Boxenstopp โ Mehrwegverpackungen fรผr eine nachhaltigere Lebensmittelindustrie
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๐๐ฎ๐ฅ๐ข๐๐ง๐: Verpackungen haben ihre Berechtigung - sie schรผtzen Produkte,
sichern Transport und Haltbarkeit. รber die Jahre ist daraus allerdings
eine Art โVerpackungsutopieโ geworden. Vieles wird doppelt und dreifach
verpackt, was oft gar keinen weiteren Schutz bietet. Als Endverbraucher*in
merkt man das vor allem beim Einkaufen: Man kommt nach Hause und als
Erstes wandern ganz viele Verpackungen in den Mรผlleimer. Hier wird das
Verpackungsaufkommen deutlich spรผrbar, wรคhrend es in der Industrie
deutlich weitreichender, aber fรผr Verbraucher*in weitestgehend unsichtbar
bleibt. So fรผllen Produzent*innen zum Beispiel Feinkost und Salate ab,
schicken sie weiter, dort werden sie wieder ausgepackt, und die Verpackung
wird sofort entsorgt. Ein Riesenaufwand fรผr etwas, das nur ein paar
Stunden genutzt wird. Da haben wir uns gedacht โ Das muss auch anders
gehen.
Unser Ziel ist klar: Mit PFABO mรถchten wir weg vom linearen System, wo
Verpackungen nur einmal genutzt werden, hin zu einer echten
Kreislaufwirtschaft. Das heiรt konkret: Mehrweg aus der Nische holen und
als Standard etablieren. Wir setzen dafรผr vor allem bei den Unternehmen
selbst an und helfen ihnen dabei umzudenken von โich werfe etwas wegโ zu
โich behalte es, fรผhre es zurรผck und nutze es wieder.โ
๐๐๐ ๐๐ฌ ๐๐ข๐ง๐๐ง ๐๐๐ก๐ฅรผ๐ฌ๐ฌ๐๐ฅ๐ฆ๐จ๐ฆ๐๐ง๐ญ, ๐ข๐ง ๐๐๐ฆ ๐ข๐ก๐ซ ๐๐ฎ๐๐ก ๐ ๐๐๐๐๐ก๐ญ ๐ก๐๐๐ญ, ๐๐๐ฌ๐ฌ ๐ข๐ก๐ซ ๐๐ข๐
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๐๐ฎ๐ฅ๐ข๐๐ง๐: Es gab mehrere. Ich selbst komme ursprรผnglich aus einer anderen
Branche, der Unternehmensberatung und habe dort unter anderem
Krankenhรคuser mit einer leitenden Position im Marketing betreut. Aber
irgendwann kam bei mir die Frage auf โWie sinnstiftend ist meine Arbeit?โ
Dazu kam, dass ich mit zwei Kindern noch mehr angefangen habe, mein
Konsumverhalten zu hinterfragen und eben nicht nur was kaufe ich ein,
sondern auch wie kommen die Lebensmittel auf den Tisch. Gleichzeitig haben
mich verschiedene Studien, in denen das steigende Verpackungsaufkommen der
letzten Jahrzehnte deutlich wird, immer wieder zum Nachdenken gebracht und
so habe ich schlieรlich gemeinsam mit meinem Bruder Adrian รผberlegt, wie
man es anders machen kann โ und aus diesen รberlegungen entstand nach
einiger Zeit PFABO. Bestรคrkt in unserem Vorhaben hat mich dann zum
Beispiel eine Studie vom Fraunhofer Cluster of Excellence Circular
Plastics Economy CCPE zum Thema kunststoffbasierte Mehrwegsysteme in der
Kreislaufwirtschaft, die zeigt, dass Mehrwegsysteme eine sehr effektive
Lรถsung fรผr das steigende Verpackungsaufkommen der letzten Jahrzehnte
darstellen kรถnnen.
Adrian ist Maschinenbauer und Produktentwickler und hat die Thematik zu
PFABO in seiner Masterarbeit wissenschaftlich aufbereitet und damit den
technischen Grundstein gelegt. Gleichzeitig haben wir Kontakte zu
mรถglichen Partner*innen gesucht und sind so schlieรlich auch auf das
Fraunhofer IZM gestoรen. Dort hatten wir dann Kontakt mit Alexandra Rydz
und Ulf Oestermann von der Start-A-factory. Die beiden haben uns spontan
zu einem Workshop eingeladen. Gemeinsam haben wir die ersten Ideen zur
Zusammenarbeit mit einzelnen Abteilungen im Forschungsinstitut entwickelt
und kurz darauf stand mit dem ersten Lockdown plรถtzlich alles still. Aber
das Projekt hat รผberlebt, und wir sind weiter mit dem Fraunhofer IZM in
Kontakt geblieben. Mit dem EXIST-Grรผnderstipendium konnten wir die Arbeit
fortsetzen und professionalisieren.
