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Großprojekt gegen Wildtierkriminalität startet

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Eine Koalition aus Naturschutzverbänden, Polizei, Ministerien und
Wissenschaft unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und
Wildtierforschung (Leibniz-IZW) verkünden den Start des Projekts
„wildLIFEcrime“. Dieses grenzüberschreitende Projekt verfolgt das Ziel,
bis zum Jahr 2028 die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich
zu reduzieren. Durch Verbesserungen in der Zusammenarbeit zwischen
Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Behörden soll die Effizienz bei der
Bekämpfung illegaler Wildtierverfolgung erheblich verbessert werden.
Bislang stehen einer hohen Zahl illegaler Tötungen streng geschützter
Wildtiere nur wenige Verurteilungen gegenüber.

Tausende streng geschützte Wildtiere wurden in den letzten Jahren in
Deutschland und Österreich vergiftet, erschlagen oder erschossen. Für
viele streng geschützte oder seltene Tierarten ist die illegale Verfolgung
eine der häufigsten Todesursachen und stellt ein massives Problem für den
Artenschutz dar. Zudem werden nur wenige Täter:innen ermittelt und selbst
wenn dies der Fall ist, kommt es in den seltensten Fällen zu
Verurteilungen. Um diesen Trend zu stoppen, hat eine ungewöhnliche
Koalition von Partnern aus Naturschutzverbänden, Behörden,
Veterinärmedizin, Polizei und der Wissenschaft nun das länderübergreifende
EU LIFE geförderte Projekt „wildLIFEcime“ gestartet. Ziel des bis 2028
laufenden Projekts ist es, durch eine erheblich verbesserte Zusammenarbeit
die illegalen Tötungen von Wildtieren in Deutschland und Österreich zu
reduzieren und die Effizienz bei der Strafverfolgung zu erhöhen. Das
Projekt soll dafür als Informationsdrehscheibe zwischen den betroffenen
Akteur:innen dienen. Verbesserungen in der forensisch-pathologischen
Untersuchungskette, die Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen anhand von
Beispielsfällen sowie die Erstellung praxisorientierter Leitfäden und
einer Falldatenbank sollen den ermittelnden Behörden bei der Bekämpfung
von Wildtierkriminalität helfen. Das Projektteam setzt sich aus dem WWF
Deutschland, WWF Österreich, BirdLife Österreich, Universität Bremen,
Polizeipräsidium Niederbayern, Polizeipräsidium Oberpfalz,
Bundeskriminalamt Österreich, Leibniz-Institut für Zoo- und
Wildtierforschung, Veterinärmedizinische Universität Wien, ÖKOBÜRO –
Allianz der Umweltbewegung, Luchs Bayern e.V., das Komitee gegen den
Vogelmord e.V. sowie dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr
NRW zusammen.

Neben der Umsetzung von präventiven Maßnahmen, wie aktivem
Konfliktmanagement in Hot-Spot-Gebieten, will das Projekt erreichen, dass
Fälle entdeckt, effektiv bearbeitet, aufgeklärt und Täter:innen konsequent
zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür ist es wichtig, die Bevölkerung zu
sensibilisieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass die
Strafverfolgungsbehörden die nötige Unterstützung beim Zugang zu
Fachwissen erhalten und ihre Kapazitäten erweitern können.

Deswegen arbeiten die Projektpartner an der Verbesserung forensischer
Untersuchungen und bieten Fortbildungen für Polizei und
Staatsanwaltschaften an. Außerdem wollen die Projektpartner Strukturen und
Netzwerke etablieren, um den Informationsaustausch zu verbessern.
Gleichzeitig planen sie, Vorschläge zu erarbeiten, um die rechtlichen
Rahmenbedingungen im Austausch mit Entscheidungsträger:innen zu
optimieren. Das Leibniz-IZW stellt dafür seine pathologisch-forensische
Expertise in der Abteilung für Wildtierkrankheiten zur Verfügung und
organisiert im Rahmen der Leibniz-IZW-Akademie forensische Fortbildungen
für Fachleute. Dies wird die Qualität forensischer Untersuchungen und die
Aufklärung von Fällen der Wildtierkriminalität verbessern.

Wildtierkriminalität ist in Mitteleuropa weit verbreitet und für seltene
Arten eine erhebliche Bedrohung: Deutschlandweit wurden seit 2005 mehr als
1.600 Fälle illegaler Greifvogelverfolgung mit tausenden Opfern
nachgewiesen. Derzeit leben in Deutschland knapp 130 Luchse. 13 von ihnen
verschwanden allein zwischen 2018 und 2019 im bayerisch-böhmischen Raum.
Hinzu kommen mindestens 79 Wölfe, welche in den letzten 24 Jahren Opfer
illegaler Tötungen wurden. In Österreich sind mehr als 200 Wildvögel sowie
16 streng geschützte Säugetiere zwischen 2016 und 2022 Opfer illegaler
Verfolgung geworden. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, da viele
Fälle unentdeckt bleiben oder nicht gemeldet werden.

https://wildlifecrime.info/