Startschuss für die „C-Factory“: Weltweit erstes Carbonbetonwerk für CO₂- speichernde Bauteile entsteht in Leipzig
Mit der „C-Factory“ beginnt in Sachsen ein industriepolitisches
Zukunftsprojekt für klimafreundliches Bauen. Ziel ist der Aufbau des
weltweit ersten Carbonbetonwerks zur vollautomatisierten Herstellung CO₂-
speichernder Carbonbeton-Bauteile für den Hochbau. Nachdem die
Carbonbetonbauweise in den vergangenen zwei Jahrzehnten intensiv erforscht
und in ersten Bauprojekten erprobt wurde, folgt nun mit der C-Factory der
entscheidende Schritt: die Überführung der Technologie in eine
industrielle, skalierbare Produktion und damit damit in marktfähige
Anwendungen. Das Forschungs- und Transferzentrum der HTWK Leipzig
unterstützt die industrielle Skalierung der innovativen
Carbonbetontechnologie.
Mit der „C-Factory“ beginnt in Sachsen ein industriepolitisches
Zukunftsprojekt für klimafreundliches Bauen. Im Rahmen eines Pressetermins
im CUBE in Dresden wurde am 30. März 2026 im Beisein des Sächsischen
Staatsministers für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Dirk
Panter, der offizielle Startschuss für das Vorhaben gegeben. Ziel ist der
Aufbau des weltweit ersten Carbonbetonwerks zur vollautomatisierten
Herstellung CO₂-speichernder Carbonbeton-Bauteile für den Hochbau.
Das Verbundvorhaben wird im Rahmen der Bundesförderung Industrie und
Klimaschutz (BIK) durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
(BMWE) mit rund 14 Millionen Euro gefördert und läuft bis Ende 2029.
Initiiert und koordiniert wird das Projekt von der Kahnt & Tietze GmbH aus
Leipzig. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft entsteht
ein interdisziplinäres Konsortium, dem unter anderem die Betonwerk Oschatz
GmbH, die SCHWENK Zement GmbH & Co. KG, die Prilhofer Consulting GmbH &
Co. KG, die ABS Storkow GmbH, das Forschungs- und Transferzentrum Leipzig
e. V. der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig sowie die
Technische Universität Dresden angehören.
Von der Forschung in die industrielle Anwendung
Die Herstellung, Errichtung, Modernisierung und der Betrieb von Wohn- und
Nichtwohngebäuden ist in Deutschland für 40 Prozent der
Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Carbonbeton ermöglicht deutlich schlankere, leichtere und dauerhaftere
Bauteile als der klassische Stahlbetonbau. Da Carbon nicht korrodiert und
damit die Betondeckung deutlich reduziert werden kann, sinken die
benötigten Mengen an Zement, Kies und Sand erheblich. In Summe lassen sich
damit heute bereits bis zu 80 Prozent an Ressourcen einsparen.
In Kombination mit CO₂-mineralisierten Zuschlägen und zusätzlichen CO₂-
speichernden Materialien werden Bauteile in der C-Factory künftig sogar
zum Kohlenstoffspeicher.
Die Carbonbetonbauweise wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten intensiv
erforscht und in ersten Bauprojekten erfolgreich erprobt – unter anderem
im Carbon Concrete CUBE in Dresden, dem weltweit ersten Gebäude aus
Carbonbeton. Die dort eingesetzten automatisierten Fertigungsprozesse
wurden im Carbonbetontechnikum Deutschland am FTZ der HTWK Leipzig
entwickelt und erprobt. Mit der C-Factory folgt nun der entscheidende
Schritt: die Überführung dieser Technologie in eine industrielle,
skalierbare Produktion.
C-Factory – Prototypische, vollautomatisierte Fertigungsstrecke
Mit dem Aufbau der C-Factory wird die Entwicklung der ersten
prototypischen, vollautomatisierten Fertigungsstrecke für
Carbonbetonbauteile im Großformat sowie erstmals die Integration von CO₂-
speichernden Baustoffen realisiert.
In den kommenden vier Jahren wird die Pilotanlage in Leipzig aufgebaut, in
Betrieb genommen und verschiedene Demonstrationsbauteile gefertigt. Sie
dient als Referenz für zukünftige Carbonbetonwerke und als Grundlage für
die industrielle Skalierung einer klimafreundlichen Bauweise. Die in der
C-Factory entwickelten Bauteile und Produktionsverfahren sind dabei auf
unterschiedliche Standorte übertragbar.
Panter: Gelebter Forschungstransfer
Der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und
Klimaschutz, Dirk Panter, würdigt das Vorhaben als wichtigen Beitrag zur
industriellen Transformation: „Sachsen beweist: Klimaschutz und
Wettbewerbsfähigkeit gelingen zusammen. Dass sich Gebäude künftig als CO₂-
Senke nutzen lassen, ist mit Blick auf die industrielle Transformation und
den Klimaschutz revolutionär. Die C-Factory ist ein vorbildliches Beispiel
für gelebten Forschungstransfer, sächsischen Innovationsgeist und
Effizienzsteigerung.“
Das Verbundprojekt „C-Factory“ ist das größte sächsische Vorhaben aus der
ersten BIK-Förderrunde und wird von der Kahnt & Tietze GmbH als
Konsortialführer koordiniert. Auch aus Programmen der sächsischen
Technologieförderung erhielt das Unternehmen seit 2014 finanzielle
Zuwendungen, die die Grundlage für die im Aufbau befindliche C-Factory
bilden.
