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Neueste Einsätze von KI oder Robotic in der Medizin

Dr. med. Sylvia Bele, Fachärztin für Neurochirurgie, Regensburg  Quelle: Helge Schubert  Copyright: Conventus
Dr. med. Sylvia Bele, Fachärztin für Neurochirurgie, Regensburg Quelle: Helge Schubert Copyright: Conventus
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Wie wichtig ein gut fundierter, rechtlich und ethisch einwandfreier Umgang
mit der KI in der Medizin werden kann, zeigen zwei Artikel, die über die
neuesten Einsätze von KI oder Robotic in der Medizin berichten. Diese
zeigen, wie weit der Einsatz der KI in der Medizin schon reicht und wohin
die Reise gehen kann.

Von der Johns Hopkins Universität kommt ein Bericht über den
SRT-H-Roboter, der mit Hilfe einer Lernarchitektur wie ChatGPT angelernt
wurde und auf gesprochene Kommandos (wie „Greife die Gallenblasenbasis“)
und Korrekturanweisungen („Bewege den linken Arm etwas weiter nach links“)
reagiert und durch dieses Feedback lernt.

Der neue Roboter „SRT-H“ operiert tatsächlich, indem er sich in Echtzeit
an individuelle anatomische Gegebenheiten anpasst, Entscheidungen situativ
trifft und Irrtümer selbstständig korrigiert. Im letzten Jahr trainierte
Kriegers Team das System darauf, drei fundamentale chirurgische Aufgaben
eigenständig auszuführen: das Manipulieren einer Nadel, das Anheben von
Gewebe und das Setzen einer Naht. Für jede dieser Aufgaben benötigte der
Roboter jeweils nur wenige Sekunden.

Das Verfahren der Gallenblasenentfernung ist deutlich komplexer. Hierbei
musste der Roboter bestimmte Gallengänge und Gefäße identifizieren, diese
gezielt greifen, Clips präzise platzieren und Gewebestrukturen gezielt
durchtrennen. SRT-H lernte diese Schritte, indem er Videos von
Operationsdurchführungen an Schweinekadavern durch Chirurgen der Johns
Hopkins University betrachtete. Nach den Trainingsdurchläufen führte der
Roboter die Operation schließlich mit 100%iger Genauigkeit aus.
Der Roboter arbeitete fehlerfrei bei uneinheitlichen anatomischen
Bedingungen und während unvorhersehbarer Szenarien – etwa als die
Forschenden die Startposition des Roboters willkürlich änderten oder als
blutähnliche Farbstoffe das Erscheinungsbild der Gallenblase und des
umliegenden Gewebes veränderten.

Als nächsten Schritt möchte das Team das System für weitere chirurgische
Eingriffe trainieren und testen. Vor einem breiten klinischen Einsatz
müssen jedoch noch Machbarkeitsstudien und Sicherheitsprüfungen
durchgeführt und die rechtlichen Voraussetzungen angepasst werden.

Ein zweiter Bereich betrifft die Roboterassistierte Nierentransplantation,
die mit Hilfe des Da Vinci OP-Systems bereits in mehreren deutschen
Kliniken erfolgreich durchgeführt wird. Diese OP-Technik wird als
besonders schonend beschrieben, die Patienten brauchen postoperativ
deutlich weniger Schmerzmedikation und auch der Krankenhausaufenthalt ist
in den meisten Fällen kürzer.

Hier zeigen sich also bereits Einsatzgebiete für die KI und/oder Robotic
in der Medizin und im OP, die man noch vor kurzem nur erfahrenen
Fachärzten zugetraut hätte. Wie weit diese Entwicklungen gehen, haben wir
selbst in der Hand und man sollte genau abwägen, wie diese Techniken zu
kontrollieren sind und wie sie in die Arzt-Patienten-Beziehung integriert
werden können.