FH Dortmund stärkt Eltern im Erziehungshilfesystem – „ElSe“-Projekt begleitet den Aufbau von Selbsthilfeorganisationen
Die Fachhochschule Dortmund startet gemeinsam mit der Internationalen
Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) das Praxisforschungsprojekt
„ElSe“ (Eltern-Selbstorganisation). Ziel ist es, Eltern von Kindern in
Erziehungshilfen systematisch zu vernetzen und zu stärken. Das Projekt
wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und
Jugend gefördert und läuft bis Dezember 2026.
Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz aus dem Jahr 2021 wurde die
Förderung von Selbstvertretungsstrukturen für junge Menschen und Eltern
als zentraler Bestandteil einer partizipativen Kinder- und Jugendhilfe
verankert. „Doch obwohl ein rechtlicher Auftrag besteht, fehlen
strukturelle Unterstützungsangebote zum Aufbau von Selbstorganisationen
für Eltern in den Erziehungshilfen – bis auf wenige Ausnahmen – gänzlich“,
sagt Prof. Dr. Nicole Knuth. Sie lehrt am Fachbereich Angewandte
Sozialwissenschaften der FH und leitet das Projekt.
Eltern, deren Kinder Erziehungshilfen erhalten, stehen vor vielfältigen
Herausforderungen. So würden Kinder teilweise weit entfernt vom Wohnort
untergebracht, sodass der Kontakt kaum aufrechterhalten werden kann. Auch
starre Besuchsregeln erschweren mitunter den Kontakt. Dabei sind Eltern
nach wie vor eine wichtige Bezugsperson im Leben ihrer Kinder. Nicht
selten fehlen verständliche Informationen über Rechte von Eltern und
Ansprechpersonen seien nur schwer zu erreichen. „Eltern wünschen sich
daher Austausch und Unterstützung, um ihre Erfahrungen zu teilen, ihre
Perspektiven sichtbar zu machen und ihre Rechte durchsetzen zu können",
sagt Prof. Knuth.
Die Dringlichkeit wurde Ende Januar bei einem Hearing im
Bundesfamilienministerium deutlich. Dort kamen verschiedene Adressat*innen
der Kinder- und Jugendhilfe zu Wort – darunter erstmals auch eine Gruppe
von Eltern, die sich am ElSe-Projekt beteiligen werden. Sie unterstrichen
die zentrale Forderung nach struktureller Unterstützung und Förderung von
Eltern-Selbstorganisationen.
Eltern als Expert*innen in eigener Sache
Das ElSe-Projekt hat nun den Auftrag, dieses Selbstvertretungsstrukturen
zu entwickeln. Das Team um Prof. Knuth verfolgt dabei einen partizipativen
Ansatz: An vier Modellstandorten in Düsseldorf, Berlin, Böblingen und
Dresden werden Eltern-Selbstorganisationen aufgebaut und in ihrer
Entwicklung fachlich begleitet. Die vier Standorte bilden unterschiedliche
Ansätze ab: In Berlin und Düsseldorf sind die Selbstorganisationen an
große Träger der freien Jugendhilfe angebunden. In Dresden kooperiert das
Projekt mit einer Ombudsstelle, während in Böblingen das Kreisjugendamt
als öffentlicher Träger den Aufbau unterstützt.
„Wir möchten Eltern als Expert*innen in eigener Sache systematisch in die
Weiterentwicklung von Erziehungshilfen einbeziehen“, betont Prof. Knuth.
„Es geht sowohl um gegenseitige Stärkung in einer oftmals schwierigen
Lebenssituation als auch darum, dass Eltern ihre Rechte kennen und ihre
Perspektiven einbringen können.“ Das wissenschaftliche Team der FH wird
die Prozesse an den Modellstandorten dokumentieren, begleiten und
auswerten. „Auf Grundlage unserer empirischen Ergebnisse möchten wir in
einem nächsten Schritt Impulse entwickeln, die zur Stärkung partizipativer
und inklusiver Strukturen in der Kinder- und Jugendhilfe beitragen",
betont Prof. Knuth. Diese können dann anderen Jugendämtern und Trägern als
Orientierung dienen, wie Eltern-Selbstorganisationen erfolgreich aufgebaut
werden können.
