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Agroforst-Brot und Getreidestroh-Bäckertüte: eine beispielhafte regionale Wertschöpfungskette in der Lausitz

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Seit dem Herbst 2025 – und nur für eine begrenzte Zeit – ist erneut das
Agroforst-Brot aus der Lausitz erhältlich. Es wird zu 80 Prozent aus Mehl
des Champagnerroggens aus der Agroforstwirtschaft von Landwirt Thomas
Domin gebacken. Dieses Mal geht das Brot verpackt in Bäckertüten aus
Getreidestroh über die Ladentheke. Zu kaufen gibt es das Brot in den
Bäcker Wahn-Filialen in der Lausitz und im Spreewald sowie im Hofladen des
Landwirtschaftsbetriebes Domin.



Am Freitag, den 30. Januar 2026, gibt es in der Bäcker Wahn-Filiale Alfred
in Vetschau / Spreewald zwischen 10 und 17 Uhr die Möglichkeit, beide
Produkte aus der Agroforst-Landwirtschaft kennenzulernen und sich über
deren Herstellungsprozess genauer zu informieren. Sabine Blossey und Jana
Richter-Reichhelm vom brandenburgischen Ministerium für Land- und
Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) kündigten ihren
Besuch zum Start der Aktion an, um sich mit den beteiligten Praxispartnern
und Wissenschaftlern über diese sowie weitere zukünftige Vorhaben
auszutauschen.

Im Rahmen der Vermarktungsaktion „…besser mit Bäumen!“ informiert das
Projektteam von AgroWert-Regio des WIR!-Bündnisses Land-Innovation-Lausitz
über Agroforstwirtschaft – eine Kombination aus Landwirtschaft und
Gehölzen – und stellt die dort produzierten Produkte vor. „Das Projekt
AgroWert-Regio war ein Verbundprojekt des Deutschen Fachverband für
Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF), der Hochschule für Nachhaltige
Entwicklung Eberswalde (HNEE), des Spreewaldvereines e.V. sowie der
Praxispartner Bäckerei Wahn und Landwirtschaftsbetrieb Domin. Das Projekt
fand bis Ende Dezember 2025 im Rahmen des Forschungsbündnisses Land-
Innovation-Lausitz (LIL) statt. Es beschäftigte sich mit den ökonomischen
Perspektiven von Agroforstsystemen, konkret der Inwertsetzung von
Agroforst-Produkten“ erläutert Ruben Weber, ehemaliger Leiter des
Projektes beim DeFAF. Agroforstsysteme schützen nicht nur den Boden vor
Winderosion und Austrocknung, sondern schaffen auch Lebensräume für mehr
Insekten und Vögel und binden durch die Gehölzstreifen zudem
Kohlenstoffdioxid (CO₂) als aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

Anlass für die zweite Agroforst-Brot-Kampagne war der bundesweite
Aktionstag zum Klimawandel in historischen Gärten und Parks, der Ende
September 2025 auf dem Gelände der Baumuniversität in Branitz stattfand.
Anfang Oktober fand hierzu das dritte Treffen der Vermarktungsinitiative
für Agroforstprodukte aus der Lausitz statt, um aktuelle und potenzielle
Vermarktungswege und -formate für Agroforst-Produkte in der Lausitz und
darüber hinaus zu diskutieren.

Der Roggen für das Agroforst-Brot stammt vom Betrieb von Thomas Domin,
Landwirt und Agroforst-Pionier in Peickwitz bei Senftenberg
(Niederlausitz). Nach der erfolgreichen ersten Vermarktung 2024 erweiterte
Domin die Anbaufläche für den Champagnerroggen für die diesmalige Aktion
noch einmal: „Diese Roggensorte kann mit unseren eher trockenen Sandböden
ganz gut umgehen, ist sehr auswuchsfest und backtauglich. Durch die aktive
Nutzung kann so zusätzlich für den Erhalt der gefährdeten Sorte gesorgt
werden“ erklärt der Landwirt begeistert.

