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THM an Langzeitforschungsprojekt zu Sozinianern beteiligt

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Historikerinnen und Historiker der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek
Große Kirche Emden edieren die Briefwechsel, Zeichnungen und andere
Dokumente der Sozinianer, einer eruopäischen Bewegung von etwa 1550 bis
1750. Dafür stellt die Technische Hochschule Mittelhessen die
Graphdatenbank zur Verfügung. Diese ermöglicht es, Zusammenhänge
aufzuzeigen und mehrere Stichworte wie in einer Art Mindmap in Verbindung
zu bringen. Projektleiter sind Prof. Dr. Andreas Kuczera an der
Technischen Hochschule Mittelhessen und Prof. Dr. Kęstutis Daugirdas von
der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden.



Am Anfang steht der Briefwechsel der Sozinianer, Menschen, die sich über
viele europäische Länder hinweg miteinander vernetzt und die Aufklärung
vorbereitet haben. Sie sind aus dem Protestantismus hervorgegangen, ihre
Anhänger waren etwa von 1550 bis 1750 aktiv.

Das Forschungsprojekt Projekt „Religion und Naturwissenschaft im Umbruch:
Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“ hat das Ziel, alle
erhaltenen sozinianischen Briefwechsel sowie weitere Quellen digital
zugänglich und wissenschaftlich auswertbar zu machen. Unter Federführung
der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden wird es in
Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften Mainz, der
Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der
Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) realisiert. Die Projektleitung
liegt bei Prof. Dr. Kęstutis Daugirdas aus Emden und Prof. Dr. Andreas
Kuczera von der THM.

Seit 2018 transkribieren wissenschaftliche Mitarbeitende die meist
handschriftlichen Briefseiten, das bedeutet, sie schreiben diese in einer
digitalen Datenbank ab. Zeitgleich edieren sie die Briefe: Sie fügen
textkritische und sachliche Kommentare an sowie inhaltliche
Zusammenfassungen der einzelnen Briefe. Auf diese Art sind im ersten
Forschungsprojekt „Die sozinianischen Briefwechsel. Zwischen Theologie,
frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz“ in acht
Jahren bereits über 2000 Briefe digitalisiert und 900 davon detailliert
erschlossen worden.

An dieser Stelle kommt die THM mit Kuczera ins Spiel, der auch eng mit der
Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zusammenarbeitet. Er
hat nicht nur eine Datenbank für die Historiker erstellt, in die sie die
Texte einzeln eintragen können. Diese können dank der Unterstützung von
Kuczera und seinem Team mit einer neuartigen Graphdatenbank arbeiten.

Während bei traditionellen digitalen Editionen Personen, Orte und Sachen
verschlagwortet werden können, sodass Interessierte nach diesen Begriffen
suchen können, ermöglicht eine graphbasierte digitale Edition auch,
Zusammenhänge aufzuzeigen. Informationen aus verschiedenen
Konstellationen, beispielsweise Theologie, Philosophie, Philologie,
Astronomie und Politik, lassen sich vernetzt wie in einer Art Mindmap
anzeigen. „Das ermöglicht es, komplexe geisteswissenschaftliche
Forschungsdaten, die verschiedene Interpretationen zulassen,
darzustellen“, erklärt Kuczera.

Um alle Briefe, aber auch Zeichnungen zu edieren, die in insgesamt 14
verschiedenen Sprachen verfasst sind, wird das wissenschaftliche Team über
20 Jahre benötigen. „Die vergangenen acht Jahre mit einer Förderung der
Deutschen Forschungsgemeinschaft waren eine Art Vorprojekt. Anhand der
gewonnenen Erkenntnisse haben wir errechnet, dass wir 21 Jahre benötigen
werden, um alle Quellen zu edieren“, erklärt Prof. Kuczera. Solche
Langzeitprojekte werden im Akademienprogramm gefördert. Sie werden je zur
Hälfte vom Bund und den Ländern getragen. „Damit bekommen wir ab 2026 für
die nächsten 21 Jahre auch eine volle Stelle an der THM, um die digitale
Editionstechnik weiterzuentwickeln und an die Bedarfe der Historiker
anzupassen“, erklärt Kuczera. Aktuell ist mit dem Projekt Sebastian Enns
Promotionsvorhaben verknüpft, das über die THM und den Forschungscampus
Mittelhessen (FCMH) koordiniert wird. Enns ist der leitende Informatiker
und zuständig für die Webseite und die Webentwicklung. Sein
Promotionsthema ist die Datenmodellierung in digitalen Editionen. Ein
weiteres Projekt zur Digitalisierung der Sozinianerbriefe hat Kuczera mit
einer Masterarbeit verbunden. Darin soll eine lokale Künstliche
Intelligenz eingebunden werden, die inhaltliche Fragen direkt auf Basis
der edierten Briefe beantworten und die entsprechenden Textstellen
verlinken soll.

Die Projektwebseite wird an der THM verwaltet und ist unter
sozinianer.mni.thm.de/home erreichbar. Die Seite funktioniert auch in der
mobilen Ansicht am Smartphone.

Das Akademienprogramm und die Akademienunion:

Das Akademienprogramm besteht seit 1979/80. In ihm fördern Bund und Länder
gemeinsam langfristig angelegte Forschungsprojekte in den Geistes- und
Gesellschaftswissenschaften. Es umfasst bei einem Finanzvolumen von rund
80 Millionen Euro insgesamt 127 Vorhaben mit rund 192 Arbeitsstellen
(Stand: 2025).

Das Programm wird von der Akademienunion koordiniert. In ihr sind die acht
Akademien der Wissenschaften in Deutschland vereint. Sie sind
Gelehrtengesellschaften und Forschungseinrichtungen in einem. Die
Mitglieder widmen sich langfristig angelegten Forschungsprojekten, die
interdisziplinär sind und zur geisteswissenschaftlichen
Grundlagenforschung beitragen. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung
wissenschaftlicher Wörterbücher, Lexika oder kritischer Gesamtausgaben
bedeutender Philosophinnen und Philosophen und Komponistinnen und
Komponisten, aber auch Langzeitbeobachtungen an der Schnittstelle zwischen
Natur- und Geisteswissenschaften. Die Akademien schaffen hierdurch
Wissensspeicher für die Zukunft und stellen Grundlagen für die Nutzung des
von ihnen aufgearbeiteten Wissens durch Wissenschaft und Öffentlichkeit
bereit, wie die Akademienunion auf ihrer Webseite schreibt.

Originalpublikation:
https://www.thm.de/site/hochschule/campus/aktuelles/aus-lehre-und-
forschung/thm-an-langzeitforschungsprojekt-zu-sozinianern-beteiligt.html