Würzburger Startup KLAO will Leichter Sprache zum Durchbruch verhelfen
Öffentliche Einrichtungen müssen ihre Informationen in Leichter Sprache
anbieten. Unterstützung dabei bekommen sie vom Startup KLAO, das eine KI-
Lösung zum Übersetzen großer Textmengen in Leichte Sprache und für mehr
Inklusion entwickelt hat.
Webseiten von Behörden, Mitteilungen der Bank oder Briefe von der
Versicherung sind bisweilen kompliziert geschrieben. Und zwar so
kompliziert, dass selbst gut gebildete Menschen mit Deutsch als
Muttersprache den Inhalt schwer oder gar nicht verstehen.
Wie muss es da erst den sechs Millionen Menschen in Deutschland gehen, die
dringend auf eine leicht verständliche Sprache angewiesen sind? Menschen
zum Beispiel, die Deutsch als Fremdsprache lernen, die kognitiv
eingeschränkt sind oder Lernschwierigkeiten haben.
Um die Inklusion dieser Gruppen zu ermöglichen, hat der Gesetzgeber in den
vergangenen Jahren schrittweise Vorgaben erlassen: Diese verpflichten
öffentliche Einrichtungen und Unternehmen dazu, die sogenannte Leichte
oder Einfache Sprache zu verwenden.
Leichte Sprache wird nur selten angeboten
Die Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form des Deutschen mit kurzen
Sätzen und einfachen Wörtern. Ihre Regeln sind seit 2025 in der Norm DIN
SPEC 33429 beschrieben.
Wie Leichte Sprache aussieht? Hier ein Übersetzungsbeispiel aus dem
Wetterbericht: „Die Witterungsbedingungen werden sich im Laufe des Tages
verschlechtern; es ist mit starken Windböen und Niederschlägen zu
rechnen.“ Vereinfacht ausgedrückt:
„Das Wetter wird heute schlechter.
Es wird viel Wind geben.
Und es wird regnen.“
Klingt nicht so schwer. Aber: „Trotz der gesetzlichen Verpflichtung bieten
gut 90 Prozent der öffentlichen Einrichtungen keine Informationen in
Leichter Sprache an“, sagt der Würzburger Sonderpädagoge Fabian Schlausch.
Um hier für Fortschritt zu sorgen, treibt er seit dem Jahr 2024 das
Startup KLAO („Klare Automation“) voran.
Menschen mit Lernschwierigkeiten arbeiten mit
Das Würzburger Startup unterstützt öffentliche Einrichtungen dabei, Texte
effizient in zertifizierte, regelkonforme Leichte Sprache zu übersetzen.
Dafür hat es eine KI-Software entwickelt.
Laut Fabian Schlausch schließt KLAO eine Lücke: „Wer umfangreiche Texte in
Leichter Sprache braucht, kann das bislang von Agenturen erledigen lassen,
was sehr teuer ist. Oder er verwendet gängige KI-Tools. Dann aber gibt es
am Ende meistens Ergebnisse, die weder DIN-konform noch zufriedenstellend
sind“, sagt der Gründer.
Sein Startup hat noch eine Besonderheit zu bieten, denn es setzt auf
soziale Inklusion: „Menschen mit Lernschwierigkeiten prüfen und
zertifizieren die Texte gemeinsam mit uns.“ Erst dadurch werde eine
vollständige DIN-Konformität gewährleistet.
Fachwissen auf drei Gebieten vereint
Um sein Startup voranzutreiben, hat der Sonderpädagoge ein
interdisziplinäres Team zusammengestellt. Es besitzt Expertise in
Sonderpädagogik, KI und Marketing:
Fabian Schlausch (CEO) ist Sonderpädagoge (Universität Würzburg) und
verantwortlich für Strategie, Vertrieb und Kooperationen.
Abdullah Abdelrazek (CTO) entwickelt die KI-Architektur von KLAO. Er
bringt durch seinen Master in Künstlicher Intelligenz (Technische
Hochschule Würzburg-Schweinfurt) Erfahrung in der Softwareentwicklung mit.
Svenja Fischer (CMO) ist Markenstrategin mit einem Master in Marken- und
Medienmanagement (Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt). Sie steuert
Marketing, Kommunikation und operative Prozesse.
Raphael Schrauth ist Sonderpädagoge (Universität Würzburg) und
zertifizierter Übersetzer für Leichte Sprache.
Die Webseite des Startups: www.klao.eu
Gründungsstipendium aus dem exist-Programm
Das KLAO-Team erhält derzeit drei exist-Gründungsstipendien des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, ko-finanziert vom
Europäischen Sozialfonds: Zwölf Monate lang wird es finanziell gefördert,
um mit Unterstützung der Universität Würzburg seinen Businessplan
auszuarbeiten und sich auf den Markteintritt vorzubereiten.
Verwaltet wird das exist-Projekt an der Universität vom Lehrstuhl für
Pädagogik bei Sehbeeinträchtigungen einschließlich inklusiver Pädagogik.
Dessen Leiter, Professor Dino Capovilla, steht dem Team als Mentor zur
Seite.
Wie das Startup entstanden ist
Die Idee für KLAO entstand, als Fabian Schlausch noch Student der
Sonderpädagogik war. Er arbeitete als Hilfskraft in einem
Forschungsprojekt über digitale Barrierefreiheit mit. „Dabei kam das Thema
Leichte Sprache immer wieder auf – verbunden mit der Frage, wie sich große
Textmengen zuverlässig in Leichte Sprache übersetzen lassen“, erzählt der
Gründer.
Dann kam ChatGPT auf den Markt. Das war für den Studenten ein Impuls: Er
fing damit an, selbst eine KI für Leichte Sprache zu bauen und zu testen.
Dieses Projekt verfolgte er nach dem Abschluss seines Studiums weiter,
parallel zu seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der
Sonderpädagogik.
Gut betreut von der Gründungsberatung der Uni
Die Ergebnisse erschienen ihm vielversprechend. Darum suchte er frühzeitig
Unterstützung – unter anderem bei der Gründungsberatung der Universität am
Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT). „Dort wurde ich
sehr gut betreut, besonders auch bei der exist-Antragstellung“, sagt er.
Das SFT steht allen gründungswilligen Studierenden, Beschäftigten und
Alumni zur Seite. Es arbeitet sämtliche exist-Anträge gemeinsam mit den
Antragstellenden aus und ist gegenüber den Geldgebern für den
Projekterfolg verantwortlich.
Die nächsten Ziele des Startups
Das exist-Stipendium endet im August 2026. Bis dahin möchte das Team neue
Finanzierungsquellen erschließen und möglichst viele weitere Kunden
gewinnen. Aktuell unterhält KLAO Geschäftskontakte mit mehreren
öffentlichen Verwaltungen, darunter die Stadt Würzburg und das Landratsamt
Fürstenfeldbruck.