Schlieรlich haben wir dann ein groรes Forschungs- und Entwicklungsprojekt
vom Bundesministerium fรผr Landwirtschaft, Ernรคhrung und Heimat bekommen
und haben dann das Fraunhofer IZM als Verbundpartner mit ins Boot geholt.
Alexandra und Ulf haben uns wie vor dem Lockdown unterstรผtzt, und so
konnten wir durch die Kooperation mit Start-A-Factory den Weg zu unserem
Prototypen weitergehen. Start-A-Factory ist ein einmaliges Konzept in der
Wissenschaftslandschaft fรผr Entwicklungsteams mit Hardware-Fokus. Zusammen
mit Expert*innen aus der Wissenschaft, modernsten Anlagen und Kontakten zu
weiteren Partner*innen aus der Wirtschaft wurde unsere erste Produktidee
in kรผrzester Zeit zum professionellen Prototypen.
๐๐ง๐ ๐ฐ๐๐ฅ๐๐ก๐๐ฌ ๐๐ง๐จ๐ฐ๐ก๐จ๐ฐ ๐ฐ๐๐ซ ๐รผ๐ซ ๐๐ฎ๐ซ๐ ๐๐ซ๐จ๐๐ฎ๐ค๐ญ๐๐ง๐ญ๐ฐ๐ข๐๐ค๐ฅ๐ฎ๐ง๐ ๐๐ฎ๐ฌ๐ฌ๐๐ก๐ฅ๐๐ ๐ ๐๐๐๐ง๐?
๐๐ฎ๐ฅ๐ข๐๐ง๐: Beim Thema Kreislaufwirtschaft mรผssen sehr viele Punkte
mitgedacht werden, vor allem wenn sie im groรen Maรstab funktionieren
soll. Bei Hunderttausenden oder mehr Verpackungen im Umlauf ist es
schlicht unmรถglich, jede einzelne Box per Hand zu kontrollieren, weswegen
uns von Anfang an klar war, dass der Schritt der Qualitรคtsรผberprรผfung
automatisiert werden muss. Hier hat das Fraunhofer IZM seine Erfahrung
eingebracht. Gemeinsam mit Carsten Brockmann und Christian Tschoban aus
der Abteilung RF & Smart Sensor Systems haben wir รผberlegt: Welche
Parameter mรผssen geprรผft werden? Wie lรคsst sich Sensorik so einsetzen,
dass Beschรคdigungen oder Rรผckstรคnde zuverlรคssig erkannt werden?
Wir wollten ein System, das hygienisch einwandfrei arbeitet und dabei
wirtschaftlich bleibt. Die Forschenden vom Fraunhofer IZM haben dann eine
Sensorik vorgeschlagen, welche wir gemeinsam fรผr PFABO adaptiert haben. Im
Mittelpunkt steht hier ein KI-gestรผtztes Prรผfverfahren, bei dem die
Maschine โlerntโ, bestimmte Oberflรคchenstrukturen oder Verfรคrbungen zu
erkennen und Rรผckschlรผsse auf mรถgliche Kontaminationen zieht. Die
Entwicklung dieser Prรผfsensorik war fรผr uns ein groรer Fortschritt, da wir
so sicherstellen kรถnnen, dass eine Verpackung, die in den Kreislauf
zurรผckkommt, den gleichen Hygieneanforderungen wie eine Einwegverpackung
entspricht โ nur eben mit viel weniger Abfall, da eine unserer Boxen
zwischen 250- und 500-mal wiederverwendet werden kann.
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๐๐๐ซ๐ฌ๐ญ๐๐ฅ๐ฅ๐ฎ๐ง๐ , รผ๐๐๐ซ ๐๐๐ง๐ฎ๐ญ๐ณ๐ฎ๐ง๐ ๐๐ข๐ฌ ๐ก๐ข๐ง ๐ณ๐ฎ ๐๐๐ข๐ง๐ข๐ ๐ฎ๐ง๐ ๐ฎ๐ง๐ ๐๐ข๐๐๐๐ซ๐ฏ๐๐ซ๐ฐ๐๐ง๐๐ฎ๐ง๐ ...
