Digitale Geschöpfe, Künstliche Intelligenz und existenzielle Fragen
Filmreihe „Digital und transhuman?“ des Exzellenzclusters „Religion und
Politik“ zeigt Filme über die Beziehung von Mensch und Maschine in Zeiten
der Digitalisierung – Vier Kinofilme erforschen Fragen des Menschseins –
Start der Reihe am 9. April im Schloßtheater Münster – Forschende des
Exzellenzclusters führen in die Filmvorführungen ein
Digitale Geschöpfe, Künstliche Intelligenz und existenzielle Fragen: In
der Filmreihe „Digital und transhuman?“ im Themenjahr „Die Digitalisierung
der Religion“ zeigt der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ Filme über
das Verhältnis von Mensch und Maschine in Zeiten der Digitalisierung.
„Science Fiction befasst sich seit jeher auf kreative, herausfordernde und
manchmal auch verstörende Weise mit der Beziehung von Menschen und
Göttern,“ sagt Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt vom
Exzellenzcluster. „Gerade in jüngerer Zeit haben die fortschreitende
Digitalisierung und Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz
die Fantasie der Filmschaffenden beflügelt. Ihre Werke greifen in diesem
Zusammenhang auch ethische und religiöse Fragen auf, etwa nach dem Umgang
des Menschen mit seinen künstlichen Schöpfungen und der Bedeutung der Idee
von ‚Gott‘ in einer zunehmend von Technologie geprägten Welt.“
Die vierteilige Filmreihe des Exzellenzclusters ist ab dem 9. April im
Programmkino „Schloßtheater“ in Münster zu sehen. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler des Exzellenzclusters begleiten die Abende mit kurzen
Einführungsvorträgen. Im Anschluss an die Filmvorführungen besteht die
Möglichkeit zur Diskussion im Foyer des Schloßtheaters. Alle Filme werden
in Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Für die Teilnahme
ist eine Anmeldung unter veranstaltungenEXC@uni-muenste
Der Eintritt ist frei.
Über die Filme
Die Reihe startet am 9. April mit Ridley Scotts „Blade Runner“. Der
Science Fiction-Klassiker aus dem Jahr 1982 spielt in einer düsteren
Zukunft, in der die Menschen sich ein besseres Leben auf fernen Planeten
erhoffen. „Um diese fremden Welten zu erschließen, konstruieren sie
künstlich erschaffene Replikanten. Als diese auf die Erde zurückkehren, um
Fragen über ihre eigene Herkunft und Existenz zu beantworten, wird die
Menschheit mit ihrer Schöpfung und mit ihrer eigenen Menschlichkeit
konfrontiert“, erläutert Historiker Marcel Bubert, der in den ersten Abend
der Filmreihe einführt. „Der Film wirft zahlreiche existenzielle Fragen
auf und regt insbesondere im Spiegel moderner Entwicklungen zum Nachdenken
über Künstliche Intelligenz, die Natur des Menschen und die Ethik der
Mensch-Roboter-Interaktion an.“
Der zweite Abend der Filmreihe widmet sich dem Film „Her“, der die
Geschichte des einsamen Schriftstellers Theodore erzählt, der sich in eine
Künstliche Intelligenz namens Samantha verliebt. „Der Film aus dem Jahr
2013 ist eine bewegende Reflexion über Einsamkeit, Liebe und soziale
Verbindungen zwischen Menschen und von ihnen digital erzeugten Wesen“,
sagt Thorsten Quandt, der die Filmvorführung mit einem Einführungsvortrag
begleitet. „Samantha wurde als Betriebssystem für Computer geschaffen und
entwickelt fortschreitend menschenähnliche Fähigkeiten. Anhand der
emotionalen Bindung, die zwischen ihr und Theodore entsteht, erforscht der
Film die Auswirkungen von technologischen Entwicklungen auf
zwischenmenschliche Beziehungen.“
In „Ex Machina“ fühlt sich der junge Programmierer Caleb zu einem
weiblichen Avatar namens Ava hingezogen, dessen Fähigkeiten er testen
soll. „Der Film erforscht auf fesselnde Weise die Grenzen zwischen Mensch
und Maschine in einer zunehmend von Technologie geprägten Welt“, sagt
Quandt, der auch am 11. Juni in den dritten Filmabend der Reihe einführt.
„Das gefährliche Netz aus Manipulation und Intrigen, in das Caleb gerät,
wirft ebenfalls Fragen nach den Konsequenzen einer außer Kontrolle
geratenen Technologie und nach der Ethik von Mensch-Roboter-Interaktionen
auf.“
Den Abschluss der Filmreihe bildet die Vorführung der Komödie „Le tout
nouveau testament“ am 9. Juli. Der Film handelt vom christlichen Gott, der
als zynischer Tyrann in Brüssel lebt und die Menschen auf der Erde quält.
Seine Tochter Ea lehnt sich gegen ihn auf, indem sie sich in seinen
Computer hackt und die Todesdaten aller Menschen auf der Welt an ihre
Handys verschickt. „Ea schafft damit eine Welt, in der die Menschen ihre
eigenen Entscheidungen treffen können und Gott ein besseres, weniger
tyrannisches Wesen wird“, erläutert die Sozial- und Kulturanthropologin
Dorothea Schulz, die in den letzten Abend der Filmreihe einführt. „Der
Film greift Themen wie den Kampf gegen Unterdrückung und die Suche nach
Identität auf und streift dabei auch die Frage nach der Rolle von ‚Gott‘
in einer digitalisierten Welt.“ (fbu/pie/vvm)
Filmreihe „Digital und transhuman? Von Menschen und Göttern in Zeiten der
Digitalisierung“
9. April 2024, 19.00 Uhr – Blade Runner (1982)
14. Mai 2024, 19.00 Uhr – Her (2013)
11. Juni 2024, 19.00 Uhr – Ex Machina (2015)
9. Juni 2024, 19.00 Uhr – Le tout nouveau testament (2015)
Ort: Programmkino „Schloßtheater”, Melchersstraße 81, 48149 Münster
Anmeldung an: veranstaltungenEXC@uni-muenste
