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Das DMKG-Kopfschmerzregister: differenzierte Einblicke in die Versorgungsrealität bei Migräne

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ktuelle Real-World-Daten des Kopfschmerzregisters der
Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) liefern wertvolle
Erkenntnisse zur Behandlung akuter Migräneattacken. Unzureichende
Wirksamkeit und/oder Unverträglichkeit der Akutmedikation zählen zu den
Herausforderungen der Migränebehandlung. Die DMKG-Auswertungen zeigen,
dass dies öfter Menschen mit häufigeren Migräneattacken betrifft als jene
mit geringerer Krankheitslast.

Zudem gilt: „Wer keine ausreichend wirksame Akuttherapie hat, ist durch
Migräne wesentlich stärker beeinträchtigt als notwendig. Die Auswertungen
deuten nämlich auch darauf hin, dass für viele Patienten eine gut wirksame
Medikation gefunden werden kann, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft
werden“, kommentierte Dr. med. Ruth Ruscheweyh, zertifizierte DMKG-
Kopfschmerzexpertin und Privatdozentin an der Neurologischen Klinik und
Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. [1]

Triptane zählen derzeit zu den effektivsten Therapieoptionen bei akuten
Migräneattacken. Es gibt sieben verschiedene Präparate und neben Tabletten
auch Nasenspray und Spritzen. Dennoch erfahren einige Patientinnen und
Patienten keine ausreichende Wirksamkeit und/oder Verträglichkeit. Um
besser abschätzen zu können, wie relevant das Thema „Triptan-Resistenz“ im
Versorgungsalltag ist, wurden Daten aus dem Kopfschmerzregister der DMKG
von 2.284 Behandelten (85,4 % weiblich, Alter: 39,4 ± 12,8 Jahre,
Kopfschmerztage pro Monat: 12,3 ± 8,2) aus spezialisierten Zentren und
Praxen in Deutschland ausgewertet.
42,5 % der Befragten gaben an, mindestens ein Triptan aufgrund mangelnder
Wirksamkeit oder Verträglichkeit abgesetzt zu haben. Darunter erfüllten
13,1 % die Kriterien einer „Triptan-Resistenz“, die laut Definition der
European Headache Federation (EHF) [2] mindestens zwei gescheiterte
Triptan-Versuche (Wirksamkeit oder Verträglichkeit weniger als gut)
erfordert. Bei einem kleinen Anteil von 3,9 % versagten sogar drei oder
mehr Triptane zur Akutmedikation von Migräneattacken. [1] Vor diesem
Hintergrund wird deutlich, dass in der Praxis nur sehr wenige Patienten
ein sogenanntes Triptan-Versagen zeigen und dass ein Behandlungsversuch
auch mit einem 3. Triptan durchaus nützlich ist, so PD Dr. Tim Jürgens für
die DMKG.

Triptan-Non-Responder zu mehreren Therapieversuchen motivieren

Auffällig war, dass Triptan-Non-Responder im Vergleich zu Respondern
signifikant häufiger eine schwerere Migräne mit mehr Kopfschmerztagen pro
Monat und deutlich stärkerer Beeinträchtigung aufwiesen. Dies wurde mit
der Anzahl der Triptan-Versagen immer wahrscheinlicher. „Die
Beeinträchtigung durch eine nicht wirksam behandelte Migräneattacke ist
hoch, daher ist es besonders wichtig, als Behandler nicht zu schnell
aufzugeben und wenigstens zwei verschiedene Triptane anzubieten, die mit
hohen Ansprechraten assoziiert sind“, so der Rat von Ruscheweyh. In der
aktuellen Auswertung waren die Responder-Raten für nasales und orales
Zolmitriptan, orales Eletriptan und Sumatriptan subkutan am höchsten. [1]
Laut Ruscheweyh sind nasale und subkutane Applikationsformen besonders
nützlich, wenn die Migräneattacken mit starker Übelkeit und ggf. Erbrechen
einhergehen.

Immer wieder an basale Anwenderegeln erinnern

Darüber hinaus betonte die Expertin, es sei wichtig, Betroffene regelmäßig
an die basalen Anwenderegeln zu erinnern. „Eine frühzeitige Einnahme der
Akutmedikation in ausreichender Dosierung ist die Grundvoraussetzung für
eine gute Wirksamkeit“, appellierte Ruscheweyh. „Ein neues Medikament
sollte in mindestens zwei Attacken versucht werden. Darüber hinaus darf
die Einnahme nicht zu häufig erfolgen (Grenze: < zehn Tage pro Monat), da
sonst ein Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch entstehen kann.“ Wenn
die Möglichkeiten einer Akutmedikation mit Triptanen ausgeschöpft sind,
wären Analgetika-Kombinationen, zum Beispiel mit Acetylsalicylsäure,
Paracetamol und Koffein oder neuere Präparate, wie die Ditane (z. B.
Lasmiditan) und Gepante, mögliche Alternativen. „Auf europäischer Ebene
wurden Gepante zwar bereits zugelassen. Der Hersteller hat sie in
Deutschland aber noch nicht auf den Markt gebracht“, berichtete
Ruscheweyh. Ihrer Ansicht nach wären Gepante sowohl zur Akutbehandlung als
auch zur Migräneprophylaxe eine sinnvolle Ergänzung des
Behandlungsspektrums.

