IWH-Insolvenztrend: Rückgang bei Firmenpleiten im Januar bedeutet keine Trendwende
Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer
heute veröffentlichten Analyse feststellt, ist die Zahl der Insolvenzen
von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Januar gesunken.
Dennoch sind für das erste Quartal 2026 hohe Insolvenzzahlen zu erwarten.
Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in
Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im Januar bei 1.391 (vgl.
Abbildung 1). Das sind 8% weniger als im Dezember, aber 4% mehr als im
Januar 2025. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Januar der Jahre
2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt die aktuelle Zahl um
54% höher.
Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und
dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen
Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert
zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen
Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Januar in den größten 10%
der insolventen Unternehmen fast 17.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit
liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten leicht über der im Dezember
(+10 %) und im Vorjahresmonat (+18 %), aber deutlich (+164 %) über dem
Januar-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (vgl. Abbildung 2).
Das IWH erhebt seit Jahresbeginn 2020 Brancheninformationen zu insolventen
Personen- und Kapitalgesellschaften. Wie eine Analyse zeigt, lag im Januar
die Zahl der Insolvenzen in allen Branchen unter ihrem jeweiligen
Höchstwert. Außerdem lag sie in fast allen Branchen unter dem 12-Monats-
Durchschnitt. Bei der Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ergibt sich ein
ähnliches Bild, jedoch mit einer Ausnahme: In den unternehmensnahen
Dienstleistungen waren im Januar mehr als 5.000 Arbeitsplätze betroffen,
und damit doppelt so viele wie im 12-Monats-Durchschnitt. Mehrere größere
Personaldienstleister mussten aufgeben. Hinzu kamen eine größere
Autovermietung sowie ein größerer Gebäudedienstleister.
Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel
zwei bis drei Monate vorauslaufen. Die Januarwerte lagen niedriger als in
den vergangenen Monaten und etwa auf dem Niveau vom Januar 2025. Steffen
Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, geht auf Basis dieser Zahlen
davon aus, „dass im Februar und März weiterhin hohe Insolvenzzahlen zu
erwarten sind“. Ab April sei eine Entspannung möglich. „Derzeit spricht
die Entwicklung somit eher für eine Stabilisierung auf hohem Niveau als
für eine echte Entwarnung“, sagt Müller.
IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik
Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-
Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen
für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur
geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei
Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl.
Abbildung 3).
Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das
Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen
wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen
Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener
Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-
Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden
Einrichtungen auf diesem Themengebiet.
Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen von Kapital- und
Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90% der von
Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95% der Forderungen.
Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen
Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.
Anders abgegrenzt sind Statistiken zu Regelinsolvenzen und
Unternehmensinsolvenzen. Regelinsolvenzen umfassen neben
Unternehmensinsolvenzen auch bestimmte natürliche Personen wie
Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige mit unüberschaubaren
Vermögensverhältnissen sowie privat haftende Gesellschafter und
Einzelunternehmer.
Die amtliche Statistik zu den Unternehmensinsolvenzen erfasst zusätzlich
zu den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften
auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der
Kleinstunternehmen. Die Zahl der insolventen Personen- und
Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen
und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen aus. Die prozentualen
monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen und den
Unternehmensinsolvenzen können sich aufgrund der Vielzahl
gesamtwirtschaftlich unbedeutender Insolvenzfälle deutlich von denen der
Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.
Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-
Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzfors
