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Universität Jena erinnert an die Entdeckung der UV-Strahlung vor 225 Jahren

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Vor 225 Jahren, am 22. Februar 1801, gelang dem Naturforscher Johann
Wilhelm Ritter (1776–1810) in Jena ein Experiment, das das Verständnis von
Licht grundlegend veränderte: der Nachweis einer unsichtbaren Strahlung
jenseits des violetten Lichts. Anlässlich dieses Jubiläums lädt die
Friedrich-Schiller-Universität Jena zu einem interdisziplinären Symposium
ein vom 21. bis 22. Februar 2026. Unter dem Titel „Die Entdeckung und
Anwendung der UV-Strahlung“ verbindet die Tagung Wissenschaftsgeschichte
mit aktuellen Entwicklungen – von der frühen UV-Mikroskopie bis zur
Extremen Ultraviolett-Lithografie (EUV), der Schlüsseltechnologie der
modernen Chipproduktion.



Ein Höhepunkt der Tagung ist die Nachstellung von Ritters historischem
Experiment durch die Professoren Holger Cartarius (Universität Jena), Timo
Mappes (Deutsches Optisches Museum und Universität Jena) und Tom Wagner
(Universität Jena).

Vom Denken in Polaritäten zur Entdeckung des Unsichtbaren

Als Johann Wilhelm Ritter im Jahr 1801 in Jena experimentierte, bewegte er
sich an den Schnittstellen von Physik, Chemie und Naturphilosophie.
Angeregt durch den kurz zuvor gelungenen Nachweis der Infrarotstrahlung
durch William Herschel suchte Ritter gezielt nach einem „Gegenpol“ im
Lichtspektrum. Mithilfe eines Prismas und lichtempfindlicher
Silberchlorid-Papiere zeigte er, dass jenseits des sichtbaren violetten
Lichts eine Strahlung existiert, die eine besonders starke chemische
Wirkung entfaltet – das, was heute als ultraviolette Strahlung bekannt
ist.

Entscheidend für diesen Erkenntnissprung war der intellektuelle Austausch
mit Johann Wolfgang von Goethe, der sich in Jena intensiv auch mit
optischen Phänomenen beschäftigte. Goethes Überlegungen zur Polarität des
Lichts lieferten Ritter wichtige Impulse, das Spektrum nicht als
abgeschlossen zu betrachten. Die Entdeckung der UV-Strahlung ist damit
auch ein Beispiel für die produktive Wechselwirkung von experimenteller
Naturwissenschaft und geisteswissenschaftlich geprägtem Naturdenken.
„Ritter verstand die Kunst dessen, was wir exploratives Experimentieren
nennen. Seine Entdeckung vollzieht sich erwartungsgeleitet. Sie zeigt
eindrucksvoll, wie neue Erkenntnisse aus dem Zusammenspiel
unterschiedlicher Denkweisen entstehen können – bis heute ein
Markenzeichen des Wissenschaftsstandorts Jena“, sagt der Philosoph Dr.
Helmut Hühn, Organisator des Symposiums.

Das Symposium ist Teil der L³-Veranstaltungsreihe, die an die Profillinien
der Universität – LIGHT, LIFE und LIBERTY – angebunden ist und
historische, naturwissenschaftliche und technologische Perspektiven auf
die UV-Strahlung mit Fragen zu Gesundheit, Umwelt, Strahlenschutz sowie
gesellschaftlicher Verantwortung verknüpft. In Vorträgen und Diskussionen
machen Forschende aus unterschiedlichen Fakultäten der Universität Jena
gemeinsam mit externen Fachleuten das interdisziplinäre Forschungsprofil
der Universität sichtbar.

Von der UV-Mikroskopie zu einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts

Die Tagung verbindet die Geschichte mit der Gegenwart. Wesentliche
Meilensteine von der Entdeckung bis zu Anwendung der UV-Strahlung haben
einen festen Bezug zu Jena. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde
in der Saalestadt die UV-Mikroskopie zur Erhöhung der Auflösung
vorgestellt und dabei die Fluoreszenz in der Mikroskopie entdeckt. Einen
Schwerpunkt des Symposiums bilden aktuelle technologische Anwendungen,
insbesondere die extreme Ultraviolett-Lithografie (EUV). Nur mit ihr
lassen sich wirtschaftlich Strukturen im Nanometerbereich erzeugen – eine
Voraussetzung für moderne Hochleistungs-Chips. Die Jenaer Entwicklung
dieser Technologie wurde 2020 mit dem Deutschen Zukunftspreis
ausgezeichnet und steht exemplarisch für den langen Weg von einer
historischen Entdeckung zur global relevanten Schlüsseltechnologie. „Der
enge Austausch zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung mit
industrieller Forschung und Entwicklung ist der Grund, dass wir in Jena
die höchste Innovationsdichte Deutschlands vorfinden. Am Beispiel des
Nutzens der UV-Strahlung können wir dies wunderbar aufzeigen“, sagt Prof.
Dr.-Ing. Timo Mappes vom Deutschen Optischen Museum.

Ein Programm zwischen Wissenschaftsgeschichte und Gegenwart

Das Symposium eröffnet am Samstag mit einer Führung durch das UV-Kabinett
der Mineralogischen Sammlung der Universität Jena. Daran schließt sich die
wissenschaftliche Tagung mit Vorträgen von Forschenden aus
Wissenschaftsgeschichte und -theorie, Physik, Chemie, Technik- und
Kulturwissenschaften an. Der Verband für Strahlenschutz ruft die UV-
Strahlung im Rahmen der Tagung als „Strahlung des Jahres 2026“ aus. Am
Sonntag führt ein Kultureller Spaziergang „Auf den Spuren von Goethe und
Ritter“ nicht nur zu wichtigen Orten der Jenaer Wissenschafts- und
Ideengeschichte. Er macht die enge Verbindung von wissenschaftlicher
Forschung, technologischer Anwendung, Kultur und Stadt bis heute erlebbar.

Das L³-Symposium wird veranstaltet vom Zentrum für Romantikforschung der
Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Deutschen Optischen Museum, dem
Fachverband für Strahlenschutz und dem Romantikerhaus Jena.

Für alle Programmpunkte ist eine Anmeldung bis zum 14. Februar 2026 per
Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erforderlich.