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Jahresbilanz 2023 des Gesamtwasserspeichers in Deutschland liegt vor

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Der Gesamtwasserspeicher in Deutschland hat sich im Jahr 2023 zwar etwas
erholt, im Vergleich zum langjährigen Mittel fehlen aber immer noch rund
10 Milliarden Tonnen Wasser.
Das ergab die Auswertung des soeben komplettierten aktuellsten Datensatzes
des Satellitenduos GRACE-Follow-On durch Forschende des Deutschen
GeoForschungsZentrums GFZ.
In dem neuen GFZ-Informationsportal www.globalwaterstorage.info finden Sie
viele Daten, Grafiken, aktuelle Berichte und Hintergründe rund um die
GRACE-Satellitenmissionen und den globalen Wasserhaushalt.

Neue Daten zum Wasserhaushalt 2023

Am 22. März ist der Welttag des Wassers. Vermeintlich allgegenwärtig, ist
Wasser längst in weiten Teilen der Welt zur kostbaren und knappen
Ressource geworden. Der Klimawandel hat die Situation vielerorts
verschärft. Auch Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren drastische
Dürren erlebt. Für das Jahr 2023 haben jetzt Forschende um Eva Börgens und
Christoph Dahle vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ den soeben
komplettierten aktuellsten Datensatz des Satellitenduos GRACE-Follow-On
ausgewertet, der auf Basis von Schwerefeldmessungen genaue Einblicke in
die Wasserbilanz der Erde ermöglicht. Sie zeigen, dass sich der
Gesamtwasserspeicher in Deutschland im Jahr 2023 zwar etwas erholt hat,
dass im Vergleich zum langjährigen Mittel aber immer noch rund 10
Milliarden Tonnen fehlen. Zum Vergleich: Der Bodensee fasst in etwa 48
Milliarden Tonnen Wasser. Für Europa ist seit Beginn der Messungen im Jahr
2002 ein Rückgang des Gesamtwasserspeichers um rund 100 Milliarden Tonnen
zu verzeichnen. Daraus lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch
kein eindeutiger Trend ableiten.

Der sogenannte terrestrische Gesamtwasserspeicher TWS (von engl.
Terrestrial Water Storage) setzt sich zusammen aus den
Wasserkreislaufkomponenten Eis (also Gletscher), Schnee, Bodenfeuchte,
Grundwasser sowie dem Oberflächenwasser in Flüssen, Seen und künstlichen
Reservoiren. TWS ist eine wichtige Messgröße für die Umwelt- und
Klimaforschung. Sie gehört mittlerweile offiziell zu den 54 „Essenziellen
Klimavariablen“, die entscheidend zur Charakterisierung des Erdklimas
beitragen und wichtige Basis für die Arbeit des IPCC (Intergovernmental
Panel on Climate Change) sind. Der TWS wird von der deutsch-amerikanischen
GRACE-FO-Mission zur Verfügung gestellt.

Damit liefern die Schwerefeldmissionen nicht nur wertvolle Daten zum
Wasser auf und unter der Erdoberfläche, sondern auch zur Massenbilanz der
großen Inlandeisschilde über Grönland und der Antarktis. Der Trend ist
hier dramatisch: Jahr für Jahr verliert Grönland rund 224 Milliarden
Tonnen an Eis und die Antarktis, die ungleich kälter ist, 138 Milliarden
Tonnen.

Neues Informationsportal des GFZ zur globalen Wasserspeicherung

Diese und weitere aktuelle sowie hintergründige Informationen zu den
GRACE-Satellitenmissionen, ihrem Messprinzip und der Datenauswertung, aber
auch zu Forschungsprojekten sowie Animationen und Karten finden Sie in dem
neuen Informationsportal globalwaterstorage.info, das das GFZ eingerichtet
hat. Beispielsweise findet sich hier eine animierte Zeitreihe, die
eindrücklich zeigt, wie Europas Gesamtwasserspeicher seit 2002 immer
kleiner geworden ist. Faktenblätter und Themendossiers ergänzen das
Angebot, das sich insbesondere an Vertreter:innen der nationalen Medien
und politische Entscheidungsträger:innen, aber auch an die breite
interessierte Öffentlichkeit richtet.

Schwerefeldmission wird fortgesetzt und auch künftig wichtige Wasser- und
Klimadaten liefern

Seit 2002 liefern die Tandem-Satelliten der GRACE- bzw. seit 2018 der
nachfolgenden GRACE-FO-Mission wichtige Daten für die Klimabeobachtung:
GRACE steht für Gravity Recovery and Climate Experiment, übersetzt:
Schwerkraftermittlungs- und Klimaexperiment. Sie ist eine gemeinsame
Mission der NASA, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR sowie
des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ mit weiteren Forschungs- und
Industriepartnern. Die Satelliten ermöglichen die kontinuierliche
Überwachung des Schwerefelds der Erde. Auf Basis von dessen winzigen
Änderungen können zeitliche und räumliche Veränderungen im globalen
Wasser- und Eishaushalt ermittelt werden – und damit auch der Einfluss,
den der Klimawandel darauf hat.

Die an den GRACE-Missionen beteiligten Forschungseinrichtungen in den USA
und Deutschland, die Industriepartner sowie die Bundesministerien für
Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und für Bildung und Forschung (BMBF)
haben sich geeinigt, die Mission fortzusetzen: Voraussichtlich 2028 wird
GRACE-C starten und auch weiterhin das Schwerefeld der Erde vermessen.
Damit ist sichergestellt, dass die Vermessung des Wasserkreislaufs der
Erde über eine Zeitspanne von wenigstens rund 30 Jahren erfolgen kann –
ein Zeitraum, der als Klimaperiode gilt.