๐๐ฎ๐ฅ๐ข๐๐ง๐: Alles beginnt bei unserem Produktionsunternehmen, der Adoma GmbH
im Allgรคu. Dort entstehen im Spritzgussverfahren unsere Boxen, die je nach
Grรถรe
0,25 โ 5,4 Liter fassen. Schon in der Produktion wird ein Inmold-Label
integriert โ das Etikett, welches fรผr die digitale Rรผckverfolgung wichtig
ist. Von dort gehen die Boxen zunรคchst in die Reinigung und werden
schlieรlich an die Lebensmittelproduzent*innen oder direkt in den Handel
geliefert. Die Boxen werden dann mit beispielsweise Feinkost- oder
Obsalsalaten, Desserts oder Conveniencenprodukten befรผllt. Je nach
Anwendung gelangen sie manchmal noch รผber den Groรhandel direkt zu den
Verwender*innen. Dort wird die Ware entnommen, verarbeitet oder an
Endkund*innen weitergegeben.
Wir beliefern zum Beispiel auch die Vivantes Krankenhรคuser in Berlin,
welche seit einigen Jahren im Take Away komplett auf Mehrwegverpackungen
setzen. Das ist ein positives Beispiel, wie das konsequente und
ausnahmslose Umdenken einer Firma Mehrweg zur Normalitรคt machen kann. Wir
haben errechnet, dass alleine im Take Away Vivantes so im Jahr circa
620.000 Becher einspart, die sonst Einwegprodukte gewesen wรคren. Bei
dieser Verwendung reinigt das Unternehmen die Becher oder Boxen selbst und
danach kehrt die Box oder der Becher zurรผck in den Kreislauf. Bei der
klassischen Zulieferung (Produktion โ Auslage) werden die Gebinde
gesammelt und zu einer zentrale Reinigung bei beispielsweise Cup&More
geschickt, wo die entscheidende Qualitรคtskontrolle passiert. Dank der
Sensorik, die wir mit dem Fraunhofer IZM entwickelt haben, kann dort jede
Box/Eimer zuverlรคssig geprรผft werden und nur, wenn die Gebinde alle Checks
besteht, wird sie wieder zur Verwendung freigegeben.
๐๐ฎ ๐ก๐๐ฌ๐ญ ๐ฆ๐ข๐ญ ๐๐ข๐ฏ๐๐ง๐ญ๐๐ฌ ๐ฃ๐๐ญ๐ณ๐ญ ๐๐ข๐ง๐ ๐๐ซ๐๐จ๐ฅ๐ ๐ฌ๐ ๐๐ฌ๐๐ก๐ข๐๐ก๐ญ๐ ๐ ๐๐ง๐๐ง๐ง๐ญ, ๐๐๐๐ซ ๐ฐ๐ข๐,
๐ฐรผ๐ซ๐๐๐ฌ๐ญ ๐๐ฎ ๐ฌ๐๐ ๐๐ง, ๐ข๐ฌ๐ญ ๐๐๐ง๐ง ๐๐๐ก๐ซ๐ฐ๐๐ ๐ก๐๐ฎ๐ญ๐ ๐ ๐๐ง๐๐ซ๐๐ฅ๐ฅ ๐ฌ๐๐ก๐จ๐ง ๐ข๐ง ๐๐๐ซ ๐๐ซ๐๐ฑ๐ข๐ฌ
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๐๐ฎ๐ฅ๐ข๐๐ง๐: Ganz klar im Umdenken. Unternehmen haben รผber Jahrzehnte
Strukturen aufgebaut und Prozesse etabliert. Wenn man da eingreift,
bedeutet das erstmal Reibung. Abteilungen mรผssen plรถtzlich enger
zusammenarbeiten, Verantwortlichkeiten verschieben sich. Ohne ein klares
Signal โvon obenโ nach dem Motto โWir machen das jetztโ funktioniert es
nicht. Und obwohl es seit einiger Zeit sogar Pflicht ist, Mehrweg im Take
Away anzubieten, passiert dies auch in vielen Fรคllen noch nicht. Das
zeigt, wie tief das Muster sitzt. Neben uns - wir engagieren uns vor allem
im Bereich Business-to-Business, weil wir dort die grรถรte Wirkung sehen -
gibt es auch noch einige andere Anbieter, die Ansรคtze im Business-to-
Customer Bereich anbieten. So gibt es in einigen Supermรคrkten schon
Mehrweg an der Frischetheke, in Restaurants fรผr den Auรerhaus Verzerr oder
auch Molkereiprodukte im Glas. Aber insgesamt ist die
Mehrwegangebotspflicht fรผr Endverbraucher*innen eine Hol- aber keine
Bringepflicht. Wichtig ist und bleibt klares und konsequentes Handeln,
sonst funktioniert es nicht.