Optimierte Therapiestrategien für Betroffene mit hoher Krankheitslast
erforderlich

Neben den Einblicken zum Thema Triptan-Resistenz analysierte die DMKG
zudem die Patientensicht zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der
Akutmedikation im Allgemeinen. In dieser Arbeit wurden die Angaben von
1.756 erwachsenen Personen (85 % weibl., Alter: 39,5 ± 12,8 Jahre,
Kopfschmerztage pro Monat: 13,5 ± 8,1) berücksichtigt. Eine gute oder sehr
gute Wirksamkeit schrieben Behandelte signifikant häufiger Triptanen (75,4
%) als Nicht-Opioid-Analgetika zu (43,6 %, p < 0,001). Unter den Nicht-
Opioid-Analgetika wurden Naproxen und Metamizol im Vergleich zu Ibuprofen,
Acetylsalicylsäure und Paracetamol als wirksamer eingestuft, die beiden
Letzteren wurden allerdings auch häufig unterdosiert. „Nicht-Opioid-
Analgetika sind auch in der klinischen Erfahrung weniger stark wirksam als
Triptane“, kommentierte Ruscheweyh.
Auch hier korrelierte die Wirksamkeit der Akutmedikation mit der
Kopfschmerzaktivität. Bei Patientinnen und Patienten mit mehr
Kopfschmerztagen war die Akutmedikation signifikant schlechter wirksam (p
< 0,001). „Betroffene mit hoher Krankheitslast brauchen unsere besondere
Aufmerksamkeit, einschließlich optimierter Strategien zur Akuttherapie und
zu nicht medikamentöser sowie medikamentöser Migräneprophylaxe“,
schilderte Ruscheweyh. [3]

Real-World-Daten zur Migräneprophylaxe werden folgen

Die nächsten Auswertungen aus dem DMKG-Register werden sich der
medikamentösen Migräneprophylaxe widmen. Dies sind vorbeugende
Medikamente, die bei regelmäßiger Anwendung zu selteneren und weniger
schweren Attacken führen, sodass auch weniger Schmerzmittel notwendig
sind. Hierzu gehören sowohl klassische Medikamente wie Betablocker als
auch neue, spezifische Medikamente, z. B. die Antikörper gegen CGRP
(Calcitonin gene-related peptide). Die beiden vorgestellten Publikationen
des Kopfschmerzregisters der DMKG zur Akuttherapie [1, 3] werden im
nächsten Schritt durch Daten aus dem Versorgungsalltag zum Nutzen-Risiko-
Profil der Migräneprophylaxe ergänzt, stellte Ruscheweyh in Aussicht.

Die DMKG-App und die DMKG-Cluster-App werden rege genutzt

Für die Kopfschmerzforschung werden anonymisierte Daten des
Kopfschmerzregisters und aus den beiden Kopfschmerz-Apps der DMKG genutzt.
„Die DMKG-App und die DMKG-Cluster-App sind aber in erster Linie ein
Service für Betroffene zur Dokumentation ihrer Kopfschmerzen, der
kostenlos und ohne Werbung genutzt werden kann“, erläuterte Ruscheweyh.
Aktuell nutzen bereits 19.000 Patientinnen und Patienten die DMKG-App. Die
Clusterkopfschmerz-spezifische DMKG-Cluster-App ist erst seit Kurzem
verfügbar und hat bereits 750 Nutzer. „Wir stoßen mit den beiden Apps bei
Menschen mit Migräne und Kopfschmerzen auf eine breite Akzeptanz, auch bei
seltenen Erkrankungen wie Cluster-Kopfschmerz“, betonte Ruscheweyh.

Literatur
1 Ruscheweyh R, Gossrau G, Dresler T et al. Triptan non-response in
specialized headache care: cross-sectional data from the DMKG Headache
Registry. J Headache Pain 24, 135 (2023).
https://doi.org/10.1186/s10194-023-01676-0

2 Sacco S, Amin FM, Ashina M et al. European Headache Federation guideline
on the use of monoclonal antibodies targeting the calcitonin gene related
peptide pathway for migraine prevention – 2022 update. J Headache Pain.
2022;23(1):67. Published 2022 Jun 11. doi:10.1186/s10194-022-01431-x

3 Ruscheweyh R, Dresler T, Förderreuther S et al. What do patients’
efficacy and tolerability ratings of acute migraine medication tell us?
Cross-sectional data from the DMKG Headache Registry. Cephalalgia.
2023;43(5). doi:10.1177/03331024231174855

Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
Initiativenbüro »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen«
c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstr. 25, 80538 München, Tel.: 089 4614
86-29
E-Mail: presse@attacke-kopfschmerzen.de
www.attacke-kopfschmerzen.de
Pressesprecherin der DMKG: Prof. Dr. med. Gudrun Goßrau

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG, www.dmkg.de)
ist seit 1979 die interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für
Kopf- und Gesichtsschmerzen, in der Ärzt:innen, Psycholog:innen,
Physiotherapeut:innen, Pharmakolog:innen und Apotheker:innen organisiert
sind. Die DMKG setzt sich für die Verbesserung der Therapie der vielen
Millionen Patient:innen in Deutschland mit akuten und chronischen
Kopfschmerzen ein. Die Fachgesellschaft fördert die Forschung und
organisiert Fortbildungen für medizinische Fachberufe sowie einmal
jährlich gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft den Deutschen
Schmerzkongress.

Mit der Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« will die DMKG
die Kopfschmerzversorgung verbessern. Im Fokus stehen Migräne, Kopfschmerz
durch Medikamentenübergebrauch, Kopfschmerz vom Spannungstyp und
Clusterkopfschmerz. Das Angebot richtet sich an alle, die in der
Versorgung von Kopfschmerzpatient:innen tätig sind: www.attacke-
kopfschmerzen.de. Die Initiative wird finanziell unterstützt von den
Unternehmen AbbVie, Lilly, Lundbeck, Novartis und Teva. Alle fachlichen
Inhalte sind von Expertinnen und Experten aus den Reihen der unabhängigen
DMKG ehrenamtlich verfasst und nicht von Werbebotschaften beeinflusst.