Cyberagentur: Strategie 2026–2030 setzt neuen Maßstab
Strategie 2026–2030 setzt neuen MaßstabCyberagentur schärft ihren Auftrag: Denkfabrik, Transfermotor und
Forschungstiefe auf TRL 5/6Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) legt
ihre neue Strategie für 2026 bis 2030 vor.
Sie erweitert ihren Auftrag
deutlich: eine gestärkte Rolle als staatliche Denkfabrik, verbindlicher
Wissenstransfer, ein innovationsfreundliches Ökosystem und tiefere
technologische Forschung bis TRL 5 und 6, wo dies programmatisch notwendig
ist. Die Strategie reagiert auf sicherheitspolitische Veränderungen – und
schafft zugleich vorausschauende Grundlagen für die Cybersicherheit von
übermorgen.
Die Cyberagentur hat ihre Strategie für die Jahre 2026 bis 2030
vorgestellt. Gegenüber der strategischen Ausrichtung für 2022–2025 setzt
die neue Fassung deutlich erweiterte Schwerpunkte. Sie stärkt sowohl die
Rolle der Agentur innerhalb der nationalen Sicherheitsarchitektur als auch
ihre operative Fähigkeit, disruptive Forschung zu initiieren, zu bewerten
sowie diese zu neuen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Ein wesentliches Merkmal der neuen Strategie ist die deutliche Ausweitung
der technologischen Tiefe. Künftig können Forschungsarbeiten – sofern es
die Programmlogik erfordert – bis zu den Technologiereifegraden TRL 5 und
6 finanziert werden. Dadurch lassen sich vielversprechende Ansätze unter
realitätsnahen Bedingungen testen, bewerten und zielgerichtet auf ihre
Einsatzfähigkeit für staatliche Akteure prüfen.
Darüber hinaus legt die Cyberagentur einen deutlich stärkeren Fokus auf
die Dual-Use-Orientierung ihrer Forschungsfragen. Technologien mit
doppeltem Verwendungsnutzen – zivil wie militärisch – werden gezielt
adressiert, um ressortübergreifende Synergien herzustellen und die
gesamtstaatliche Sicherheitsarchitektur effizienter zu unterstützen. Diese
Ausrichtung stärkt den strategischen Wert der Programme und erhöht die
Anschlussfähigkeit der Ergebnisse sowohl für die Innere als auch die
Äußere Sicherheit.
Parallel schärft die Cyberagentur ihren Auftrag als staatliche Denkfabrik.
Sie analysiert technologische Entwicklungen, ordnet sicherheitspolitische
Trends ein und liefert evidenzbasierte Empfehlungen für Politik und
Behörden. Der Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse wird dabei
ausdrücklich als verbindlicher Bestandteil des Auftrags definiert:
Forschung soll in konkrete Fähigkeiten, Strukturen und
Entscheidungsprozesse einfließen.
Eine zusätzliche strategische Neuerung besteht im Fokus auf
vertrauenswürdige technische Wertschöpfungsketten. Dieser
Schwerpunktbereich, der für Deutschlands technologische und
sicherheitspolitische Autonomie hochrelevant ist, wird künftig im
Projektbüro Dresden verantwortet. Damit wird er organisatorisch sichtbar
verankert und als langfristige Säule der Cyberagentur ausgebaut. Die
regionale Ansiedlung stärkt zugleich die Vernetzung mit
Forschungsclustern, Industriepartnern und Hochschulen im Raum Sachsen –
einem der dynamischsten Standorte für Halbleiter- und
Sicherheitstechnologien in Europa.
Die Strategie benennt u.a. diese zentralen Schwerpunkte, die den Auftrag
der Cyberagentur für die kommenden Jahre definieren:
1. Erweiterte Forschungstiefe bis TRL 5/6:
Forschungsvorhaben können bei Bedarf bis zu höheren Technologiereifegraden
unterstützt werden, um realitätsnahe Validierungen und belastbare
Bewertungen zu ermöglichen.
2. Klare Positionierung als staatliche Denkfabrik:
Die Cyberagentur stärkt ihren Beratungsauftrag und übersetzt
technologische Erkenntnisse in strategische Handlungsempfehlungen.
3. Systematischer Wissenstransfer in staatliche Strukturen:
Neue Plattformen, Transfermechanismen und strukturierte Erkenntnisketten
sorgen dafür, dass Forschung direkt in operative Fähigkeiten einfließt.
4. Dual-Use-Orientierung als Leitprinzip:
Forschungsfragen werden gezielt so entwickelt, dass sie sowohl zivile als
auch militärische Anwendungen adressieren und ressortübergreifende
Synergien erzeugen.
5. Ausbau der Evaluations- und Testfähigkeit:
Mit eigener Validierungsumgebung und unabhängigen Prüfinstrumenten kann
die Cyberagentur technologische Ansätze und Demonstratoren unabhängig
evaluieren..
6. Trend- und Szenarioanalyse als Zukunftsforschung:
Durch erweiterte vorausschauende Analysekompetenzen erkennt die Agentur
disruptive Entwicklungen frühzeitig und berät staatliche Akteure
strategisch.
7. Fokus auf vertrauenswürdige Wertschöpfungsketten und
Schlüsseltechnologien:
Schwerpunkte in Kryptologie, KI-Robustheit, Quantentechnologien,
resilienten Lieferketten und vertrauenswürdigen IT-Architekturen stärken
langfristig die technologische Souveränität.
8. Aufbau eines innovationsfreundlichen Ökosystems:
Die Cyberagentur stärkt ihre Rolle als Vernetzerin und gestaltet ein
interdisziplinäres Ökosystem aus Wissenschaft, Wirtschaft, Behörden und
internationalen Partnern, um Forschung, Entwicklung und Transfer wirksam
zu verbinden.
„Mit dieser Strategie reagieren wir nicht nur auf die
sicherheitspolitischen und technologischen Veränderungen der letzten
Jahre“, ordnet Forschungsdirektor Prof. Dr. Christian Hummert die
strategische Weiterentwicklung ein. „Wir denken bewusst weiter voraus,
weil die Cybersicherheit von morgen nicht aus der Perspektive von heute
gestaltet werden kann. Unsere Aufgabe ist es, frühzeitig zu erkennen, was
in Zukunft relevant wird – und die Voraussetzungen zu schaffen, damit der
Staat handlungsfähig bleibt. Nur wenn wir mutige Forschung, präzise
Bewertung, strukturierten Transfer und vorausschauende Politikberatung
miteinander verbinden, können wir auch künftig ein kompetenter Partner für
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und unsere europäischen
Partnerorganisationen sein.“
Die Cyberagentur definiert mit der Strategie 2026–2030 ihren Auftrag
umfassender und vorausschauender als zuvor. Sie versteht sich nicht mehr
allein als Projektträgerin, sondern als integrierter Akteur der
gesamtstaatlichen Sicherheitsarchitektur – mit klaren Rollen in Forschung,
Bewertung, Transfer und strategischer Beratung. Damit leistet sie einen
substanziellen Beitrag zur technologischen Souveränität Deutschlands in
einer zunehmend komplexen und dynamischen Bedrohungslandschaft.
