Zum Hauptinhalt springen

Leonardos Fluggeräte in der ab 4.2. neu gestalteten DaVinci@HSBI- Ausstellung in der Bielefelder „Wissenswerkstadt“

Pin It

Fallschirm, Luftschraube oder Gelenkflügel: Der Schwerpunkt der neu
gestalteten Ausstellung von DaVinci@HSBI in der „Wissenswerkstadt“ liegt
auf den von Leonardo da Vinci konstruierten Fluggeräten. Zu sehen sind
Modelle, die von Studierenden der Hochschule Bielefeld auf der Basis von
Original-Skizzen nachgebaut wurden. Anfassen und ausprobieren ausdrücklich
erwünscht! Das gilt auch für die digitalen Versionen der Exponate vor Ort.
Die neue Dauerausstellung wird am 4. Februar um 10 Uhr eröffnet.

Bielefeld (hsbi). „Vorsicht!“ Jan Rugge-Fechtelpeter steht am Geländer im
ersten Stock der Wissenswerkstatt Bielefeld und wirft ein
zusammengefaltetes Päckchen nach dem anderen in die Luft: Kleine
Fallschirme aus Papier entfalten sich schnell und trudeln langsam hinunter
in die Eingangshalle.

Die Fallschirme sind nach einer Skizze von Leonardo da Vinci entstanden,
dem wohl bedeutendsten Universalgelehrten der Renaissance. „Als Künstler
und Ingenieur war Leonardo seiner Zeit weit voraus. Er entwarf Maschinen,
die nicht selten Vorbild für heutige Konstruktionen sind“, sagt Prof. Dr.
Marc-Oliver Schierenberg, Professor für Physik und Messtechnik an der
Hochschule Bielefeld (HSBI) und Leiter des Projekts DaVinci@HSBI. Seit
mehr als 20 Jahren widmet sich das Projekt den Entwürfen Leonardos, in
Studien- und Abschlussarbeiten haben Studierende im Lauf der Zeit
zahlreiche Modelle und Maschinen auf Basis der Original-Skizzen gefertigt.
„Dahinter steckt die Idee, dass sich die Studierenden so ausprobieren und
die Schritte der ingenieurtechnischen Arbeit kennenlernen können – von der
Zeichnung über die Konstruktion bis hin zur Fertigung“, erläutert Andreas
Wollensak, stellvertretender Projektleiter und Ausstellungskurator.
Entstanden ist eine imposante Sammlung von mehr als hundert
Funktionsmodellen, die als komplette Ausstellung oder einzelne Exponate
durch Deutschland und Europa touren.

Vom Vogelflug zur Idee: „Begreifen durch Begreifen“

Ein Teil der Objekte ist als Dauerausstellung in der „Wissenswerkstadt“
Bielefeld zu sehen – mit wechselndem Schwerpunkt. Jan Rugge-Fechtelpeter,
Mitarbeiter im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, sammelt
die kleinen Fallschirme wieder ein und rückt zusammen mit Andreas
Wollensak ein großes Modell eines Flügels zurecht: „Fliegen ist unser
neues Thema“, so Wollensak. „Es war Leonardos großer Traum.“ Der Gelehrte
studierte ausgiebig den Vogelflug, konstruierte nach dem Vorbild der Natur
zahlreiche Flügel und entwickelte verschiedene Fluggeräte. Umgesetzt hat
er selbst zwar nur die wenigsten seiner Entwürfe, aber das wurde rund 500
Jahre später unter anderem im Projekt DaVinci@HSBI nachgeholt – teils fast
in Originalgröße.

Neben Flügeln und Flug-Equipment wie Wind- oder Strömungsmesser sind in
der neuen Dauerausstellung auch Modelle von Leonardos Gleiter, dem
Gelenkflügel, dem Fallschirm und der Luftschraube zu sehen. Anfassen und
ausprobieren ist dabei ausdrücklich erlaubt. „Unser Motto ist begreifen
durch begreifen“, unterstreicht Marc-Oliver Schierenberg. Bewegt man einen
hölzernen Hebel – vorsichtig, schlägt ein Flügel sanft auf und ab. „Jetzt
mit Schwung!“, ruft Andreas Wollensak und schlägt den Hebel ein paar mal
kräftig nach unten. „Sonst spürt man den Luftwiderstand ja nicht“, erklärt
er mit einem nachsichtigen Grinsen. „Wie bei einem Regenschirm, den man
ganz schnell schließt.“ Und wenn das Modell dabei kaputt geht?
Schierenberg bleibt gelassen. „Dann reparieren wir es.“

