Repräsentative Untersuchung offenbart kritische Lücken in der Berufsorientierung – drei Handlungsfelder identifiziert
Der Arbeitgeberverband NORDMETALL hat in Zusammenarbeit mit der
NORDAKADEMIE und deren Stiftung sowie dem ifaa – Institut für angewandte
Arbeitswissenschaft e. V. – die Ergebnisse der NORDMETALL-Jugendstudien
2022 bis 2024 veröffentlicht. Befragt wurden mehr als 2.700
Abiturientinnen und Abiturienten sowie 200 Geschäftsführungen und
Personalleitungen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-
Vorpommern. Die Ergebnisse beleuchten das kritische Ungleichgewicht
zwischen den Erwartungen der Generation Z und dem dringenden Bedarf der
Industrie an qualifiziertem Nachwuchs. Zu den vollständigen Ergebnisse der
Studien: www.arbeitswissenschaft.net/br
Drei kritische Mismatches erfordern dringenden Handlungsbedarf
Die Studienergebnisse decken mehrere eklatante Unterschiede und ungenutzte
Potenziale auf, die den Übergang von der Schule in den Beruf erschweren:
1. Unterschätzte Gehälter und mangelndes Interesse an Industrieberufen
Die Jugendlichen unterschätzen die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie
massiv. Berufseinsteiger nach einer Ausbildung oder einem Bachelor-Studium
schätzen ihr späteres Gehalt um ca. 800 bis 1.100 Euro bzw. 900 bis 1.000
Euro monatlich zu niedrig ein.
Gleichzeitig besteht ein deutliches Ungleichgewicht bei den
Berufswünschen: Abiturienten interessieren sich kaum für Karrierewege in
gewerblich-technischen Berufen wie Montage, Instandhaltung oder
Maschinensteuerung. Sie bevorzugen stattdessen Tätigkeiten im
Projektmanagement, in Forschung und Entwicklung oder im Verkauf und
Marketing.
2. Die MINT-Lücke – Eine Herausforderung für Jungen und Mädchen
Trotz des hohen Bedarfs der Industrie an MINT-Kompetenzen (Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaften, Technik) liegt der Anteil der MINT-Fans
(Mathematik und Physik/Informatik als Lieblingsfach) bei den befragten
Jugendlichen bei nur 9,0 Prozent. Der Verband mahnt an, dass hier eine
frühzeitige und kontinuierliche Förderung entlang der frühkindlichen,
schulischen und hochschulischen Bildungskette ansetzen muss, damit Neugier
und Interesse in diesen Feldern gestärkt werden. Jungen zählen dreimal
häufiger zu den MINT-Fans. Das heißt, nur jedes 50. Mädchen hat z.B.
Informatik als Lieblingsfach.
Zudem beschäftigen sich 53 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Jungen
nicht mit Computern oder Computertechnologie. Ein großes Problem für die
Fachkräftesicherung in Tätigkeitsfeldern mit zunehmend technologischen
Schwerpunkten.
3. Unterschiedliche Kriterien für Berufsorientierung und Bewerbung
Die Berufsorientierung an den Schulen wird von den Betrieben mit der
Durchschnittsnote 3,2 deutlich schlechter bewertet als von den
Jugendlichen selbst (Note 2,6). Die Studien zeigen zudem, dass Betriebe
bei Bewerbungen vor allem auf Noten in speziellen Fächern (insbesondere
Mathematik), IT-Kenntnisse und erfolgreich absolvierte Praktika achten.
Der Notendurchschnitt des Zeugnisses rangiert hingegen nur an sechster
Stelle.
Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung von NORDMETALL:
„Berufsorientierung ist wichtig, weil sie jungen Menschen praktische
Perspektiven eröffnet und weil sie Schule und Wirtschaft miteinander
verbindet. Aber auch alle vor- und nachgelagerten Bildungsphasen sind
essenzielle Bausteine für beruflichen Erfolg. Daher denken wir Bildung und
Berufsbildung gemeinsam mit unserer NORDMETALL-Stiftung ganzheitlich.“
Prof. Dr. oec. Stefan Wiedmann, Präsident und Vorstand der NORDAKADEMIE
Hochschule der Wirtschaft sowie Vorstand der NORDAKADEMIE-Stiftung
ergänzt: „Deutschlands Zukunft hängt davon ab, junge Menschen früh für
MINT zu begeistern – denn hier ist der Fachkräftemangel am größten. Die
NORDMETALL Jugendstudien zeigen, was Jugendliche motiviert, und helfen
uns, ihre Talente gezielt zu fördern. Die NORDAKADEMIE und ihre Stiftung
schaffen so Perspektiven für ein Studium, das hochgradig relevant ist,
begeistert und Zukunft gestaltet.“
„Wenn wir heute nicht in die berufliche Orientierung und Ausbildung junger
Menschen investieren, wird uns morgen die Fachkräftelücke mit voller Wucht
treffen“, fasst Prof. Dr.-Ing. habil. Sascha Stowasser, Direktor des ifaa,
die Ergebnisse im Kern zusammen. „Gerade die Metall- und Elektroindustrie
muss jetzt zeigen, wie spannend, sinnstiftend und zukunftssicher ihre
Berufe sind. Der frühe direkte Kontakt zwischen Unternehmen und
Jugendlichen, etwa im Rahmen von Schulkooperationen, ist dabei ein
zentraler Schlüssel.“
Was Unternehmen tun können
Thomas Küll zieht ein Fazit aus den Studien: „Es ist wichtig, die
Jugendlichen bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Dazu gehört der Wunsch nach
Spaß an der Arbeit, einem sicheren Arbeitsplatz und Aufstiegsmöglichkeiten
– Werte, die wir insbesondere in der M+E-Industrie bereits leben.“
Positives Ergebnis: Die hohe Leistungsbereitschaft der Generation Z
Entgegen in der Öffentlichkeit diskutierter Klischees zeigt die Generation
Z eine hohe Arbeitsbereitschaft und Zukunftsoptimismus:
• Vollzeit und Flexibilität: Zwei Drittel der Jugendlichen streben
später eine Vollzeitbeschäftigung an. Ein Viertel wünscht sich die
Möglichkeit, je nach Lebensphase zwischen Voll- und Teilzeit wechseln zu
können.
• Führung und Überstunden: Die Bereitschaft für Überstunden ist
hoch: 56 Prozent sind grundsätzlich bereit, situativ mehr zu arbeiten.
Zudem kann sich knapp die Hälfte der Befragten vorstellen, später eine
Führungsrolle zu übernehmen.
• Zukunftszuversicht: 87 Prozent der Jugendlichen blicken
zuversichtlich in ihre Zukunft.
Die Broschüre „Berufsperspektiven der Generation Z“ (2022 bis 2024)
liefert Unternehmen nicht nur eine fundierte Datengrundlage, sondern auch
konkrete Anhaltspunkte, wie der frühzeitige, direkte Austausch mit
Jugendlichen zur Lösung der Fachkräftefrage beitragen kann.