Philipp Fumfahr, Geschäftsführer der Bäcker Wahn Filialen, entwickelte das
Agroforstbrot aus dem Agroforstmehl und stellt das Rezept auf Anfrage
bereit. „Gereinigt und gemahlen wird das Getreide von einem
Traditionsunternehmen der Region – der Schälmühle der Gebrüder Kümmel mit
den Standorten in Vetschau und Burg/Spreewald – bevor es bei uns
verarbeitet wird“ ergänzt Fumfahr. Somit finden alle Produktionsvorgänge
vom Anbau über Verarbeitung und Veredlung bis hin zur Vermarktung ganz
regional in einem Radius von nur etwa 45 Kilometern statt.

Ein weiteres Highlight während dieser Verkaufsaktion ist die Brottüte, die
im Rahmen des LIL-Projektes MEFAP entwickelt wurde. „In diesem Projekt
ging es um die möglichst ganzheitlich-stoffliche Verwertung von Rohfaser
und Rohprotein klimaresilienter Fruchtarten über selektive Ernte- und
Aufbereitungsverfahren in ressourcenschonenden Farming-Systemen. Damit ist
gemeint, dass die verschiedenen Bestandteile einer Fruchtart
unterschiedlich verwertet werden: zum Beispiel das Getreide für Brot und
die Fasern aus dem Getreidestroh für Zellstoff und dann Papier, Luzerne
und Mais für die Kühe zur Milchgewinnung, die Nebenströme für Biogas und
Lignin und die Wurzelmasse der Ackerkulturen für Humusaufbau“, so Dr.
Klaus Gutser, MEFAP-Projektleiter am Leibniz-Zentrum für
Agrarlandschaftsforschung (ZALF).

Bäckertütenpapier wird normalerweise aus hochwertigem Frischfaser-Holz-
Zellstoff hergestellt. „Die Agroforst-Brottüte besteht zu 85 Prozent aus
Fibers365 Getreidestroh-Faserstoff, der aus regionalen Ernte-
Nebenprodukten erzeugt wird und nurmehr zu 15 Prozent aus Nadelholz-
Zellstoff.“, fasst Hermann Dauser zusammen. Der Geschäftsführer der
Fibers365 GmbH führt weiter aus: „Getreidestroh ist eine hervorragende
Alternative zum immer wertvoller werdenden Rohstoff Holz. Für die Premiere
wurden in Zusammenarbeit mit der PTS (Institut für Fasern & Papier gGmbH)
4.000 Tüten in einer Größe von 15 x 6,5 x 36 Zentimetern hergestellt. Die
Qualität ist so gut wie erhofft: das feste, goldgelbe 45 Gramm-Papier
überzeugte in allen technischen Belangen“.

Durch die temporäre Vermarktungsaktion erhoffen sich die LIL-Projektteams
neue Erkenntnisse über die Wahrnehmung der Verbraucherinnen und
Verbraucher, aber auch mehr Sichtbarkeit für Produkte aus
Agroforstsystemen.
Mit Blick auf die Aktion insgesamt und den wissenschaftlichen und
regionalen Kontext, in den sie eingebettet ist, merkt Luise Porst,
Koordinatorin von Land-Innovation-Lausitz am ZALF, an: „Aus
landwirtschaftlicher Sicht gehört die Lausitz nicht zu den begünstigten
Regionen. Sie ist außerdem mitten im Strukturwandel begriffen. Gerade
diese herausfordernden Ausgangsbedingungen eignen sich aber auch, um
neuartige Verfahren der Erzeugung und Verwertung von Biomasse
auszuprobieren und darauf basierend an der Entwicklung neuer
Wertschöpfungsketten zu arbeiten“.