DaVinci@HSBI-Werkstatt im Keller der „Wissenswerkstadt“

Im Keller der „Wissenswerkstadt“ hat das Projekt DaVinci@HSBI eine eigene
Werkstatt, in der Objekte ausgebessert oder mit Studierenden
zusammengebaut werden können. Der Fokus liegt aktuell allerdings weniger
auf der Erstellung neuer Modelle. „Wir arbeiten derzeit vor allem am
digitalen Hintergrund unserer Exponate“, sagt Schierenberg und scannt mit
seinem Handy einen QR-Code an der Flügelschlag-Maschine. Auf dem Display
erscheint ein dreidimensionales Abbild des Modells. „Entweder man schaut
sich das einzelne Objekt von allen Seiten mit all seinen Funktionen und
Informationen an oder“ – Schierenberg wechselt in den Augmented-Reality-
Modus – „man bewegt und platziert es frei hier in der Ausstellung.“ Und
lässt sich selbst zusammen mit dem digitalen Objekt fotografieren oder
filmt es in Aktion. „So kann man ein Stück der Ausstellung mit nach Hause
nehmen.“

Geplant ist auch ein digitales Abbild von Leonardo da Vinci, dem Fragen
gestellt werden können. „Er läuft dann aber auf einer von uns erstellten,
geschlossenen Datenbank. So stellen wir sicher, dass nur wissenschaftlich
fundierte Antworten geliefert werden und keine halluzinierten, wie
manchmal bei freien Chatbots“, betont Schierenberg. Hinter der
Digitalisierung steckt aber weit mehr als ein zusätzlicher Service für die
Besucherinnen und Besucher. „Die digitalisierten Objekte helfen
beispielsweise auch Kuratorinnen und Kuratoren bei der Planung neuer
Ausstellungen. Sie können viel besser schauen, ob oder welche unserer
Exponate für ihre Zwecke und Räume in Frage kommen“, so der Professor
weiter. Vor allem aber setzt er mit den digitalen Tools auf Technologien,
die zum neuesten Stand in der Industrie 4.0 zählen: „Während Besucherinnen
und Besucher einfach das digitale Objekt betrachten, können für uns viele
zusätzliche Service-Informationen hinterlegt werden wie etwa eine
Stückliste des Objekts. Geht etwas kaputt, haben wir direkt alle
erforderlichen Informationen zur Reparatur oder Neubeschaffung des
betroffenen Teils.“ Für die Studierenden schafft DaVinci@HSBI auf diese
Weise mehrfach Verbindungen zu den aktuellen Anforderungen in den
Ingenieurwissenschaften. Schierenberg: „Das Projekt ermöglicht die
Anwendung neuester Technologien ebenso wie die Einübung
ingenieurtechnischer Arbeitsweisen und das Verständnis genereller
mechanischer und physikalischer Prinzipien.“

Leonardos Konstruktion ein Vorbild für heutige Hubschrauber

Durch den Nachbau kann sich manchmal auch zeigen, dass Leonardos Entwürfe
in der Realität nicht funktionieren. Andreas Wollensak zeigt auf die
Luftschraube, die Leonardo allein mit menschlicher Muskelkraft zum Abheben
bringen wollte. „Die nötige Geschwindigkeit wird so nicht erreicht.
Trotzdem war die Konstruktion ein Vorbild für unsere modernen
Hubschrauber.“ Leonardos Fallschirm dagegen funktioniert. „Das hat ein
Engländer bewiesen, der mit einem Nachbau in Originalgröße aus 3000 Metern
Höhe abgesprungen ist“, erzählt Wollensak. Die Besucherinnen und Besucher
der Ausstellung in der „Wissenswerkstadt“ können den Nachweis etwas
einfacher bekommen. Jan Rugge-Fechtelpeter legt einige Bastelbögen
zurecht: „Wer möchte, faltet einfach eine kleine Version des Leonardo-
Fallschirms aus Papier und lässt ihn in die Eingangshalle
herunterfliegen.“

Ausstellungseröffnung zusammen mit dem VDI

Eröffnet wird die neu gestaltete Dauerausstellung DaVinci@HSBI am 4.
Februar 2026 um 10 Uhr in der „Wissenswerkstadt“. Sie ist während der
Öffnungszeiten der frei zugänglich: Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr.
Zeitgleich findet dort der Zukunftstag „Erkennen.Machen.Perspektiven“
statt, die Abschlussveranstaltung des gleichnamigen Projekts für
Jugendliche von Energie Impuls OWL, einem Mitglied des Vereins Deutscher
Ingenieure (VDI).