Dazu kommen natรผrlich auch technische Herausforderungen. Jede neue
Verpackung durchlรคuft lange Entwicklungszyklen: Von der Zeichnung, รผber
3D-Druck, Tests, Werkzeugbau, Anpassungen, Abfรผll- und Reinigungstests. Da
zรคhlt jedes Detail, ob es um Materialstรคrke, Verschluss oder Fรผllvolumen
geht. Bei PFABO sind wir mittlerweile aber ein eingespieltes Team und
haben ein gutes Projektmanagement etabliert, sodass diese technischen
Entwicklungszyklen relativ reibungslos ablaufen.
๐๐ข๐ซ ๐ฌ๐ข๐ง๐ ๐๐ซ๐จ๐ก, ๐๐๐ฌ๐ฌ ๐ข๐ก๐ซ รผ๐๐๐ซ ๐๐ข๐ ๐๐ญ๐๐ซ๐ญ-๐-๐
๐๐๐ญ๐จ๐ซ๐ฒ ๐ณ๐ฎ ๐ฎ๐ง๐ฌ ๐ ๐๐๐ฎ๐ง๐๐๐ง ๐ก๐๐๐ญ ๐ฎ๐ง๐
๐ฌ๐ข๐ง๐ ๐ ๐๐ฌ๐ฉ๐๐ง๐ง๐ญ ๐๐๐ซ๐๐ฎ๐, ๐๐ข๐ ๐๐ฎ๐ค๐ฎ๐ง๐๐ญ ๐ฏ๐จ๐ง ๐๐
๐๐๐ ๐ณ๐ฎ ๐ฏ๐๐ซ๐๐จ๐ฅ๐ ๐๐ง - ๐ฐ๐จ๐ก๐ข๐ง ๐ฌ๐จ๐ฅ๐ฅ ๐๐ฎ๐ซ๐
๐๐๐ข๐ฌ๐ ๐๐๐ง๐ง ๐ข๐ง ๐๐๐ง ๐งรค๐๐ก๐ฌ๐ญ๐๐ง ๐๐๐ก๐ซ๐๐ง ๐ ๐๐ก๐๐ง?
๐๐ฎ๐ฅ๐ข๐๐ง๐: Unser Ziel ist und bleibt, Mehrweg raus aus der Nische zu holen
und fest in der Industrie zu etablieren und noch viel mehr: Mehrweg als
Standard fรผr Primรคrverpackungen in der Lebensmittelbranche. Dafรผr bauen
wir unsere Technik natรผrlich immer weiter aus und unterstรผtzen Unternehmen
bei der Umstellung. Parallel wollen wir unsere Netzwerke stรคrken. Dazu
braucht es Forschung, Industrie und Politik, denn Innovation allein reicht
nicht aus, klare gesetzliche Vorgaben sind ebenso wichtig. Als
Grรผndungsmitglied und ehemaligem Vorstandsmitglied im Mehrwegverband
Deutschland liegt es mir ebenfalls am Herzen, dass wir
Mehrwegenthusiast*innen uns mehr standardisieren und professionalisieren.
Wir rรผcken regelmรครig bei Veranstaltungen und Fachtagungen das Thema
Mehrweg in das Zentrum der Aufmerksamkeit.
Ich erwarte keine 180 Grad-Wendung in einem halben Jahr, aber viele kleine
Schritte, die vor allem konsequent durchgezogen werden, kรถnnen einen
groรen Unterschied machen. Dafรผr brauchen wir mutige Unternehmen,
technische Entwicklung, Anwender- und Verbraucher*innen, die mitziehen und
eine Politik, die dem Ganzen einen rechtlichen Rahmen setzt. Dann kann
Mehrweg zur Normalitรคt werden, und genau das ist unser Antrieb.
(Interview: Lotta Jahnke)
Originalpublikation:
https://www.izm.fraunhofer.de/