Über die Projekte

Um die Region Lausitz zu fördern, unterstützen die Projekte
„Transdisziplinäre Mehrfachnutzung von Rohfaser und Rohprotein
klimaresilienter Fruchtarten über selektive Ernte- und
Aufbereitungsverfahren in ressourcenschonenden Farming-Systemen mit
Recycling des Stickstoffs“, kurz „LIL-MEFAP“ und „Aufbau von
Wertschöpfungsketten mit Agroforstprodukten aus der Lausitz“ kurz
„AgroWert-Regio“ die Anpassung der Bioökonomie an ein sich änderndes
Klima.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt AgroWert-Regio startete im Februar
2023 und endete Ende Dezember 2025. Es wurde vom Deutschen Fachverband für
Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. koordiniert.

Projektpartner von AgroWert-Regio:
- Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF)
(Koordination)
- Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
- Spreewaldverein e.V.
- Bäcker Wahn
- Landwirtschaftsbetrieb Domin

Das ähnlich interdisziplinär aufgestellte Projekt MEFAP startete im Januar
2023 und endete Ende des Jahres 2025. Es wurde koordiniert vom Leibniz-
Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), dessen Aufgaben die
Abschätzung der Stickstoffverwertung, des Ertrags von Stängelmaterial und
der Fruchterträge ausgewählter Nutzpflanzen; die chemische Analytik und
spektroskopische Schnellmethoden; die ökonomische und ökologische
Bewertung; sowie die Technologie und der Wissenstransfer in die
landwirtschaftliche Praxis beinhalteten.

Projektpartner von MEFAP:

- Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) (Koordination)
- Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP),
Forschungsbereich Polymermaterialien und Composite, Wildau
- TU Dresden, Institut für Pflanzen- und Holzchemie (IPHC)
- INDITRAC Maschinen- und Systementwicklung Dr. Thielicke, Halle/Saale
- Fibers 365, Lenningen

Förderhinweis:

Beide Projekte wurden im Rahmen des Forschungsbündnisses Land-Innovation-
Lausitz (LIL) durchgeführt, welches vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Programm WIR! – Wandel durch
Innovation in der Region gefördert wird. Land-Innovation-Lausitz (LIL)
wird vom ZALF und der BTU Cottbus-Senftenberg koordiniert und zielt darauf
ab, die Klimaanpassung der Landnutzung in der Lausitz mithilfe innovativer
Technologien und nachhaltiger Nutzungsformen zu stärken. Dabei sollen
Prinzipien der Bioökonomie zur Anwendung kommen, das heißt nachhaltige
Nutzung von Biomasse oder biogenen Rohstoffen zur Herstellung von
Produkten, Entwicklung von Anwendungen oder Bereitstellung von
Dienstleistungen. Das Bündnis umfasst mehr als 60 Unternehmen und
Institutionen aus Forschung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik und
Verwaltung. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Forschungs- und
Entwicklungsprojekte liegen in den Innovationsbereichen Boden, Pflanze und
Material, dem Integrationsbereich Kulturlandschaft sowie dem
Querschnittsbereich Digitalisierung und Sensortechnik. Die Projektteams
kommen jeweils aus Wissenschaft und Praxis und forschen unter anderem zu
ressourceneffizienten Anbausystemen, trockenstressresistenten
Anbaukulturen und biobasierten Kunststoffen.

Infomaterial und weiterführende Informationen:

Forschungsprojekt: Transdisziplinäre Mehrfachnutzung von Rohfaser und
Rohprotein klimaresilienter Fruchtarten über selektive Ernte- und
Aufbereitungsverfahren in ressourcenschonenden Farming-Systemen mit
Recycling des Stickstoffs“ (MEFAP): https://land-innovation-
lausitz.de/mefap/

Forschungsprojekt: Aufbau von Wertschöpfungsketten mit Agroforstprodukten
aus der Lausitz (AgroWert-Regio): https://land-innovation-lausitz.de
/agrowert-regio/