Projekt „KI-Nationalpark“ – digitale Innovationen für Umwelt- und Naturschutz
Freiburger Forschende beteiligen sich am Projekt „KI-Nationalpark“ und
installieren in deutschen Nationalparken und Wildnisgebieten das
bundesweit erste schutzgebietsübergreifende und KI-gestützte
Monitoringsystem aus Fotofallen, Audio- und Klimaloggern.
• Projektziele: standardisierte Verfahren zur Erfassung von Biodiversität
und Störungsfaktoren, eine belastbare Bestandsaufnahme der Artenvielfalt
und Handlungsempfehlungen zum Schutzgebietsmanagement.
• Der Bund fördert das Projekt, das hilft, das deutsche Naturerbe zu
erhalten und naturbasierte Lösungen im Klimaschutz weiterzuentwickeln, mit
1,8 Millionen Euro.
Intakte Ökosysteme unterstützen Nationalparke und Wildnisgebiete dabei,
das Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂) zu speichern und Biodiversität zu
erhalten. Aber: Damit Schutzgebiete diese zentralen Funktionen langfristig
erfüllen und Herausforderungen wie Klimawandel und Nutzungsdruck begegnen
können, müssen deren Ökosysteme zukunftsfähig gestaltet werden. Dazu
beitragen soll das bundesweit erste schutzgebietsübergreifende und durch
künstliche Intelligenz (KI) gestützte Monitoringsystem, das seit Sommer
2025 im Rahmen des Projekt „KI-Nationalpark“ in 13 deutschen
Nationalparken und zwei Wildnisgebieten installiert wird.
Zum Projektteam gehören Forschende um Prof. Dr. Marco Heurich und Prof.
Dr. Ilse Storch, beide von der Professur für Wildtierökologie und
Wildtiermanagement an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen
der Universität Freiburg, die Saarbrücker biometrio.earth GmbH und das
Bündnis Nationale Naturlandschaften e. V. (Projektkoordinator). Das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz (BMUKN) fördert das Vorhaben im Rahmen des
Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) in der Förderlinie „KI-
Leuchttürme“ mit 1,8 Millionen Euro. Projektlaufzeit erstreckt sich von
2025 bis 2027.
Bundesweites Monitoring mit Vorbildcharakter
Vom Schwarzwald im Süden über die Eifel im Westen bis zur Vorpommerschen
Boddenlandschaft im Norden und der Sächsischen Schweiz im Osten: In
Zukunft sollen Fotofallen Aufnahmen von Rehen, Füchsen, Wildschweinen und
Co. liefern, während Audiologger Vogelstimmen, Fledermausrufe,
Forstmaschinen und Freizeitaktivitäten aufzeichnen und Klimalogger Aspekte
wie Bodenfeuchte und Lufttemperatur erfassen. Das Rechenzentrum der
Universität Freiburg speichert die Daten, mit denen auch die KI-Systeme
des Projekts trainiert werden. Deren Aufgabe: große Datenmengen
automatisiert auswerten, Arten sowie menschliche Störungen identifizieren
und Zusammenhänge zwischen Klima, Biodiversität und Nutzung
veranschaulichen.
Darauf aufbauend wird das Team standardisierte Verfahren entwickeln, um
Biodiversität und Störungsfaktoren zu erfassen. Zudem plant es, eine
belastbare Bestandsaufnahme der Artenvielfalt in den beteiligten Gebieten
und konkrete Handlungsempfehlungen zu erstellen. Ziel der Leitfäden ist
es, das Management der Schutzgebiete auf wissenschaftlicher Basis zeitnah
und kontinuierlich zu optimieren. „Erkennen wir, dass menschliche
Aktivitäten zur Brut- und Setzzeit oder in Bereichen zunehmen, in denen
störungsempfindliche Arten wie das Auerhuhn leben, können wir
Besucherströme gebietsspezifisch und datenbasiert umlenken“, sagt Heurich.
Als weiteres Beispiel nennt er die Option, bei Bedarf die Abschusspläne
für Schalenwild zu ändern, sodass sich Wälder positiv entwickeln können.
„Mit KI-Nationalpark schaffen wir ein Werkzeug, das den
Schutzgebietsverwaltungen erstmals schnelle, belastbare und vergleichbare
Daten an die Hand gibt“, sagt Marla Schulz Projektkoordinatorin bei
Nationale Naturlandschaften e. V. „So können wir Biodiversität und
Klimaschutz noch besser zusammen denken – und unsere Schutzgebiete als
Schatzkammern der Natur langfristig sichern.“
Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) aufgrund eines Beschlusses des
Deutschen Bundestages im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher
Klimaschutz.
