wei Technologie-Start-ups der TH Mannheim erhalten eine Millionenförderung vom Bund
Im Rahmen des Programms „EXIST Forschungstransfer“ erhalten in den
kommenden zwei Jahren zwei Start-ups der TH Mannheim eine Förderung vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Höhe von je einer Million
Euro. Die offiziellen Förderbescheide sind am vergangenen Freitag
eingegangen.
Die beiden geförderten Start-ups sind LiberaZell sowie Sapientec.
LiberaZell: energieeffiziente Technologie für haltbare Lebensmittel mit
mehr Nährstoffen
Herkömmliche Pasteurisierungsverfahren machen Lebensmittel zwar haltbar,
führen durch hohe Temperaturen oder energieintensive Prozesse jedoch
häufig zum Verlust empfindlicher Nährstoffe und verursachen einen hohen
Energieverbrauch. Das Start-up LiberaZell entwickelt ein Verfahren, mit
dem Getränke und andere flüssige Lebensmittel länger haltbar gemacht
werden können – und das deutlich energiesparender sowie schonender als
bisherige Verfahren.
Dafür setzt das Team auf die sogenannte Druckwechseltechnologie (Pressure
Change Technology, PCT). Anders als bei der klassischen Pasteurisierung
werden die Produkte dabei nicht stark erhitzt. Stattdessen arbeitet das
Verfahren mit moderatem Druck bei niedrigen Temperaturen. So können
Mikroorganismen und Enzyme zuverlässig inaktiviert werden, ohne dass
wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen. Mehr als 95 Prozent empfindlicher
Stoffe wie Vitamin C oder Carotinoide bleiben so erhalten. Die Technologie
eignet sich unter anderem für Säfte, pflanzliche Getränke oder andere
hochwertige flüssige Produkte und kann in bestehende Produktionsanlagen
integriert werden. Darüber hinaus eröffnet sie Anwendungen in der
Biotechnologie, etwa zur Gewinnung wertvoller Inhaltsstoffe aus
Mikroorganismen.
Entwickelt wurde das Verfahren unter der Leitung von Dr. Ana Lucia
Vasquez-Caicedo über viele Jahre am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen-
und Bioverfahrenstechnik IGB. Zu ihrem Team an der TH Mannheim gehören
außerdem Dr. Daniel Cardenas, Dr. Tmimothej Patocka und Deborah Herdt. Im
Rahmen des EXIST Forschungstransfers will das Gründerteam die Technologie
nun optimieren und für den industriellen Einsatz vorbereiten.
Sapientec: verbesserter Strahlenschutz im OP
Zu den Empfängern des EXIST Forschungstransfers gehört außerdem das Start-
up Sapientec. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht das KI-gestützte
Assistenzsystem AI.Dos, das den Strahlenschutz für medizinisches Personal
bei bildgestützten Eingriffen verbessern soll.
Healthcare Professionals sind im Operationssaal täglich ionisierender
Strahlung ausgesetzt. Die von Sapientec entwickelte Lösung visualisiert
Streustrahlung im Interventionsraum, berechnet die organspezifische
Strahlenbelastung in Echtzeit und unterstützt die automatisierte
Dokumentation. Ziel ist es, den Arbeitsschutz im klinischen Alltag zu
verbessern und gleichzeitig den administrativen Aufwand zu reduzieren.
Durch die Kombination aus Sensorik, Echtzeit-Tracking und KI-gestützter
Strahlungsmodellierung wird die Strahlenexposition erstmals datenbasiert
und situationsspezifisch nachvollziehbar. Das Förderprogramm ermöglicht
die Weiterentwicklung der Technologie bis zur klinischen Anwendung. Dabei
stehen insbesondere die technische Fertigstellung, der Nachweis des
klinischen Nutzens sowie erste Pilotinstallationen in Kliniken im Fokus.
Über die enge Zusammenarbeit mit klinischen Partnern soll frühzeitig
Feedback aus der Praxis eingeholt und Lösungen iterativ weiterentwickelt
werden.
Entwickelt wird die Technologie am Institute for Applied Artificial
Intelligence & Robotics (A²IR) der Technischen Hochschule Mannheim unter
Leitung von Prof. Dr. Marcus Vetter in enger Zusammenarbeit mit der
Universität Heidelberg und klinischen Partnern, namentlich vor allem Prof.
Dr. Schönberg und Prof. Dr. Diehl. Die Grundlagen der Technologie wurden
im Rahmen eines interdisziplinären Kooperationsprojekts am
Forschungscampus M²OLIE entwickelt, an dem die genannten Institutionen
sowie weitere Partner beteiligt waren.
Bereits im Februar 2026 konnte das Team von Patrick Schülein, Simon Thimm,
Niklas Rettig und Mareike Matz-Kellner zudem einen Erfolg beim
landesweiten Förderprogramm ASAP (Academic Seed Accelerator Program) der
Innovationsplattform NXTGN erzielen. Seit März 2026 ist das Unternehmen
zudem Teil des Life Science Accelerators Baden-Württemberg sowie des
Gründungsnetzwerks NEXT Mannheim.
„Die Bewilligung von zwei EXIST-Forschungstransferprojek
Hochschule eine besondere Bestätigung der erfolgreichen Zusammenarbeit
vieler Stellen für die Gründungsförderung", freut sich Prof. Dr. Oliver
Hummel, Leiter des Gründungszentrums MARS an der TH Mannheim. „Unser
Anspruch ist es, Gründungsteams bestmöglich auf ihrem Weg in die
Selbstständigkeit zu unterstützen. Deshalb stellen wir nicht nur
Infrastruktur und Arbeitsräume bereit, sondern begleiten die Gründerinnen
und Gründer auch mit individueller Beratung und gezielten Pitchtrainings
über das MARS-Gründungszentrum."
Und Prof. Dr. Julian Reichwald, Prorektor für Digitale Transformation,
Nachhaltigkeit und Kooperationen ergänzt: „Dieser Erfolg ist ein
eindrucksvoller Beleg dafür, dass es uns gelingt, innovative Ideen aus der
anwendungsorientierten Forschung erfolgreich in tragfähige
Geschäftsmodelle zu überführen und Gründerinnen und Gründer auf hohem
Niveau zu begleiten. Gleichzeitig schärfen wir unser Profil als
forschungs- und transferstarke Hochschule und erhöhen unsere Sichtbarkeit
im bundesweiten Wettbewerb.“
Über das Förderprogramm EXIST Forschungstransfer
Das Förderprogramm EXIST Forschungstransfer zählt bundesweit zu den
renommiertesten und selektivsten Förderprogrammen für forschungsbasierte
Hightech-Ausgründungen. Gefördert werden ausschließlich herausragende
technologieorientierte Gründungsvorhaben mit hohem Innovationsgrad,
wissenschaftlicher Exzellenz und klaren Marktpotenzialen. Die Förderung
richtet sich insbesondere an Projekte mit anspruchsvollen und
risikoreichen Entwicklungsarbeiten auf dem Weg zur Marktreife. Das
Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und
die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus)
finanziert.
Beide Projekte durchliefen einen anspruchsvollen und mehrstufigen
Auswahlprozess. Aus bundesweit insgesamt 63 eingereichten Anträgen wurden
die Vorhaben zunächst im Rahmen einer internen Begutachtung ausgewählt und
anschließend zur Präsentation vor einer Expertenjury des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eingeladen. Die Jury setzte
sich aus hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft,
Medizintechnik, Venture Capital und Innovationsförderung zusammen.