Panter betont: „Es macht mich stolz, dass unsere Technologieförderung auch
in diesem Fall erfolgreich eine innovative sächsische Entwicklung
beflügelt hat und in Leipzig zur Anwendung kommt. Die Technologieförderung
ist mehr als ein Instrument zur Wirtschaftsförderung. Sie hilft darüber
hinaus, kluge Köpfe hier am Standort zu halten und neue zu gewinnen.“
Konsortialführung
Dr.-Ing. Alexander Kahnt, Geschäftsführer der Kahnt & Tietze GmbH,
erklärt: „Der Erfolg dieses Vorhabens basiert auf einer starken Leistung
meines Leipziger Teams. Uns alle motiviert das Ziel, mit der C-Factory die
Emissionen im Bauwesen deutlich zu senken.“
Dr.-Ing. Matthias Tietze, ebenfalls Geschäftsführer der Kahnt & Tietze
GmbH, führt weiter aus: „Wir bringen eine Technologie, die bisher vor
allem in Forschung und Pilotprojekten existiert hat, in die industrielle
Realität. Mit der C-Factory schaffen wir die Grundlage für die
wirtschaftliche und skalierbare Umsetzung von Bauwerken.“
Beide Geschäftsführer haben an der HTWK Leipzig studiert und an der TU
Dresden kooperativ promoviert. Dr.-Ing. Alexander Kahnt legte mit seiner
Promotion zum Thema „Die Gebäudehülle der Zukunft“ bauphysikalische und
konstruktive Grundlagen für schlanke Carbonbetonbauteile. Dr.-Ing.
Matthias Tietze promovierte zum Thema „Zur wirtschaftlichen
Wertschöpfungskette von Carbonbeton – Am Beispiel der Doppelwand
Halbfertigteilbauweise“ und fokussierte sich auf die wirtschaftliche
Umsetzung der Bauweise.
Nach dem Studium war Dr.-Ing. Tietze an der TU Dresden im Projekt C3 -
Carbon Concrete Composite am Institut für Massivbau unter Leitung von
Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach tätig. Kahnt baute die Forschungsgruppe
„Nachhaltiges Bauen“ am Institut für Betonbau der HTWK Leipzig unter
Leitung von Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher auf.
Sie alle verbindet seit vielen Jahren das Ziel, die Carbonbetonbauweise
aus der Forschung in die praktische Anwendung zu überführen.
Gemeinsam gründeten sie aus der HTWK Leipzig heraus die Kahnt & Tietze
GmbH, um neue Materialien, Bauweisen und Fertigungstechnologien in der
C-Factory industriell umzusetzen.
Forschungs- und Transferzentrum Leipzig e. V. der HTWK Leipzig unterstützt
industrielle Skalierung der innovativen Carbonbetontechnologie
Die HTWK Leipzig beteiligt sich mit ihrem Forschungs- und Transferzentrum
(FTZ) am Aufbau der C-Factory. Bereits seit 2014 – mit Bewilligung der
Forschungsinitiative Carbon Concrete Composite, kurz C3 – entwickelten
Forschende in zahlreichen Einzelvorhaben die Carbonbetonbauweise. Mit
Eröffnung des zur Hochschule gehörenden Carbonbetontechnikums Deutschland
im Jahr 2022 konnten Forschende Fertigungsprozesse für die neuen Bauteile
konzipieren und erproben. Im Carbonbetontechnikum Deutschland arbeiten
Mitarbeitende des Instituts für Betonbau unter Leitung von Prof. Dr.-Ing.
Klaus Holschemacher interdisziplinär mit dem Institut für
Prozessautomation und eingebettete Systeme unter Leitung von Prof.
Dr.-Ing. Tilo Heimbold zusammen.
Mit der C-Factory erfolgt jetzt der entscheidende Transferschritt in die
breite Anwendung. Die Kahnt & Tietze GmbH, eine Ausgründung der HTWK
Leipzig, fungiert hierbei als Initiator und übernimmt die Leitung des
Konsortiums. Dieser Lückenschluss zum Markt soll insbesondere durch eine
intensive Zusammenarbeit zwischen dem FTZ der HTWK Leipzig und der Kahnt &
Tietze GmbH sowie mit weiteren Partnern erreicht werden, um die
kontinuierliche Automatisierung zentraler Prozessschritte systematisch
auszubauen.
Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher, Direktor des Instituts für Betonbau
(IfB) der HTWK Leipzig, erklärt: „Mit dem Carbonbetontechnikum Deutschland
konnten wir in Leipzig die theoretischen Grundlagen, die im Rahmen der
verschiedenen C3-Forschungsvorhaben zum Carbonbeton entstanden sind, mit
den Anforderungen einer praxisnahen, automatisierten
Herstellungstechnologie verknüpfen. Der Baustoff, der dem Technikum seinen
Namen gibt, ist ressourcensparender und langlebiger als der bisher
weltweit eingesetzte Stahlbeton, zudem recycelbar und sogar
multifunktional nutzbar.“
Für das FTZ ist das Projekt ein wichtiger Meilenstein im
Technologietransfer. Die Fertigungsprozesse zur Herstellung von
Carbonbeton-Bauteilen, deren Entwicklung insbesondere auch im Rahmen der
Forschungsförderung durch das Sächsische Staatsministerium für
Wissenschaft, Kultur und Tourismus gefördert wurde, wird damit in
marktfähige Anwendungen überführt.
Prof.-Dr.-Ing. Tilo Heimbold, Projektleiter der C-Factory und zugleich
wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Transferzentrum,
erläutert: „Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der Automatisierung
von Fertigungsprozessen für die Industrie. Diese Erfahrung übertragen wir
in diesem Projekt gezielt auf das Bauwesen, um die Produktivität und die
Qualität zu steigern, zugleich die Emissionen zu senken. Somit schaffen
wir wichtige die Grundlagen, um am Standort Deutschland wettbewerbsfähig
zu bleiben.“
