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Forschung im Innovationsbündnis „biogeniV“: Gärreste aus Biogasanlagen sollen zu grüner Chemikalie werden

v.l.n.r. Prof. Dr. Martin Gräbner (TU BAF) Dr. Claudia Kirsten (DBFZ), Jenny Stukenbrock (CBC), Nikolaus Manolikakes (DBFZ), Dr. Felix Baitalow (TU BAF), Dr. Markus Piechotka (mele)  Quelle: Anne Zschächner
v.l.n.r. Prof. Dr. Martin Gräbner (TU BAF) Dr. Claudia Kirsten (DBFZ), Jenny Stukenbrock (CBC), Nikolaus Manolikakes (DBFZ), Dr. Felix Baitalow (TU BAF), Dr. Markus Piechotka (mele) Quelle: Anne Zschächner
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Mit der Förderzusage des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und
Raumfahrt (BMFTR) sind im Rahmen des Programms „WIR! – Innovation und
Strukturwandel“ zwei zukunftsweisende Forschungsprojekte zur nachhaltigen
Nutzung biogener Reststoffe gestartet. Das Projekt „Reststofftrocknung“
unter Koordination des Deutschen Biomasseforschungs-zentrums (DBFZ) mit
einer Fördersumme von knapp 514.000 € erhielt seine Zuwendung zum 1.
August 2025. Das eng verknüpfte Projekt „Reststoffvergasung“ unter Leitung
der TU Bergakademie Freiberg erhielt zum 1. September 2025 seine Zuwendung
mit einer Fördersumme von knapp 1.300.000 €.



Beide Forschungsvorhaben sind Teil des Innovationsbündnisses biogeniV und
verfolgen das gemeinsame Ziel, bislang kaum oder ineffizient genutzte
biogene Reststoffe, wie bsw. Gärreste aus regionalen Biogasanlagen, in
hochwertige chemische Energieträger wie grünes Methanol zu überführen. Das
Projektkonsortium des Teil-Projekts „Reststofftrocknung - Analyse von
Verfahren zur Aufbereitung von biogenen Reststoffen für eine
weiterführende thermo-chemische Nutzung“ unter Leitung des DBFZ entwickelt
gemeinsam mit der Cosun Beet Company Anklam (CBC) und der mele
Energietechnik (mele), vor diesem Hintergrund Verfahren zur
energieeffizienten Entwässerung, Trocknung und Verdichtung der anfallenden
Gärreste hin zu qualitativ hochwertigen Produkten. „Durch die Mischung der
Gärreste mit regional anfallenden Reststoffen wie Straßenbegleitholz,
Landschaftspflegematierial oder industriellen Reststoffströme können
gezielt chemische und energiespezifische Eigenschaften beeinflusst und
verändert werden. Zudem entsteht ein homogenes, lager-, dosier- und
förderfähiges Produkt, was optimal in einer Gasifizierung eingesetzt
werden kann.“, erklärt Projektleiterin Dr. Claudia Kirsten, vom DBFZ, die
zusammen mit ihrem Team an der effizienten Aufbereitung und Nutzbarmachung
der Reststoffe forscht.

Beim Projektpartner, der Technischen Universität Freiberg (TU BAF), stehen
verschiedene Anlagen zur Gasifizierung der neu entwickelten Brennstoffe
zur Verfügung. Für die Aufbereitung des entstehenden Synthesegases zu
grünem Methanol nutzen Wissenschaftler:innen um Prof. Dr. Martin Gräbner
von der TU Bergakademie Freiberg gemeinsam mit der Hochschule Stralsund
und der Cosun Beet Company Anklam eine passende Anlage zur
Methanolsynthese. Durch die Kopplung der Prozesse Reststoffveredelung,
Gasifizierung und Methanolerzeugung vom wässrigen Gärrest als Reststoff
hin zum grünen Methanol, soll nach dem Wunsch der beteiligten
Projektpartner ein optimales Nutzungskonzept von Energie- und Stoffströmen
entwickelt werden – inklusive der Einbindung von Abwärme und grünem
Wasserstoff.

Grünes Methanol gilt als vielversprechender Kraftstoff der Zukunft,
insbesondere für die Schifffahrt. In Mecklenburg-Vorpommern entstehen
derzeit mehrere Initiativen zur Herstellung von grünem Methanol. “Biogene
Reststoffe werden zukünftig eine zentrale Rolle spielen, da geringere
Herstellungskosten erwartet werden als beispielsweise bei strombasiertem
grünem Methanol aus Wasserstoff und CO2. Wir sind gespannt auf die
Ergebnisse dieser Projekte und sehen das große Potenzial zur Herstellung
grünen Methanols in unserer Region“, so Daniel Fink, Produktionsleiter für
Bioenergie bei der Cosun Beet Company in Anklam. Insbesondere die Region
mit ihrer Nähe zur Ostsee und den Binnenschiffrouten kann sich damit zu
einer Modellregion für neue, nachhaltige Wertschöpfungsketten basierend
auf grünem Methanol entwickeln.

Bündnis „biogeniV“
Zusammen mit der Hansestadt Anklam, der Cosun Beet Company (Zuckerfabrik
Anklam) als einer der größten Verarbeiter von landwirtschaftlichen
Kulturpflanzen in der Region und dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung
und Technologie (INP) wurde mit dem Innovationsbündnis „biogeniV“ ein
Netzwerk von aktuell 26 Partnern sowie weiteren Akteuren mit gemeinsamen
Entwicklungszielen aufgebaut. biogeniV verbindet renommierte
Forschungseinrichtungen mit Verarbeitern von landwirt-schaftlichen
Produkten und Biogaserzeugern sowie Technologieentwicklern und -anbietern.

Weitere Informationen:
https://www.biogeniv.de/start
https://www.innovation-
strukturwandel.de/strukturwandel/de/programm/wir_/wir_.html