KI verändert Jobprofile – nicht Beschäftigung
Eine neue empirische Studie des Kiel Instituts zeigt: Künstliche
Intelligenz vernichtet keine Arbeitsplätze, sie verändert sie. Firmen mit
starker KI-Nutzung stellen häufiger Fachkräfte ein, während einfache
Büroaufgaben zurückgehen. Sprachmodellierung und Spracherkennung durch KI
haben einen besonders starken positiven Einfluss auf die Beschäftigung –
es entstehen neue Jobs mit höheren Anforderungen.
Dagegen wirkt sich KI in
den Bereichen Bilderkennung und Übersetzung insbesondere auf Büro- und
Verwaltungsberufe negativ aus und kann vorhandene Stellen ersetzen. Unter
dem Strich bleibt durch KI die Gesamtbeschäftigung stabil – aber der
Qualifikationsdruck steigt.
Das Forschungsteam aus Dänemark, Portugal, Schweden und Deutschland hat
für seine Analyse ein neuartiges Messinstrument entwickelt, das den
Fortschritt von KI-Technologien auf Teilbereiche und Berufsgruppen
herunterbricht. Damit werden dann Beschäftigungseffekte untersucht,
basierend auf anonymisierten Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Daten aus Dänemark,
Portugal und Schweden im Zeitraum 2010 bis 2023.
Jetzt Analyse lesen: Who is afraid of AI? Who should be?
(https://www.kielinstitut.de/d
should-be-19436/
Die Autoren erfassen den Fortschritt künstlicher Intelligenz in neun
Teilbereichen – von Sprachverarbeitung und Textgenerierung über
Bilderkennung bis zu Entscheidungs- und Empfehlungssystemen. Die
technologischen Fortschritte werden Berufsgruppen zugeordnet, deren
Aufgaben besonders eng damit verknüpft sind.
Die wesentlichen Erkenntnisse sind:
• In den letzten zwei Jahrzehnten gab es enorme Fortschritte in der
KI, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den verschiedenen
Technologien. Die KI im Bereich Video und Strategie verbesserte sich am
stärksten, während die KI im Bereich Übersetzung die langsamsten
Fortschritte verzeichnet.
• KI hatte trotz der großen Fortschritte in den letzten zehn Jahren
kaum oder gar keine Folgen für das Beschäftigungsniveau insgesamt.
Allerdings haben die verschiedenen KI-Technologien unterschiedliche
Auswirkungen.
• Nicht alle Berufe sind gleichermaßen mit KI konfrontiert.
Tätigkeiten in der Datenanalyse, Softwareentwicklung und Übersetzung
gehören zu den am stärksten der KI ausgesetzten Berufsgruppen, da sie
hochkognitive Tätigkeiten mit relativ geringem sozialen Kontakt ausüben.
Arbeiter und Pflegepersonal hingegen üben Berufe aus, die körperliche
Kraft erfordern oder intensiven zwischenmenschlichen Kontakt beinhalten,
sodass sie zu den Berufsgruppen zählen, die am wenigsten mit KI zu tun
haben.
• Aber mit KI zu arbeiten, bedeutet nicht zwangsläufig, dass
Arbeitsplätze gefährdet sind. KI kann Arbeitsplätze unterstützen – oder
sie ersetzen.
• KI in den Bereichen Übersetzung und Textbearbeitung wirkt sich im
Verwaltungs- und Bürobereich in erster Linie negativ auf Berufe mit
mittleren und in geringerem Maße auch auf Berufe mit hohen
Qualifikationsanforderungen aus. Büroarbeiten, Assistenzfunktionen oder
Callcenter können teilweise verschwinden, da das Verfassen von Texten, die
Dokumentation und die Informationsbeschaffung zunehmend automatisiert
werden.
• Allgemeine KI, die auf Sprachmodellen basiert – wie ChatGPT oder
Gemini – oder Textarbeit übernimmt – wie KI-Tutoren oder Chatbots – hat im
Allgemeinen positive Auswirkungen auf die Beschäftigung in allen Berufen,
insbesondere aber in der Produktion und auf Führungskräfte. KI übernimmt
mühsame „Papierarbeit” und ermöglicht es den Angestellten, sich auf die
sozialen oder physischen Komponenten ihrer Arbeit zu konzentrieren. Die
Zahl der Einstellungen steigt, aber auch die Anforderungen an die
erforderliche Qualifikation. In eher einfachen Verwaltungs- und
Büroberufen kann ein größerer Teil der Aufgaben durch diese Art von KI
ersetzt werden.
• Körperliche Arbeit in Produktion und Handwerk ändert sich durch KI
kaum. Die Studie findet keine systematische Beschäftigungswirkung. In der
Prozessüberwachung oder Maschinenbedienung kann es aber zum Einsatz von KI
und damit zu einer Anpassung der Jobprofile kommen.
„Höhere KI-Exposition hat keinen messbaren Effekt auf die
Gesamtbeschäftigung, verlangt aber systematisch nach einer
Höherqualifizierung“, sagt Holger Görg (https://www.kielinstitut.de/d
/expertinnen-und-experten/holg
Institut und Mitautor der Studie. „Routineaufgaben verschwinden, während
neue Rollen entstehen, die Analyse, Kommunikation und technisches
Verständnis erfordern. Vor allem wissensintensive Firmen erhöhen nach
unserer Beobachtung durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz über die
Zeit ihren Anteil hochqualifizierter Beschäftigter.“
Für Politik und Wirtschaft bedeutet das laut den Autorinnen und Autoren:
Weiterbildung und Umschulung müssen gezielter werden. „Indem wir KI in
ihre Teilbereiche zerlegen, wird sichtbar, welche Technologien welche
Berufe verändern – Sprach-KI die Verwaltung, visuelle KI die Technik,
Entscheidungs-KI das Management“, sagt Görg. „Damit schaffen wir eine
Grundlage für gezielte Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.“
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