„Forschungssicherheit ist keine Option, sondern Voraussetzung.“
Cyberagentur fordert verbindliche Standards für sichere Wissenschaft
Forschungssicherheit als strukturelle Aufgabe von Wissenschaft und Politik
Im öffentlichen Fachgespräch des Bundestagsausschusses für Forschung,
Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung am 5. November 2025
forderte der Forschungsdirektor der Agentur für Innovation in der
Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur), verbindliche Voraussetzungen und neue
Strukturen zur Sicherung der Forschung in Deutschland. Seine Stellungnahme
benennt sechs Maßnahmen, von verbindlichen (Cyber-)Sicherheitsstandards
bis hin zur Reform wissenschaftlicher Anreizsysteme.
Das deutsche Wissenschaftssystem steht nach Einschätzung von Prof. Dr.
Christian Hummert vor neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen.
Forschungseinrichtungen seien zunehmend Ziel von Spionage und
Wissensabfluss, zugleich steige die strategische Bedeutung
sicherheitsrelevanter Innovationen. Ziel seiner Stellungnahme sei es, „die
Forschungssicherheit an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen
systematisch zu stärken und damit zugleich auch einen Beitrag zur Stärkung
des Wissenschaftsstandorts Deutschland für sicherheitsrelevante Forschung
zu leisten.“
Ein zentrales Anliegen von Prof. Dr. Hummert ist, dass staatliche
Fördermittel künftig nur dann vergeben werden, wenn Mindeststandards zur
Forschungssicherheit erfüllt sind. Dazu führte er aus, dass dies ein
Prozess ist. In der Anfangsphase könnten ergriffenen Maßnahmen zur
Forschungssicherheit abgefragt werden. Gleichzeitig sollten Programme zu
Steigerung der Forschungssicherheit aufgelegt werden, damit die
Einrichtungen hier besser werden können. Wenn das erreicht ist, sollten
ein verbindliches Mindestmaß für Förderung in kritischen
Technologiebereichen eingeführt werden.
Als zweite Maßnahme schlägt Hummert ein unabhängiges nationales Gremium
für Forschungssicherheit vor, das Wissenschaft und Sicherheitsbehörden
gemeinsam berät und Standards definiert. Dieses Gremium solle zugleich
eine „atmende Technologieliste“ pflegen, die regelmäßig festlegt, welche
Forschungsinhalte als sicherheitsrelevant einzustufen sind.
Darüber hinaus regt Hummert eine Liste ausländischer Kooperationspartner
an, die potenzielle Sicherheitsrisiken kennzeichnet und regelmäßig
aktualisiert wird. Auf institutioneller Ebene empfiehlt er die Einrichtung
von Forschungssicherheitskommissio
Forschungseinrichtungen, die – ähnlich wie Ethikkommissionen – Beratungs-
und Prüfaufgaben übernehmen.
Abschließend mahnt er, dass Forschungssicherheit nur gelingen kann, wenn
auch das wissenschaftliche Reputationssystem überarbeitet wird. „Solange
der wissenschaftliche Erfolg insbesondere an Publikationen gemessen wird –
‚Publish or Perish‘ – kann Forschungssicherheit nicht wirkungsvoll
implementiert werden.“
Mit diesen sechs Vorschlägen ruft die Cyberagentur dazu auf,
Forschungssicherheit als Grundpfeiler wissenschaftlicher Exzellenz zu
verstehen – nicht als Einschränkung, sondern als Voraussetzung
verantwortungsvoller Innovation.
Der Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und
Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages befasst sich mit der
Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung in
Deutschland. Er berät zu Themen wie Künstliche Intelligenz,
Quantentechnologie oder Supercomputing und sorgt für die Verknüpfung
wissenschaftlicher Erkenntnisse mit politischen Entscheidungen.
Am Fachgespräch zur Forschungssicherheit nahmen Prof. Dr. Katja Becker,
Deutsche Forschungsgemeinschaft (Bonn); Prof. Dr. Christian Hummert,
Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Halle/Saale);
Univ.-Prof. i. R. Dr. Wolfgang Liebert, Institut für Sicherheits- und
Risikowissenschaften (ISRW), BOKU University Wien; Claudia Plattner,
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI, Bonn); sowie
Sinan Selen, Bundesamt für Verfassungsschutz (Köln) teil.
Weitere Informationen:
https://www.cyberagentur.de/
https://www.bundestag.de/dokum
forschung-1117822
https://www.bundestag.de/resou
