter, Starkregen und Hochwasser, Dürre, Hitzeperioden
und Austrocknung der Böden im Sommer – so vielschichtig ist das Problem
und wirkt sich global auf Wirtschaft und Gesellschaft aus. In gleichem
Maße vielgestaltig und adäquat müssen daher auch die Antworten sein. Auch
mögliche Handlungspfade für Deutschland werden in dem Buch berücksichtigt.

Allumfassende Auswirkungen
Zwischen 1881 und 2020 haben die jährlichen Winterniederschläge in
Deutschland um durchschnittlich 27 Prozent zugenommen, im gleichen
Zeitraum stiegen die bodennahen Lufttemperaturen über Deutschland
gemittelt um rund 1,6 Grad Celsius. Diese Trends dürften sich fortsetzen
ebenso wie die steigende Zahl von Starkregenereignissen. Im Sommer führen
Starkregenereignisse häufig zur Erosion, wenn der Regen auf ausgetrocknete
Böden fällt. Dadurch geht fruchtbarer Oberboden verloren und
Nährstoffreserven nehmen ab. Die Situation setzt unseren Böden stark zu
und reduziert ihre Fähigkeit, CO2 zu speichern, was den Klimawandel weiter
antreibt.

Der Klimawandel beeinflusst u.a. die Landwirtschaft, die Energiegewinnung,
den Tourismus, die Meere als Kohlenstoffspeicher und die Ökosysteme an den
Küsten und nicht zuletzt auch die menschliche Gesundheit und hat somit
auch weitreichende Folgen direkt für den Menschen. Man kann mit Recht
sagen: Der Klimawandel macht uns krank, auch im buchstäblichen Sinne: Vor
allem Kleinkinder, Schwangere, chronische kranke und alte Menschen sowie
Allergiker sind gesundheitlich durch die zunehmende Erderwärmung
gefährdet.

Handlungsoptionen
Die Begrenzung des Klimawandels und eine Anpassung an seine Auswirkungen
sollten bei Entscheiderinnen und Entscheidern immer zusammen gedacht
werden. Der Hauptfokus im Bereich Klimaschutz liegt auf unserem Einsatz
von Energie, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken und spätestens um
die Jahrhundertmitte muss „Netto-Null“ erreicht werden. Es darf nicht mehr
emittiert werden, als der Atmosphäre durch natürliche und technische
Prozesse entzogen werden kann.
Dafür werden schnell technologische Neuerungen zum aktiven Entzug von CO2
benötigt: Treibhausgase müssen der Atmosphäre entzogen und dauerhaft
gespeichert werden, so dass die Emissionsbilanz idealerweise in den
Negativbereich rutscht. Auch die Transformation der Landnutzung, die
Wiedervernässung von Mooren und die Aufforstung von Wäldern, sind sehr
wirksam bei der Bindung von CO2.
Weiters ist eine klimagerechte Stadtplanung erforderlich. Insbesondere
urbane Räume müssen v.a. mit Blick auf Hitzewellen und Starkregen
„klimafit“ gemacht, also umgestaltet werden - und dies mit langfristiger
Wirksamkeit. Eine enge Kooperation auf und zwischen allen Planungsebenen
ist dabei unverzichtbar. Das gemeinsame Ziel: Die Verbesserung der
Resilienz gegenüber Wetter- und Klimaextremen. Hierfür kann auch ein
Perspektivwechsel hilfreich sein: Inwieweit trägt der eigene Lebensstil
zur Erreichung der Pariser Klimaziele bei ("Paris Lifestyle")? Wie
klimaschonend agieren wir wirklich? Auch hierfür liefert diese
Veröffentlichung wertvolle Anstöße.
Das Buch wird von Guy P. Brasseur, Daniela Jacob und Susanne Schuck-Zöller
herausgegeben, es ist als gedrucktes Exemplar sowie als E-Book (Open
Access) erhältlich.