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CDRatlas: Wegweiser für CO2-Entnahmemethoden im Meer und an Land

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Wie lässt sich Kohlendioxid (CO2) dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen?
Welches Vorgehen ist dabei realistisch, sinnvoll und verantwortbar?
Antworten darauf liefert ab sofort der Carbon Removal Atlas (CDRatlas).
Die frei zugängliche Online-Plattform wurde unter Leitung des GEOMAR
Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel entwickelt und bündelt
wissenschaftlich fundierte Informationen zu Methoden der Kohlendioxid-
Entnahme.

Ziel ist es, fundiertes Wissen für Politik, Verwaltung,
Wirtschaft und Öffentlichkeit, übersichtlich und verständlich aufbereitet,
zur Verfügung zu stellen und damit eine verlässliche Grundlage für den
Umgang mit schwer vermeidbaren Emissionen zu bieten.

Ob bei der Zementherstellung, in der Stahlindustrie oder der
Landwirtschaft – einige Treibhausgasemissionen lassen sich auch bei
ehrgeizigem Klimaschutz kaum vollständig vermeiden. Um dennoch die
Klimaziele zu erreichen und die Folgen des menschengemachten Klimawandels
abzumildern, wird neben der schnellen und drastischen Reduktion der
CO2-Emissionen auch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eine wichtige
Rolle spielen.

Doch welche Verfahren gibt es? Wie funktionieren sie konkret? Und unter
welchen natürlichen, technischen oder rechtlichen Bedingungen lassen sie
sich umsetzen? Antworten darauf gibt ab sofort der neue Carbon Removal
Atlas (CDRatlas). Die frei zugängliche Online-Plattform stellt Potenziale
und Grenzen von CDR-Methoden visuell und interaktiv dar. Dabei stützt sich
der CDRatlas insbesondere auf die Ergebnisse von CDRmare, der
Forschungsmission der Deutschen Allianz Meeresforschung, und des
Forschungsprogramms CDRterra.

„Es gibt keinen Mangel an Ideen zur CO2-Entnahme, aber bislang fehlte eine
umfassende Übersicht welche auch die räumlichen Möglichkeiten und
Einschränkungen aufzeigt“, sagt Dr. Steffen Swoboda, Projektleiter am
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Der CDRatlas hilft
dabei die einzelnen Methoden besser zu bewerten und Lücken in unserem
Wissen aufzuzeigen.“

Ein Atlas, der Prozesse verständlich macht

Kernstück der Plattform sind detaillierte Prozessketten für verschiedene
CDR-Methoden. Sie zeigen, welche Schritte notwendig sind – von der Planung
über die Umsetzung bis hin zur Überwachung der CO2-Speicherung. Fachlich
nennt sich das Monitoring, Reporting and Verification (Überwachung,
Berichterstattung und Überprüfung). Im CDRatlas wird dieses Konzept leicht
verständlich erklärt und in den jeweiligen Kontext eingeordnet.

Viele der Verfahren sind derzeit noch in der Erprobungsphase. In
zahlreichen Workshops haben die Forschenden daher gemeinsam mit Fachleuten
aus Industrie und Praxis ausgelotet, wie eine reale Umsetzung aussehen
könnte.

Zum Start der Plattform sind die Erhöhung der Alkalinität im Ozean und die
Aufforstung von Mangroven im CDRatlas beschrieben. Im Laufe des Jahres
werden dann noch Methoden zur Wiederaufforstung von Wäldern, Bioenergie
mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS) sowie die Renaturierung von
Seegraswiesen und Aquakulturen von Makroalgen folgen.

Karten zeigen, was vor Ort möglich ist – und was nicht

Ob eine CO2-Entnahmemethode sinnvoll umgesetzt werden kann, hängt stark
vom Standort ab: von Umweltbedingungen, vorhandener Infrastruktur oder
rechtlichen Rahmenbedingungen. Der CDRatlas setzt daher auf die
kartenbasierte Darstellung. Nutzer:innen können so auf einen Blick
Potenziale aber auch Grenzen der Machbarkeit erkennen. Alle dargestellten
Informationen sind mit Quellen hinterlegt. Der CDRatlas selbst stellt
keine Rohdaten bereit, sondern verweist transparent auf die jeweiligen
Originalquellen.

Ergänzt wird der CDRatlas durch eine Literaturdatenbank die fortlaufend
aktualisiert wird. Ergänzend kann ein Newsletter abonniert werden, der
wöchentlich über neue wissenschaftliche Veröffentlichungen informiert.

Gemeinschaftsprojekt der Wissenschaft

Der CDRatlas ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Zusammenarbeit
verschiedener Forschungseinrichtungen. Neben dem GEOMAR sind unter anderem
das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Leibniz-Zentrum für
Tropenforschung (ZMT), die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU),
das Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung (AWI) und
weitere Institutionen sowie einzelne Expert:innen beteiligt. Der CDRatlas
ist damit ein auf Basis der Bundesförderung gemeinschaftlich getragenes
Projekt der wissenschaftlichen Community.

Kontinuierlich wachsendes Werkzeug für Politik und Gesellschaft
Der CDRatlas wird fortlaufend erweitert – inhaltlich wie technisch. Indem
Möglichkeiten und Begrenzungen von CO2-Entnahme-Methoden realistisch
eingeordnet werden, soll der CDRatlas helfen, informierte,
verantwortungsvolle Entscheidungen auf der Basis wissenschaftlicher
Erkenntnisse zu treffen.

„CO2-Entnahme kann Klimaschutz nicht ersetzen, aber sie kann ihn
ergänzen“, sagt Steffen Swoboda. „Der CDRatlas legt Chancen, Risiken und
offene Fragen transparent offen.“

Hintergrund:
Das Projekt Carbon Removal Atlas wird vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert.
Die Laufzeit beträgt drei Jahre von März 2024 bis Februar 2027. Der jetzt
gestartete CDRatlas wird in dieser Zeit laufend erweitert und
aktualisiert.