Bei Eis und Schnee kein Fahrrad: Orthopäden und Unfallchirurgen raten dringend ab
Das Winterwetter hält an und die Notaufnahmen bleiben voll. Orthopäden und
Unfallchirurgen versorgen weiterhin zahlreiche Verletzte nach
Glatteisunfällen. Besondere Sorge bereitet ihnen, dass viele Menschen auch
bei Eis und Schnee mit dem Fahrrad unterwegs sind. Doch genau das ist
hochriskant: Bei solchen Wetterlagen rät die Deutsche Gesellschaft für
Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) dringend dazu, das Fahrrad stehen zu
lassen.
Prof. Dr. Frank Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU):
„Bei Wetterlagen wie heute mit vielerorts Panzereis oder sehr hohem Schnee
ist das Fahrrad kein sicheres Verkehrsmittel. Unter diesen Bedingungen
sollte das Rad stehen bleiben. Das Risiko zu stürzen ist deutlich erhöht –
selbst für geübte Radfahrende.“
Prof. Dr. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für
Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): „Im Winter ist nicht nur das
Radfahren selbst gefährlicher – auch die Situation für Autofahrende ist
erschwert. Schnee und Eis auf Scheiben sowie Schneefall führen oft zu
eingeschränkter Sicht. Wenn Radfahrende dann unerwartet rutschen oder
stürzen, können Autofahrende häufig nicht rechtzeitig reagieren. So
entsteht eine gefährliche Kombination aus schlechter Sicht und instabiler
Fahrdynamik, die Fahrradfahrende gefährden kann.“
Privatdozent Dr. Christopher Spering, Leiter der Sektion Prävention der
Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU):
„Radfahrende gehören selbstverständlich zum Straßenverkehr. Unter
winterlichen Bedingungen werden sie jedoch für andere Verkehrsteilnehmende
schwerer einschätzbar und schlechter sichtbar. Das macht sie nicht zum
Problem, sondern zur besonders schutzbedürftigen Gruppe. Um sich selbst
und andere nicht zu gefährden, ist es an Tagen mit Glätte und Schneefall
verantwortungsvoll, auf das Fahrrad zu verzichten. Denn die Zunahme von
Stürzen im Winter hat klare Ursachen: Glatte Fahrbahnen führen dazu, dass
Reifen leichter wegrutschen und das Gleichgewicht verloren geht.
Gleichzeitig verlängert sich der Bremsweg deutlich. Schon kleine
Lenkbewegungen oder Ausweichmanöver können dann zum Sturz führen.“
Privatdozent Dr. Michael Zyskowski, Oberarzt Klinik und Poliklinik für
Unfallchirurgie, TUM Klinikum Rechts der Isar:
„Wir beobachten in unserer Klinik, dass sich Fahrradunfälle im Winter im
Vergleich zu den Vorjahren häufen. Ein möglicher Grund ist, dass immer
mehr Menschen das Fahrrad ganzjährig nutzen – vor allem für den
Arbeitsweg. Diese gesellschaftliche Entwicklung ist grundsätzlich positiv,
bringt im Winter aber neue Unfallrisiken mit sich.“
Und solange die Rutschgefahr noch nicht gebannt ist, rät die DGOU
Fußgängern nach wie vor zum Pinguin-Gang (Schaubild) und beim anhaltenden
Schneefall zu besonderen Verhaltensweisen beim Schneeräumen (Schaubild).
