20 Jahre White Risk: eine Lawinen-App mit Award
Zur besten Schweizer App gekürt – kurz vor dem 20-Jahr-Jubiläum: White
Risk startete als CD-ROM für Lawinenprävention und ist heute ein
preisgekröntes Planungstool mit über 100'000 Nutzerinnen und Nutzern. 2016
beinahe eingestellt, ist die Plattform nun digitaler Vorreiter für alpine
Sicherheit.
Wer sich das aktuelle Lawinenbulletin anschaut, landet auf White Risk.
Hier werden die Informationen zu Schnee und Lawinen des Instituts für
Schnee und Lawinenforschung SLF verbreitet. Auch wenn immer mehr Menschen
abseits der Pisten unterwegs sind, bleibt der 20-jährige Mittelwert von
jährlich 22 Personen, die bei Lawinen in der Schweiz ums Leben kommen,
konstant. Ein Erfolg für die Lawinenpräventions-Plattform White, die
diesen Winter ihr 20-Jahr-Jubiläum feiert.
1998 war der Geograf Stephan Harvey Lawinenwarner beim SLF, gleichzeitig
gab er als Bergführer Lawinenkurse. Zu dieser Zeit bestand Lawinenkunde
aus Bild und Text. Touren wurden mit Bleistift auf Papierkarten gezeichnet
und Hangneigungen mit einem speziellen Massstab aus den Höhenlinien
gemessen. Sein Interesse, Wissen zu vermitteln, passte bestens zur Anfrage
der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), ein Video zu den
fünf Lawinengefahrenstufen zu machen – eine enge Zusammenarbeit zwischen
dem SLF und der Suva begann, mit dem gemeinsamen Ziel, Unfälle durch
Prävention zu verhindern.
Täglich 500 Bestellungen
Bald darauf schickte der Freerider und Student Daniel Landolt seine
Masterarbeit der Suva – er designte und entwickelte eine interaktive Lern-
CD über Lawinen. «Die Idee ist genial, nur die Inhalte stimmen nicht
ganz», beurteilte Harvey das Projekt und liess sein Wissen einfliessen.
Die Suva unterstützte die Weiterentwicklung kommunikativ und finanziell.
Harvey wurde Projektleiter und ist bis heute der Kopf hinter White Risk.
Es entstand 2006 das erste digitale Lern-Tool zur Lawinenunfall-
Prävention, das grossen Anklang fand. In der ersten Woche nach der
Lancierung gingen täglich rund 500 Bestellungen beim SLF ein. Schon drei
Jahre später gab es White Risk als App, heute sind 100'000 User darauf
registriert.
Leitet zu guten Entscheidungen
Bei White Risk im Vordergrund steht: mit digitalen Lerninhalten Wissen
vermitteln, Risikobewusstsein fördern und durch gute Vorbereitung Unfälle
vermeiden. Dieser präventive Grundgedanke bildet das gemeinsame Fundament
von SLF und Suva: Eigenverantwortung stärken und fundierte Entscheidungen
ermöglichen, bevor es kritisch wird. 2013 zügelte White Risk aufs Web. Die
erneuerte Version lieferte Hangneigungskarten und ein Tourenplanungstool,
alles synchronisiert mit der App. Dies gab es so noch nirgends vorher. Was
die Plattform nicht liefert, sind fixfertige Tourenbeschriebe. Wer auf die
Tourenski geht, muss die Route selbst planen und sich mit dem Gelände
auseinandersetzten. Denn: «Das Tool leitet zu guten Entscheidungen, ohne
diese abzunehmen», erklärt Harvey.
Neue Architektur für die App
Trotz des grossen Anklangs stand White Risk 2016 auf der Kippe: Verwendete
Technologien waren in die Jahre gekommen, der ursprüngliche, externe
Entwickler stieg aus und in wenigen Jahren würde die Webseite nicht mehr
funktionieren. Aus viel veraltetem Code für die drei Plattformen iOS,
Android und Web baute ein kleines Team von Softwareentwicklern
schrittweise eine neue, robuste Software-Architektur, die auch unterwegs
ohne Netzabdeckung zuverlässig funktioniert. Der personelle Aufwand für
den Betrieb von White Risk finanziert sich heute grösstenteils durch die
Einnahmen aus dem Abosystem. Mit dem Abo werden zusätzliche Lerninhalte,
Kartenebenen und Funktionen wie die automatische Erkennung von
Schlüsselstellen zugänglich. Für die vielen innovativen Features und die
intuitive Benützung erhielt White Risk – passend zum 20 Jahr Jubiläum – im
Herbst 2025 die Auszeichnung «Best of Swiss Apps».
Über White Risk
Die SLF-Plattform White Risk vereint alles, was es für Skitouren braucht:
Das aktuelle Bulletin, Lernmodule für das Lawinenwissen, ein Planungstool
für die Vorbereitung und ein Navi für unterwegs. Herausgegeben vom SLF und
der Suva, verbindet White Risk Forschung und Prävention in einer
gemeinsamen Plattform. Integriert sind Karten aus der ganzen Welt,
nützliche Webcams, Skipisten, Hütten und die Schwierigkeitsgrade von
Biketrails. Die Hangneigungen sind verfügbar von Österreich bis Spanien,
in Frankreich ist auch das dortige Bulletin integriert. Neu gibt es nebst
der Schweiz auch in Österreich und Frankreich die Kartenebenen fürs
Lawinengelände CAT und ATH, welche die potenziellen Anrissgebiete und
Auslaufbereiche von Lawinen anzeigen. Während White Risk wichtige Infos
zur Lawinensituation liefert, können Tourengängerinnen gleich übers App
Rückmeldungen aus dem Gelände geben. Aktuelle Beobachtungen von
Lawinenabgängen oder Rissen gehen so direkt zurück zum Lawinenwarndienst
und leisten einen wichtigen Beitrag zur Lawinenprognose.
Originalpublikation:
https://www.slf.ch/de/news/20-
