Einfaches Diagnose-Tool für Schluckstörungen bei älteren Patienten: Vergleichsstudie belegt hohe Genauigkeit
Schluckstörungen sind vor allem bei hospitalisierten geriatrischen
Patienten weit verbreitet. Gute Diagnose-Tools gibt es allerdings nur
wenige und diese wurden vor allem bei Schlaganfall-Patienten evaluiert –
bis jetzt: Die Arbeitsgruppe Dysphagie der Deutschen Gesellschaft für
Geriatrie (DGG) hat einen einfachen Wasserschlucktest entwickelt – das
sogenannte Dysphagie-Screening-Tool für geriatrische Patienten (DSTG) –
dessen hohe Genauigkeit nun in einer Vergleichsstudie mit der etablierten
endoskopischen Goldstandard-Methode FEES explizit belegt werden konnte.
„Wir haben somit nun auch ein Screening-Instrument für hochaltrige
Patientinnen und Patienten, mit dem wir schnell und frühzeitig ein
erhöhtes Risiko für Schluckstörungen erkennen können“, sagt Privatdozent
Dr. Cornelius Werner, Leiter der DGG-Arbeitsgruppe Dysphagie sowie
Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Johanniter-Krankenhaus
Stendal.
„Schlucken ist so lebenswichtig wie Atmen. Dieser Vorgang kann besonders
häufig bei älteren Patienten gestört sein, weil es sehr viele ursächliche
Erkrankungen gibt, die auch die Sicherheit und die Effizienz des
Schluckens beeinträchtigen können. Schluckstörungen können wir allerdings
nicht von außen beobachten – zudem berichten ältere Betroffene häufig auch
nicht von ihrem Problem. Sie gewöhnen sich daran, dass sie sich ständig
räuspern oder husten müssen oder dass sie gar ein, zwei Mal im Jahr mit
einer Lungenentzündung im Krankenhaus landen“, unterstreicht AG-Leiter
Cornelius Werner die Problematik.
Mutmaßliche Schluckstörungen: Bis zu 40 Prozent der Über-80-Jährigen
betroffen
Mit der fiberendoskopischen Schluckuntersuchung, kurz FEES, habe sich zwar
ein endoskopisches Diagnose-Verfahren etabliert. Wenn man sich allerdings
vor Augen führe, dass schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der über
80-Jähigen mutmaßlich Schluckstörungen haben, sei klar, dass nicht alle
einer endoskopischen Untersuchung zugeführt werden können. „In der
vorgelegten Vergleichsstudie konnte nun nachgewiesen werden, dass sich der
DSTG-Wasserschlucktest sehr gut als Untersuchungsalternative eignet”,
erklärt Werner. Das wissenschaftliche Papier wurde veröffentlicht von den
Altersmedizinern Professor Ulrich Thiem, Chefarzt der Medizinisch-
Geriatrischen Klinik am Albertinen-Krankenhaus und Albertinen-Haus in
Hamburg, Dr. Martin Jäger, Ärztlicher Direktor der Geriatrie am
Hüttenhospital in Dortmund, Dr. Holger Stege, Leiter der geriatrischen
Tagesklinik am Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg in Neuruppin, und
Professor Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und
Frührehabilitation am Marien Hospital Herne. Noch in diesem Jahr soll ein
Lehrvideo die breitere Anwendung des lebenswichtigen Tools in der
Geriatrie unterstützen.
Pragmatischer Test eignet sich für breite Anwendung
An der durchgeführten Studie nahmen 53 Patientinnen und Patienten mit
einem Durchschnittsalter von 85 Jahren in fünf geriatrischen Kliniken in
Deutschland teil. Nacheinander wurden sie sowohl mit dem DSTG als auch mit
der FEES in zufälliger Reihenfolge und von verschiedenen Expertinnen und
Experten untersucht, die für die Ergebnisse der jeweils anderen
Untersuchung blind waren. Dabei stellte sich heraus, dass das DSTG ein
valides Instrument für das Screening der oropharyngealen Dysphagie, also
Schluckstörungen im Mund-Rachen-Bereich, zu sein scheint. „Damit haben wir
unsere Vermutung bestätigt, dass ein einfach durchzuführender Screening-
Test auch bei geriatrischen Patientinnen und Patienten valide Ergebnisse
erzeugt. Diese neue Validierungsstudie erlaubt es also, das Screening-Tool
guten Gewissens in der Breite einzusetzen”, so Werner. Der Test sei kurz
und sehr pragmatisch in wenigen Handgriffen durchführbar, auch durch das
Pflegepersonal.
Lehrvideo soll Anwendung in der Praxis erleichtern
Nach der Veröffentlichung der Studienergebnissen geht es nun darum, das
„Dysphagie-Screening-Tool Geriatrie“ als Standardinstrumentarium der
deutschen Geriaterinnen und Geriater zu etablieren. „Obwohl der Test
einfach durchzuführen ist und seit seiner Entwicklung vor drei Jahren in
vielen Kliniken bereits angewendet wird, könnte die Anwendung noch
häufiger sein. Schließlich kann dieser einfache Test potenziell Leben
retten! Deswegen werden wir zusätzlich noch in diesem Jahr ein
unterstützendes Lehrvideo produzieren, das die breitere Anwendung des
lebenswichtigen Tools in der Geriatrie unterstützen soll“, erklärt Werner.
Mehr Informationen:
Hier geht es zur Validierungsstudie:
https://bmcgeriatr.biomedcentr
Und hier geht es zum „Dysphagie-Screening-Tool Geriatrie“ (DSTG):
https://www.dggeriatrie.de/ima
handlungsanleitung-dysphagie-s
