Gefährliche Pilzinfektionen – Leibniz-Institut DSMZ liefert Grundlage zu deren Erforschung
Das Leibniz-Institut DSMZ stellt Forschenden Pilze der WHO-Liste zur
Verfügung
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH in Braunschweig stellt der internationalen
Forschungsgemeinschaft pathogene Pilze zur Verfügung, die auf der WHO
fungal priority pathogens list der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
geführt werden.
Diese Pilze stellen aufgrund Resistenzen gegenüber
gängigen Medikamenten zur Behandlung von Pilzinfektionen (Antimykotika)
eine wachsende Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar und stehen im
Fokus der globalen Suche nach neuen therapeutischen Ansätzen. Vor diesem
Hintergrund hat die DSMZ aus ihren Sammlungen Pathogene Bakterien sowie
Pilze und Hefen Vertreter aller drei WHO-Prioritätsgruppen
zusammengestellt (https://www.dsmz.de/collectio
/special-groups-of-organisms/
ausgewählte Stämme in ersten Bioassays gegenüber gängigen Antimykotika
getestet.
Zunehmende Pilzresistenzen als globale Herausforderung
Invasive Pilzinfektionen nehmen weltweit zu, insbesondere bei
immungeschwächten Personen. Gleichzeitig treten Pilzinfektionen zunehmend
als Mischinfektionen mit Bakterien und Viren oder als Sekundärinfektionen
auf, etwa während der SARS-CoV-2-Pandemie. „Pilzinfektionen werden in
ihrer Bedeutung häufig unterschätzt oder zu spät erkannt, obwohl sie mit
hoher Morbidität und Mortalität einhergehen können“, erläutert Dr. Sabine
Gronow, Kuratorin der DSMZ-Sammlung Pathogene Bakterien. „Die WHO-Liste
macht deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.“, so
Doktorin Gronow weiter.
Pilzisolate für Forschung und Entwicklung
Die jetzt von der DSMZ zusammengestellten Pilzstämme repräsentieren genau
jene Erreger, die in der medizinischen Praxis zunehmend Probleme bereiten.
Besonders bei Hefen ist dies eine immense Herausforderung: Viele Arten
sehen sich unter dem Mikroskop sehr ähnlich, können sich aber in ihren
Eigenschaften deutlich unterscheiden – etwa darin, ob sie gegenüber
bestimmten Medikamenten wirksam behandelt werden können oder nicht -
Resistenzen gegenüber Antimykotika. Neben der taxonomischen Einordnung
wurden ausgewählte Isolate gegenüber verschiedenen Fungiziden getestet, um
erste Hinweise auf ihre Empfindlichkeit beziehungsweise Resistenz zu
erhalten. Diese Daten werden gemeinsam mit den Stämmen der internationalen
Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt. „Unsere Sammlung von Pilzen
und Hefen verfügt über eine lange Expertise im Umgang mit humanpathogenen
Pilzen“, betont Dr. Andrey Yurkov, Kurator der Sammlung und taxonomischer
Experte für Hefen. Diese umfasst insbesondere ausgewiesene Kompetenzen in
Taxonomie, Systematik und der Einstufung in Risikogruppen und bildet damit
eine zentrale Grundlage, um relevante Erreger gezielt für Forschung,
Diagnostik und Wirkstoffentwicklung bereitzustellen“, so Dr. Yurkov
weiter.
Beitrag der DSMZ zur globalen Gesundheitsforschung
„Mit der Bereitstellung WHO-priorisierter Pilzpathogene leistet das
Leibniz-Institut DSMZ einen wichtigen Beitrag zur internationalen
Infektions- und Wirkstoffforschung. Wie bereits bei den bakteriellen
Prioritätserregern ist die DSMZ auch hier auf neue Hinterlegungen aus dem
klinischen Bereich angewiesen, um aktuelle Entwicklungen bei Pathogenität
und Resistenzlage abbilden zu können“ fasst Prof. Dr. Yvonne Mast,
Leiterin der Abteilung Bioressourcen für Bioökonomie und
Gesundheitsforschung, abschließend zusammen. Eine Übersicht der bei der
DSMZ verfügbaren Pilzstämme der WHO fungal priority pathogens list ist
online unter www.dsmz.de abrufbar.
DSMZ-Pressekontakt
PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-
Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Tel.: 0531/2616-300
E-Mail:
Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische
Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen,
Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische
Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen
gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-
Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen
Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für
Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig
anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr.
511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 92.500 Bioressourcen und hat fast 230
Beschäftigte. www.dsmz.de
Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den
übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten
wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte
Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im
Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und
informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-
Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der
Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In-
und Ausland. Die Leibniz-Institute unterliegen einem transparenten und
unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen
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gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen,
darunter 12.170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das
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